Sport

Ein Irrweg durchs Gehölz

Posten finden, ohne dass sie sichtbar sind: Bei einem «Cloud-O» ist das normal. Das Handy sagt, wann man am richtigen Ort ist. Wir haben es ausprobiert – mit mässigem Erfolg.

von Manuel Sackmann
30. März 2021

Dies ist die Geschichte zweier verkannter OL-Genies auf ihrer Odyssee durch den Cholfirst-Wald. Ort des Geschehens: Uhwiesen. Es herrschten milde Temperaturen, ein leichter Wind wehte, die Frisur sass. Der Grund dafĂŒr, dass sich die beiden Redaktoren an diesem spĂ€teren Freitagnachmittag am Cholfirst trafen, war ein Selbstversuch.

Die OLG Dachsen lĂ€dt zum virtuellen Orientierungslauf, einem sogenannten «Cloud-O». Noch bis Ostermontag ist eine Teilnahme fĂŒr jedermann oder -frau möglich. Es braucht dazu lediglich eine App sowie ein Handy oder eine Sportuhr. Sichtbare Posten sind unterwegs keine zu finden. Stattdessen macht sich das Handy oder die Uhr bemerkbar, wenn man das Zwischenziel erreicht hat.

Wer braucht schon GPS?
Nach der Online-Anmeldung und dem Bezahlen einer GebĂŒhr in Höhe eines FĂŒnflibers bietet sich die Wahl zwischen vier verschiedenen Touren: leicht, kurz, mittel und lang. Obwohl die Version «leicht» vermutlich fĂŒr Einsteiger gedacht wĂ€re, entschieden sich die beiden Redaktoren selbstbewusst fĂŒr die rund fĂŒnf Kilometer lange Route «mittel». Und weil sie gerade guter Laune waren, liessen sie die ausgedruckte OL-Karte im Auto und begaben sich nur mit dem Handy ausgerĂŒstet zum Start – was sich nur wenig spĂ€ter rĂ€chen sollte.

Ein erster Blick auf die Handy-Karte verriet noch nichts davon. Ein kleiner Punkt zeigte an, wo sich die LĂ€ufer gerade befanden, violette Kreise symbolisierten die Posten. Wie schwer konnte so ein virtueller OL also schon sein? Doch oh weh, mit dem Schritt ĂŒber die imaginĂ€re Startlinie nahm das Unheil seinen Lauf. Die GPS-Standortanzeige verschwand, die Zeit lief. Ab jetzt waren die beiden nur bedingt orientierungsstarken Unprofis auf sich alleine gestellt.

Okay, hĂ€tte man ahnen können. Ist ja immerhin ein Orientierungslauf. Es half aber nicht, dass sich ausgerechnet der allererste Posten in einer von zahlreichen parallel verlaufenden und nicht immer gut erkennbaren RĂŒckegassen befand. NatĂŒrlich erwischten die beiden Journalisten die falsche Gasse und irrten in der Folge eine gefĂŒhlte Ewigkeit im Wald umher. Den Hang hoch und runter, durch Dornen und Dickicht, zurĂŒck zur Strasse und nochmals hinein ins GestrĂŒpp. Das Handy wollte schlicht keinen erlösenden Laut von sich geben. Die ausgedruckte Karte hĂ€tte wenigstens Hinweise drauf gehabt, ob der Posten zum Beispiel auf einer Anhöhe, in einer Senke oder bei einem Felsen zu suchen ist, das Blatt Papier lag aber bekanntlich im Auto, wo es ein unnĂŒtzes Dasein fristete.

Dann endlich: Nach ĂŒber 30 Minuten erfolgloser Suche und dem verzweifelten Wechsel in eine andere RĂŒckegasse wurde der Schreibende durch das Klingeln seines Handys aufgeschreckt. Der violette Kreis war plötzlich grĂŒn, Posten eins abgehakt. Ein wirklich augenfĂ€lliges Merkmal in der Landschaft sahen die beiden Laien zwar nicht, zum GlĂŒck reichte jedoch eine AnnĂ€herung von ungefĂ€hr zehn bis zwanzig Metern, damit die App den Posten als gefunden zĂ€hlte. Vielleicht wĂ€re die Route «leicht» aber doch die bessere Wahl gewesen.

SouverÀn wie Profis
Nun gut, nach diesem einigermassen souverĂ€nen Start konnte es ja nur noch besser werden. TatsĂ€chlich entwickelte das Duo so langsam aber sicher ein GefĂŒhl fĂŒr die Umgebung und steuerte die Posten zwei bis acht relativ zielsicher an. Zu behaupten, das plötzliche Klingeln des Handys ĂŒberraschte sie fortan nicht mehr, weil sie den exakten Standort des Postens jeweils kannten, wĂ€re jedoch gelogen.

Immerhin zu OL-Halbprofis wurden sie aber bei Posten neun. Nach einigen Minuten Suche fielen dem Schreibenden braune Punkte auf der Karte auf, und er erinnerte sich an die kurze, wenig grĂŒndliche Vorrecherche betreffend OL-Symbolen: Punkt gleich Kuppe. Ein Rundumblick offenbarte dann auch eine Ansammlung kleiner Erhöhungen im GelĂ€nde, und siehe da, das nĂ€chste Zwischenziel war abgehakt.

Nach elf Posten, fast zwei Stunden und 9,2 effektiv zurĂŒckgelegten Kilometern war es geschafft. Ein letztes Mal klingelte das Handy, um das Erreichen der Ziellinie zu verkĂŒnden. Easy. Kurzer Check: alle Posten grĂŒn, die Beine zerkratzt, die Lunge intakt, die Frisur sitzt.

Lange Rede, kurzer Sinn: Rund zwei Stunden lang genossen zwei LĂ€ufer die Idylle des Cholfirst-Waldes, entdeckten neue Wege und hielten das Erlebte fotografisch fest, um spĂ€ter darĂŒber berichten zu können. Mit mangelnder Orientierung hatte die lange Zeitdauer zwischen Start und Ziel selbstredend wenig zu tun. Und sie hat den Vorteil, dass man sich in der Rangliste schnell und einfach findet – wenn von der richtigen Seite her gesucht wird. Es lĂ€sst sich folglich mit Überzeugung sagen: OL können wir! Ein bisschen 


Anmeldung unter: portal.ol-events.ch
Eine Schritt-fĂŒr-Schritt-Anleitung gibt es hier.

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