Ein Turnfest aus der Not

Ossingen - Die Schweizer Turn­familie darbt. In den nächsten Jahren finden im ganzen Land kaum Turnfeste statt. Drei Vereine aus der Region wollen nun Abhilfe schaffen und in kurzer Zeit eines auf die Beine stellen.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 06. März 2026
Lesezeit: 4 min

In diesem Jahr finden sechs, im nächsten gar nur fünf Turnfeste statt. Schweizweit. Und die jährliche Regionalmeisterschaft der Region Winterthur und Umgebung (WTU) des Zürcher Turnverbands (ZTV) ist da bereits miteingerechnet. Erhebliche Besserung ist nicht in Sicht. Die logische Folge: Für die unzähligen Turnvereine im ganzen Land gibt es kaum Möglichkeiten, an einem Turnfest teilzunehmen, da diese schon mehr als gut ausgelastet sind.

Kein tragbarer Zustand, fanden der TV und die Damenriege Ossingen sowie der TV Wilen-Neunforn. Sie schlossen sich kurzerhand zusammen mit dem ambitionierten Plan, in nur anderthalb Jahren ein eigenes Turnfest auf die Beine zu stellen.

Grösse zwischen RMS und RTF

Die Idee sei im Rahmen einer Abendunterhaltung im Herbst entstanden, sagt Samuel Buri. Der Ossinger übernimmt mit seinem Neunforner Kollegen Phil Fehse das Co-Präsidium. In den Vereinen werde viel Zeit ins Wettkampftraining und ins Einstudieren von Sektionsdarbietungen investiert. «Umso wichtiger ist es, dass es weiterhin Anlässe gibt, an denen sich dieser Einsatz auch zeigen und messen lässt.»

Sie hätten verschiedene Möglichkeiten diskutiert, vom regionalen Turntag bis hin zu einem überkantonalen Turnfest, so Samuel Buri weiter. Herausgekommen ist das «Turnfest Wyland 2027». Mit provisorisch anvisierten 3500 bis 4500 Teilnehmenden bewegt es sich grössentechnisch zwischen einer Regionalmeisterschaft (RMS) und einem Regionalturnfest (RTF). Wie gross der Anlass dann effektiv werde, wisse man, wenn das Gesamtkonzept stehe, so der Mitinitiant. Massgebend diesbezüglich sei etwa der Umfang der Anlagen, die genutzt oder gebaut werden könnten.

Ein bewährter Wettkampfort

Als Standort ist der östliche Dorfrand von Ossingen an der Strasse in Richtung Neunforn vorgesehen. An gleicher Stelle fand 2014 bereits ein RTF mit über 7000 Turnenden und 2022 das Zürcher Kantonalschwingfest statt. Die örtlichen Turnvereine bringen also reichlich Organisationserfahrung mit. Das gilt auch für den TV Wilen-Neunforn, der ebenfalls 2022 für das Thurgauer Seerückenturnfest verantwortlich war.

Samuel Buri, Phil Fehse und ihren Mitstreitern ist bewusst, dass anderthalb Jahre eine sehr kurze Zeit sind, um ein Turnfest zu planen und zu realisieren. Dennoch wollten sie an einer Durchführung an zwei Wochenenden festhalten. «Wäre alles an einem Wochenende, bräuchten wir wohl gleich viele Anlagen, könnten aber weniger Leute starten lassen», begründet Samuel Buri. Zudem sei ihnen wichtig, sowohl Einzel- als auch Sektionswettkämpfe anzubieten.

Sie hätten sich ferner bewusst gegen ein RTF entschieden. Denn das Label bringe diverse fixe Vorgaben vonseiten des Verbands mit sich. Ohne dieses könnten sie sich hingegen auf jene Bereiche und Disziplinen fokussieren, in die die Vereine am meisten Zeit investierten. Die Ausarbeitung des genauen Wettkampfangebots sei denn auch einer der dringendsten Punkte, die es nun zu klären gelte. «Der Spitzensport fällt sicher weg», verrät Samuel Buri. Auch Volleyballturniere oder sonstige Wettkämpfe ausserhalb der klassischen Sparten Leichtathletik, Geräteturnen und Gymnastik, die viel zusätzliche Infrastruktur benötigten, seien unwahrscheinlich.

Von Verbandsseite erhalten die Pläne aus Ossingen und Neunforn viel Zustimmung. Da die Abteilung WTU durch die RMS bereits stark ausgelastet ist, wird die Wettkampfleitung direkt über den ZTV laufen. Unterstützung sicherten auch der Thurgauer Turnverband und die Weinlandturnvereinigung zu.

Teilnehmende als Helfer gewinnen

Der Zeitplan ist sportlich. Am letzten Freitag gab der TV Ossingen im Rahmen einer ausserordentlichen Generalversammlung als letzter der drei Vereine seinen Segen für das «Turnfest Wyland». In drei Wochen gründet das Kern-OK, bestehend aus je drei Mitgliedern pro Verein, den Trägerverein. Bald stehen soll auch das Gesamtkonzept, das die Grösse des Fests, das Wettkampfangebot und weitere wichtige Punkte definiert.

Für jedes Fest unerlässlich sind genügend Helferinnen und Helfer. Beim «Turnfest Wyland» werden auch die teilnehmenden Vereine eingebunden. Diejenigen, die sich bei der Anmeldung für Helfereinsätze verpflichten, sollen bevorzugt werden. Ein Plan, der aufgehen könnte, zumal die Nachfrage nach Startplätzen aufgrund des geringen Turnfestangebots gross sein dürfte. Samuel Buri ist jedenfalls zuversichtlich. «Es wird nicht einfach, aber die Stimmung im Kern-OK ist sehr gut, und die Zusammenarbeit macht Spass.» Ganz nach dem Motto: Drei Vereine, zwei Dörfer, ein Fest.