Sport

«Bömbi» erobert Winterthur

Daniel Keller aus Alten stand in der abgelaufenen Saison erstmals für das NLA-Team des HC Rychenberg im Einsatz. Zwischenzeitlich durfte er gar in der ersten Linie auflaufen. Angefangen hat alles in der heimischen Scheune.

von Manuel Sackmann
03. April 2020

Sie nennen ihn «Bömbi». Wie es dazu gekommen ist, weiss Daniel Keller nicht mehr genau. «Ich glaube, es war im Kindergarten», sagt der Altemer. «Irgendwann habe ich verkündet, dass ich nun ‹Bömbi› heisse.» Der Name ist bis heute geblieben, im Leben des mittlerweile 21-Jährigen hat sich seither aber einiges verändert. Vom kleinen Kindergärtler hat er sich zum pfeilschnellen Top-Unihockeyspieler entwickelt, der auf bestem Weg ist, Winterthur zu erobern.

In der abgelaufenen Meisterschaft stand er erstmals für das NLA-Team des HC Rychenberg im Einsatz. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass es dazu kommt», sagt er. Im letzten Sommer wurde der U21-Spieler dann aber unverhofft ins Training des Fanionteams eingeladen – und schaffte den Sprung ins Kader. Zeitweise durfte er gar in der ersten Linie auflaufen, in anderen Spielen war er jedoch auch dem vierten Block und damit der Reserve zugeteilt.

Opferbereitschaft gefordert
Seine Stellung im Team könne er nach der Premierensaison deshalb noch nicht richtig einschätzen, sagt Daniel Keller. Da er nicht mit viel Spielzeit rechnete, machte er sich keinen Druck. Und dennoch: «Wenn ich nach Einsätzen in der ersten Linie wieder in die zweite oder dritte zurückgestuft wurde, habe ich mich dann schon gefragt, woran es gelegen hat.»

Der gelernte Elektriker ist ehrgeizig, will sich laufend verbessern. Das erfordert Opferbereitschaft. «Wenn man es im Unihockey zu etwas bringen will, muss man sich dem Sport voll verschreiben.» Geld könne nicht der Antrieb sein, zumal die Gehälter sehr überschaubar seien. Leidenschaft sei hingegen wichtig. «Wer im Training nicht alles gibt, dem reicht es letzten Endes einfach nicht.»

Erste Schritte bei den Wild Pigs
Für den Altemer ist das kein Problem. Er liebt seinen Sport, und das schon seit Kindheitstagen. Seine ersten Unihockey-Schritte machte er im Weinland. Über einen Freund kam er als Zweitklässler in den Nachwuchs der Wild Pigs, die damals noch nicht in Andelfingen, sondern in Marthalen ansässig waren. Fortan bestimmte der Hallensport sein Leben. «Ich spielte ständig und überall, auch zu Hause in der Scheune.» Der HC Rychenberg war damals noch weit weg. «Ich kannte den Verein eigentlich gar nicht.» Nach etwa drei Jahren legte ihm sein Trainer dennoch nahe, doch einmal beim Spitzenclub aus Winterthur reinzuschnuppern. Also tat er das – und blieb.

Nach Jahren im Nachwuchs vollzog er letzten Sommer nun den Schritt in die oberste Liga der Schweiz. Der Unterschied zwischen der U21 und der NLA sei riesig. «Alles ist deutlich schneller, am Ball hat man kaum Zeit», so Daniel Keller. Als Spieler sei die Umgewöhnung trotzdem nicht ganz so gross, denn: «Die Mitspieler sind ja ebenfalls besser und wissen auch mit einem Pass etwas anzufangen, der vielleicht einmal nicht perfekt ist.»

Noch Luft nach oben
Zwei Tore und vier Assists gelangen «Bömbi» in seiner ersten Saison, Meisterschaft und Play-offs zusammengezählt. Vollends zufrieden ist er damit nicht. «Als Flügel wäre ich für das Toreschiessen zuständig», sagt er selbstkritisch. Luft nach oben sei deshalb noch vorhanden. Immerhin: Es ist nicht so, dass er sich keine Chancen erarbeiten konnte. Eher liess er noch eine gewisse Kaltblütigkeit vermissen. «Da weiss ich wenigstens, woran ich im Sommer arbeiten muss.»

Wenn es um Ziele geht, will er Schritt für Schritt nehmen. Wichtig sei, sich laufend zu steigern. In der ersten Spielzeit sei es vor allem darum gegangen, Spielpraxis zu sammeln und sich in der Mannschaft festzusetzen. In der nächsten Saison soll es dann auch mit dem Toreschiessen besser klappen. «So um die 20 Punkte sollten schon drinliegen.» Und natürlich: Wenn es so weiter gehe wie bisher, werde vielleicht irgendwann sogar die Nationalmannschaft zum Thema.

Vier bis fünf Mal in der Woche trainiert er dafür. Aufgrund des Coronavirus geschieht dies im Moment individuell zu Hause. Disziplin ist gefordert, um auf dem optimalen Stand zu sein, wenn das Mannschaftstraining hoffentlich Ende Monat wieder möglich ist. «Das wird getestet», so Daniel Keller. «Dann wird man schon sehen, wer sich nicht an den Trainingsplan gehalten hat.»

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