Weinland

Klaustelle Baustelle

Gerade im Winter nehmen Diebstähle auf Schweizer Baustellen zu. Auch Weinländer Firmen waren und sind betroffen. Eine Software bietet beim Auffinden von Diebesgut Unterstützung.

von Dominik Müller
18. Februar 2020

Langfinger haben auf Schweizer Baustellen das ganze Jahr Saison. «Die Problematik begleitet mich, seit ich in dieser Branche tätig bin», sagt Michael Nil von der Waltalinger Schreinerei Ismont. Vor allem im Winter, wenn die Dunkelheit früh einsetzt, bietet sich für Gauner die Gelegenheit, gratis an Werkzeuge, Maschinen oder andere Bau­materialien zu gelangen.

Genaue Statistiken gibt es keine, zumal auch nicht in allen Fällen Versicherungen Schadensleistungen erbringen. Was nicht eingeschlossen oder fest mit dem Gelände verbunden ist, wird oftmals nicht ersetzt. Walter Schnelli, Präsident des Baumeisterverbands Region Weinland/Schaffhausen, sagt: «Aus dem Weinland wurden uns in letzter Zeit nicht viele Fälle gemeldet, aber die Dunkelziffer ist ungewiss.» Weinländer Unternehmen hatten auf Nachfrage aber durchaus schon Diebstähle zu beklagen.

Container bieten zu wenig Schutz
Der Kleinandelfinger Baufirma Landolt AG etwa wurden laut Raphael Meier, Leiter Logistik, schon einige Male Materialien entwendet: «Diebe haben teilweise ganze Container aufgebrochen und die darin aufbewahrten Maschinen mitgehen lassen.» Über die Feiertage werde dar­um auch alles Material an den Firmensitz zurückgebracht, die Lagerung in verschlossenen Containern biete zu wenig Schutz. In einem Fall sei auf einer Baustelle in Zürich Werkzeug gestohlen worden, mit dem anschliessend im benachbarten Tierspital eingebrochen worden sei. «Manchmal ist ein Baustellenraub auch nur Mittel zum Zweck», erzählt Raphael Meier. Im Berufsalltag vertraut die Landolt AG auf die Eigenverantwortung der jeweils zuständigen Baumeister und Poliere. So kontrollieren diese am Ende des Tages, ob alle Geräte zurückgebracht wurden, vorher gehe niemand nach Hause. Aus gutem Grund: «Wir hatten auch schon Fälle, da wurden Sachen draussen versteckt, um sie später dann abzuholen.»

Auch Michael Nil weiss von einem erst kürzlich erlittenen Verlust zu berichten: «Wir haben einen Treppensteiger abgestellt, diesen fünf Minuten aus den Augen gelassen, und schon war er weg.» Der Schaden beläuft sich auf rund 3500 Franken. Bei einem solchen Stundenlohn verwundert es nicht, dass Diebe auf Baustellen besonders aktiv sind. Grössere Bauareale lassen sich kaum so absichern, dass sie für niemand zugänglich sind.

Zoll als Fundbüro
Darüber, wer die Diebe sind, kann nur gemutmasst werden. Hinter vorgehaltener Hand weiss man von Handwerkern, die sich durchaus auch bei Berufskollegen bedienen. Günstiger gibt es neues Werkzeug nirgends. Am Werk sind aber auch organisierte, teilweise ausländische Banden. Diesen wird in manchen Fällen der Zoll zum Verhängnis. So sind etwa die Besitzer von Geräten des bekannten Herstellers Hilti mittels QR-Code schnell ermittelt (siehe Kasten). Davon profitierte auch schon die Landolt AG: «Zum Glück werden Zollbeamte misstrauisch, wenn jemand mit Baumaschinen im Gepäck die Grenze passieren will», so Raphael Meier.

Baufirmen müssen wohl auch in Zukunft besonders viel Acht auf das eigene Hab und Gut geben. Denn Gelegenheit macht Diebe. Und auf Baustellen soll bekanntlich Neues gebaut und nicht Fremdes geklaut werden.

Gipser Russo setzt auf «Hilti on Track»

Rund 52 Stunden pro Monat wird auf Baustellen nach verschwundenen Geräten gesucht. Die Zahl stammt von der Hilti AG. Der liechtensteinische Werkzeughersteller hat seit drei Jahren die Software «Hilti on Track» auf dem Markt, die das Materialmanagement massiv vereinfachen sowie Geld und Zeit einsparen soll. Sie ermöglicht, sämtliche Werkzeuge und Maschinen mittels QR-Code einzuscannen und im auf den Betrieb angepassten System abzuspeichern. Die Daten sind auch mobil auf dem Smartphone abrufbar.

Seit dem Herbst 2019 nutzt die Andelfinger Gipserfirma Giovanni Russo AG das Programm ebenfalls – mit Erfolg: «Nun wissen wir immer genau, wo unsere Maschinen im Einsatz sind», sagt Luzi Gerber, Leiter Logistik. Das entlaste den Magaziner und fördere die Selbstverantwortung der Projektleiter und der zuständigen Handwerker. «Das hat auch einen positiven psychologischen Effekt auf unsere Mitarbeiter», so Luzi Gerber. Wird ein Gerät geklaut, kann zwar nicht die genaue Position ermittelt werden, da kein GPS-Signal vorhanden ist; durch die Software kann aber der letzte Standort des verloren gegangenen Geräts ermittelt werden.

Vor allem wenn das Verschwinden nicht sofort bemerkt wird, kann die Suche so eingegrenzt werden. Verläuft diese dennoch erfolglos, bleibt die Zollverwaltung als letzte Hoffnung. Die wirklichen Besitzer der Werkzeuge sind dort in Verdachtsfällen durch Scannen relativ schnell ermittelt. (dom)

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