Sport

«Gold hätte ich nicht für möglich gehalten»

Angelica Moser wuchs in Polen über sich hinaus. Bei den Hallen-Europameisterschaften übertraf sie ihre bisherige Bestleistung gleich zweimal und sprang sensationell zur Goldmedaille.

von Manuel Sackmann
09. März 2021

Wow! Was Angelica Moser im polnischen Torun in die Halle zauberte, verdient Superlative. Ihre bisherige persönliche Bestmarke lag bei 4,66 Me­tern, am Samstag steigerte sie diese auf einen Schlag um fast zehn Zentimeter. Und die Andelfinger Stabhochspringerin hat sich dafür die grosse Bühne ausgesucht. Ihr Sprung über 4,75 Meter ist gleichbedeutend mit der Goldmedaille – die 23-Jährige ist Hallen-Europameisterin 2021.

«Der Titel bedeutet mir natürlich sehr viel, es ist mein erster an einem Elite-Grossanlass», sagt die Weinländerin über ihren Triumph. Gewonnen hat sie in ihrer noch jungen Karriere schon vieles, ob im Nachwuchsbereich oder an Schweizer Meisterschaften. Bei einem Event wie der Hallen-EM braucht es aber halt doch noch etwas mehr. «Ich habe mir eine Medaille erhofft, Gold hätte ich allerdings nicht für möglich gehalten.» Umso schöner sei es, nun genau das erreicht zu haben.

Anstrengender Wettkampf
Am Tag X bereit zu sein und zu liefern, ist eine Herausforderung, die auch gestandenen Athletinnen und Athleten manchmal schwerfällt. Nicht so Angelica Moser. Bereits vor zwei Jahren, bei der Hallen-EM in Glasgow, erreichte sie eine neue persönliche Bestleistung. Nun wiederholte sie dieses Kunststück. «Ich war schon immer ein Wettkampftyp und konnte im entscheidenden Moment meine beste Leistung abrufen», sagt sie. «Und wenn es dann um Medaillen geht, kann ich meistens noch etwas zulegen.»

Aber ganz so einfach, wie die Rangliste am Ende wirkt, war es dann doch nicht. «Der Wettkampf war sehr streng», sagt Angelica Moser. Gestartet bei 4,35 Metern brauchte sie schon bei 4,45 Metern zwei Versuche. Die 4,55 Meter gelangen wieder ohne Prob­leme, doch schon bei der folgenden Stufe harzte es wieder. «Ich brauchte auf 4,60 und 4,65 Meter jeweils drei Versuche, was natürlich körperlich und mental Kraft gekostet hat.» Offensichtlich stiess sie im Anschluss aber irgendwo auf neue Energiereserven. «Plötzlich ging es dann wie von alleine, und ich konnte 4,70 Meter im ersten und 4,75 Meter im zweiten Versuch überspringen.»

«Dieses Mal passte alles!»
Dass sie zu den Besten ihres Fachs gehört, hat die Weinländerin schon mehrfach bewiesen. Im Vorfeld der Hallen-EM zeigte sie sich sehr zufrieden mit den bisherigen Leistungen des Winters. Noch nie sei sie so konstant über 4,60 Meter gesprungen («AZ» vom 5.3.2021). Eine neue persönliche Bestleistung war daher das erklärte Ziel, im Auge hatte sie die 4,70 Meter. «Ich wusste, dass ich höher springen konnte, als ich bisher gezeigt hatte.» Auch an den 4,70 Metern scheiterte sie oft nur knapp, immer waren es Kleinigkeiten, die einen Exploit verhinderten. Dann kam die Hallen-EM: «Dieses Mal passte alles!»

Eine solche Leistung mit solch einer markanten Steigerung der Bestleistung erhöht natürlich die Erwartungshaltung – zumindest für Aussenstehende. Den Schweizer Rekord hat im Moment noch Nicole Büchler inne. Die 37-Jährige, die im letzten Som­mer ihre Karriere beendete und im Herbst die Andelfingerin ad inter­im betreute, übersprang 2016 im Freien 4,78 Meter, in der Halle gar 4,80 Meter. Beide Werte sind nicht mehr allzu weit von der frisch gekürten Hallen-Europameisterin entfernt.

Zuerst kommt Olympia
Fällt nun im Sommer der Schweizer Rekord? Angelica Moser bleibt zurückhaltend. Grundsätzlich ändere sich nichts, das Ziel bleibe dasselbe: die Olympischen Spiele in Tokyo. «Ich kann jetzt die Vorbereitung mit der Gewissheit in Angriff nehmen, dass ich auf einem sehr guten Weg bin», sagt sie. Die Limite für den Grossanlass hat sie mit ihrer Goldleistung bereits geknackt. Und trotzdem: «Natürlich ist es schon mein Ziel, dass der Rekord von Nicole Büchler dann irgendwann einmal fällt.»

(Video: Youtube/Swiss Athletics)

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