Weinland

Die Geburt neuer Bienenvölker

Im Frühling verlässt die Bienenkönigin mit einem Teil des Volkes ihren Stand. Die Tiere bilden einen Schwarm und siedeln sich an einem neuen Ort an. Wo, das bestimmt ein Bruchteil des neuen Volkes.

von Eva Wanner
31. Mai 2019

Vielleicht haben sie es schon einmal gehört: das wilde Summen, wenn Tausende Bienen unterwegs sind. Oder gesehen, wie eine ganze Traube Bienen an einem Ast hängt – vielleicht sogar im eigenen Garten oder im Quartier. Für die einen ein beeindruckender Anblick, für andere furchteinflössend, für Imkerinnen wie Susanne Wepfer ein wunderschönes Naturschauspiel. Es lässt sich von Mitte April bis Mitte Juni, meist nach Ende der Obst- und während der Rapsblüte, beobachten, erklärt die Rudolfingerin.

Dieses Phänomen nennt sich Schwärmen. Die Bienenkönigin verlässt mit einem Teil des Volkes den Stand, die Bienen schwärmen aus und suchen ein neues Zuhause. Beziehungsweise 20 bis 30 Bienen tun das. Der Biologe Tom Seeley hat die Schwarmintelligenz von Honigbienen untersucht und festgestellt, dass diese Anzahl an «Ja»-Stimmen zu einem neuen Nistplatz reicht, damit der ganze Schwarm einverstanden ist. Eine Begründung hierfür ist, dass 20 bis 30 Bienen genug sind, um eine korrekte Entscheidung für alle treffen zu können, aber nicht zu viele, um nicht unnötig Ressourcen, Zeit und Ener­gie­ zu verbrauchen.

Wie der Imker Bienen fängt
Lässt der Imker seine Bienen schwärmen – es ist möglich, die Völker künstlich zu vermehren und den Schwarmtrieb zu unterbinden –, hat er einiges an Aufwand zu bewältigen. Denn die Tiere können nicht ganz sich selbst überlassen werden, Schädlinge wie die eingeschleppte Varroamilbe könnten sie kaum alleine bekämpfen. Sprich: Schwarmzeit ist Bienen-Einfangzeit.

Susanne Wepfer und ihre Imkerkollegin beispielsweise fahren, wenn sie wissen, dass die Bienen bald schwärmen, jeden Nachmittag ihre Stände ab. So schnell die schwarmwilligen Bienen auch regelrecht aus den Kisten purzeln, fliegen sie doch erstmal nicht weit weg, erklärt sie. Während die Kundschafterinnen unterwegs sind, hängt der Rest des Schwarms oft in einem Baum in der Nähe des Ausgangsorts. Dort kann der Imker sie einfangen.

Nur … wie fängt man denn einen Schwarm Bienen ein? Je nachdem wo sich der Schwarm niedergelassen hat, kann das Einfangen eine Herausforderung sein. Der Schwarm wird mit etwas Wasser bestäubt, unter dem Schwarm wird eine Kiste platziert, in die die Bienen «reingeklopft» werden. Ist die Königin in der Kiste, ist alles gut. Fehlt das Oberhaupt, kommt auch der Rest nicht nach.

Ist die Königin in der Kiste, beginnen die Bienen, rundherum zu «sterzeln»: Sie fächeln, das Hinterteil nach oben gerichtet, die Pheromone der Chef-Biene in die Luft, um den anderen anzuzeigen, wo sich die Königin befindet. Die Bienen fliegen dann in die Kiste, wo sie erneut eine Schwarmtraube bilden. Der Imker kann sie dann verschliessen und mitnehmen.

Dreineinhalb Kilogramm Bienen
Die Bienenschwärme sind unterschiedlich gross. Eine fast eineinhalb Meter lange Schwarmtraube, 3,5 Kilogramm Bienen, traf Susanne Wepfer heuer ebenso an, wie sie «nur» ein halbes Kilo in einer Kiste transportiert hat.

Die Bienen werden in der Schwarmkiste für ein bis zwei Tage in den Keller gestellt, damit sie zur Ruhe kommen können. Dann wird der Schwarm in eine neue Behausung am Bienenstand einlogiert. «Das kann auch derselbe Bienenstand sein, in dem sie gestartet sind. Nur nicht dieselbe Wohnung», sagt sie. An ihrem neuen Wohnort leben die Bienen als neues Volk, und im nächsten Frühling beginnt das Ganze von vorne.

Ruhig bleiben und melden
Wenn Sie also Bienen in grossen, lauten Mengen sehen: ruhig Blut. Sie werden Zeuge davon, wie auf natürliche Art und Weise neue Völker gebildet werden.

Was tun (ausser ruhig bleiben)? Wenn jemand einen Schwarm beobachtet oder gar auf dem eigenen Grundstück hat, sollte er am besten einen ortsansässigen Imker anrufen. Ist der Schwarm in der Nähe eines Bienenstandes, sollte dort mindestens der Name, möglicherweise auch die Telefonnummer des Imkers vermerkt sein. Kommt der Imker und fängt den Schwarm, behält er diesen oder gibt ihn an andere Imker weiter. Auch Jungimker sind froh, wenn sie die Grundlage für neue Völker abholen dürfen.

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