Sport

Akrobatisch an die Weltspitze

Saltos, Überschläge, spektakuläre Hebefiguren zu dritt – für Laura Gredig kein Problem. Die 17-Jährige aus Oberneunforn betreibt Sportakrobatik auf höchstem Niveau. Im Mai startet sie bei der Heim-WM.

von Manuel Sackmann
04. Februar 2020

Bei den meisten Dingen beginnt man ganz unten. Laura Gredig (kleines Bild) startete jedoch ganz oben – zumindest was ihre Turnposition betrifft. In der Sportakrobatik ist das nicht ungewöhnlich. «Die jüngsten Turnerinnen sind meistens auch die leichtesten», erklärt die 17-Jährige aus Oberneunforn. Bei den kräfteraubenden Hebefiguren seien sie deshalb zuoberst anzutreffen. Mittlerweile nimmt sie eine der unteren Positionen ein.

Es erinnert an den Zirkus, was sie und ihre Kolleginnen auf das Bodenquadrat zaubern. Gegenseitig schleudern sie sich durch die Luft, stehen zu dritt aufeinander, zeigen Handstände, Überschläge, Saltos und vieles mehr. Der Zirkus war aber nie ihr Ansporn. Mit fünf Jahren begann Laura Gredig in Rutschwil mit dem Geräteturnen. «Da bin ich reingerutscht, weil meine Mutter die Trainerin kannte», sagt sie. Doch als eine der Leiterinnen aufhörte, wurde auch die Geräteriege aufgelöst. Laura Gredig ging zur Neuen Sektion Winterthur, wo sie erstmals mit der Sport­akrobatik in Kontakt kam. «Es hat mir auf Anhieb gut gefallen.» Mit 10 Jahren trainierte sie beide Sportarten.

In der Sportakrobatik wird zwischen Balance- und Tempoübungen unterschieden. Während in Ersteren Hebefiguren im Zentrum stehen, beinhalten die Letzteren schnellere Elemente wie Saltos und Ähnliches. Neben der Choreografie werden Technik, Schwierigkeit und sogar Mimik bewertet. «Je nach Musik ist ein lachender oder ein ernster Gesichtsausdruck gefragt.»

«Viel Freizeit bleibt nicht»
Sie trainiert mindestens viermal in der Woche – auch am Wochenende. «Viel Freizeit bleibt nicht», sagt die Neunfornerin, die eine KV-Lehre bei der Giovanni Russo AG in Andelfingen absolviert. «Ich lerne vor allem am Wochenende», sagt sie. Trotz Training. Alles unter einen Hut zu bekommen, sei schwierig, doch könne sie dabei auf die Unterstützung ihres Arbeitgebers zählen. Denn regelmässiges Üben ist nötig, will sie mit ihrer Gruppe gute Leistungen zeigen. «Wir turnen immer in der gleichen Konstellation.» So sei man perfekt aufeinander abgestimmt. «Vertrauen zu den Turnkolleginnen ist sehr wichtig», so Laura Gredig. Zudem seien Wille, Beweglichkeit, Kraft und Teamfähigkeit gefordert.

«Ich mag den Wettkampf, den direkten Vergleich.» Zu fünf bis sechs grösseren Anlässen tritt sie mit ihrer Gruppe jedes Jahr an. Diese finden meist im Ausland statt, denn in der Schweiz gibt es nur wenige Vereine – zwei in der Westschweiz, je einer in der Ostschweiz und im Tessin sowie zwei in Winterthur. Die Sportakrobatik ist daher ein teures Hobby. «Die Kosten für Reise, Hotel und Verpflegung müssen wir selbst übernehmen.» Oder eher die Eltern. Denn hinzu kommt ein Mitgliederbeitrag, der 1000 Franken bei weitem übersteigt. «Seit ich in der Lehre bin, beteilige ich mich aber auch an den Kosten», sagt die 17-Jährige.

Start an der Heim-WM
Für das Highlight des Jahres braucht Laura Gredig indes nicht weit zu reisen. Im Frühling findet die Weltmeisterschaft in Genf statt. Vor einem Jahr hat die Trainerin Nina De Schoenmacker damit begonnen, das Zürcher Kader aufzubauen. Laura Gredig ist, wie auch ihre zwei Jahre jüngere Schwester Leana, Teil davon. Seither werden die Kadermitglieder auch dem Spitzensport zugeteilt.

Betreffend der Ziele äussert sich die angehende Kauffrau bescheiden: «Wir wollen einfach unsere Leistung abrufen», sagt sie. «Ein Platz im Mittelfeld wäre schön.» Die WM diene auch als Standortbestimmung, denn die Akrobatik ist in der Schweiz noch eine Randsportart. In anderen Ländern wie Russland ist die Disziplin deutlich grösser, die Konkurrenz an einem internationalen Wettkampf daher stark. Eine Finalqualifikation sei dennoch nicht unmöglich.

Bislang Glück gehabt
Wer hoch durch die Luft wirbelt oder mehrere Menschen über sich halten muss, der läuft Gefahr, sich wehzutun. «Verletzungen können wie in jeder Sportart vorkommen», gibt Laura Gredig zu. Schlechte Landungen könnten zu gebrochenen Füssen führen, auch Stürze bei Hebefiguren seien unangenehm. Ihr Trio, mit dem sie nun seit drei Jahren turnt, habe bislang aber Glück gehabt. Schlimm wäre ein Ausfall bei einem Wettkampf, weil dann die ganze Gruppe nicht starten könnte.

So weit soll es auch künftig nicht kommen, damit einem Start am Saisonhighlight nichts im Weg steht. Die WM beginnt am 20. Mai. Für Spektakel dürfte auf jeden Fall gesorgt sein.

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