Sport

Fliegen wie ein Superheld

Der Traum vom Fliegen hat sich für 40 Kinder aus dem Weinland erfüllt. In der einzigen Indoor-Skydiving-Anlage der Deutschschweiz erlebten sie das Gefühl des freien Falls – die Kleinen im Superman-Kostüm.

von Bettina Schmid
30. Juli 2019

17 Meter hoch, 4,3 Meter Durchmesser und rundum verglast: Der Windkanal ist der Mittelpunkt des Empfangsraums des «Windwerk», der Indoor-Skydiving- Anlage in Winterthur Hegi. Und sorgt bei den 40 Teilnehmern des Breitenstein-Ferienprogramms und ihren Eltern bereits beim Betreten für staunende Augen. Sitzmöglichkeiten und eine Bar bieten den Besuchern Gelegenheit, Indoor-Skydiver bei ihren Flugkünsten in der Glassäule zu beobachten.

Hoch und runter geht es im Sekundentakt – für viele der 5- bis 13-Jährigen des Kurses «Bodyflying – der Traum vom Fliegen» ist noch kaum vorstellbar, dass sie dies gleich selber erleben werden. Doch bevor es so weit ist, werden sie in drei Gruppen aufgeteilt. Es folgten die Einführung sowie die Materialausgabe.

Körperspannung vs. Lockerheit
Instruktor Christoph Fessler (26) erklärt der nun doch etwas aufgeregten Gruppe die Grundhaltung beim freien Fall: Auf den Bauch liegen, Hüfte nach unten drücken, Beine durchstrecken, Arme vor den Kopf und nach vorne schauen. Dabei möglichst locker bleiben, nicht zappeln und: den Flug geniessen! Was in der Theorie einfach tönt, ist in der Praxis schwieriger, wie die 14 Teilnehmer der dritten Gruppe schon bald feststellen werden.

Noch schnell einen Overall schnappen (die Kleinsten erhalten sogar einen Anzug von Batman, Superman oder Spiderman), eine Schutzbrille, einen Helm und Oropax und los gehts. Über eine Schleuse betreten sie den Vorraum mit direktem Zugang zum Windkanal und warten aufgereiht auf einer Bank auf ihren ersten Flug. Heiss ist es hier drinnen. Kein Wunder bei einer Aussentemperatur von 37 Grad und der Tatsache, dass die Luft für den Windkanal von aussen angesogen wird und sich während des Zirkulierens im Luftschacht weiter erwärmt. Die Vorfreude schmälert das nicht, und dank dem Adrenalinausstoss merken die meisten gar nicht richtig, dass sie schwitzen. «Ui, ich bin gespannt, wie das ist», freut sich ein Junge.

Spiel mit Wind und Körper
Vier Antriebsventilatoren sorgen im gesamthaft 39 Meter hohen Windkanal für einen gleichmässigen Kreislauf, bei dem die Luft von 160 bis 280 Kilometer pro Stunde beschleunigt wird und so den freien Fall beim Fallschirmspringen simuliert. Die maximale Flughöhe beträgt 17 Meter, wobei Fluganfänger höchstens fünf bis sechs Meter ab Boden abheben. Nicola (10) ist der Erste: Er lässt sich ausgestreckt in den Windkanal fallen und wird sogleich vom gleichmässigen Luftstrahl getragen. Das Ausbalancieren ist nicht ganz einfach, bereits kleinste Bewegungen, wie den Kopf etwas anheben oder die Arme einen Zentimeter nach unten bewegen, haben Auswirkungen auf die Höhe und Position des Körpers.

Christoph Fessler kommuniziert während des Flugs mit Handzeichen, es ist zu laut für gesprochene Worte. Zwei gestreckte Finger bedeuten Beine strecken, ein Finger nach oben: Kopf nach hinten. Er ist auch im Windkanal immer mit dabei, stabilisiert die Fliegenden mit einem Handgriff und ändert Höhe sowie Richtung. «Es ist ein faszinierendes Spiel mit Wind und Körper», sagte der erfahrene Guide bereits bei der Einführung.

Ein zweiter Instruktor bedient den Windkanal und passt die Luftgeschwindigkeit der Flugposition und dem Gewicht an. Nach 60 Sekunden, dies entspricht etwa der Zeit des freien Falls bei einem Fallschirmsprung, ist das erste Flugerlebnis vorbei. Strahlend verlässt der Junge das Gebläse und setzt sich wieder auf die Bank – bereit für den zweiten Flug, den alle Teilnehmer nach einer kurzen Pause absolvieren dürfen.

Steile Lernkurve
«Im Normalfall braucht es drei bis vier Flüge von je einer Minute, bis jene, die zum ersten Mal hier sind, sich für einige Sekunden ohne Hilfe im Windstrahl stabilisieren können», erklärt Nicola Widmer, Leiter Marketing von «Windwerk». Die Lernkurve sei innerhalb der ersten drei Flüge enorm. Und tatsächlich ist bei allen Teilnehmern des Ferienprogramm-Kurses bei der zweiten Flugrunde ein deutlicher Unterschied zum Erstflug sichtbar.

Das Gezappel mit den Beinen verschwindet immer mehr, die Haltung und der Gesichtsausdruck werden entspannter, und so kann Christoph Fessler mit fast allen Schülern einen «Passagierflug» machen. Dabei gleitet der passionierte Fallschirmspringer, der bereits über 2500 Sprünge aus dem Flugzeug absolviert hat, im Windkanal mit. Nun fliegen auch die Kinder dieser Gruppe im Sekundentakt hoch und wieder runter, fünf Meter nach oben bis ans Ende des Glastunnels und wieder runter zum Bodennetz, drehen sich und geniessen das Gefühl vom Fliegen. «Es war einfach cool», lautet das einhellige Fazit am Ende des Kurses. Der Traum vom Fliegen – er ist Wirklichkeit geworden.


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