«Ich komme in vier Jahren wieder»

Skiakrobatik - Für Pirmin Werner endeten die Olympischen Spiele doch noch versöhnlich. Nachdem er sie in der Einzelkategorie noch knapp verpasst hatte, sicherte er sich im Teamwettkampf die angestrebte Medaille. Und gibt ein Versprechen.

Manuel Sackmann/Roland Spalinger Publiziert: 24. Februar 2026
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In einer idealen Welt hätte Pirmin Werner zweimal Edelmetall aus Livigno mitgebracht. Die aufgrund des Wetters mehrfach verschobene Qualifikation dominierte der Marthaler Skiakrobat am Freitagmorgen regelrecht. Bei Wind und Schneetreiben nahm er den ersten Durchgang als zweitletzter Athlet in Angriff – und legte einen blitzsauberen Sprung inklusive perfekter Landung hin. Seine 122,17 Punkte bedeuteten Rang eins und der direkte Einzug in den Final der besten Zwölf. Ein zweiter Sprung blieb ihm so erspart. «Die Qualifikation ist immer das Schlimmste», sagte er anschliessend gegenüber SRF.

Die Olympischen Winterspiele 2026 zeigten aber auch, wie nahe Erfolg und Misserfolg im Sport beieinander liegen. Vor vier Jahren in Peking musste sich Pirmin Werner sowohl im Einzel- als auch im Teamwettkampf mit dem undankbaren vierten Rang begnügen. Und auch dieses Mal drohte ihm ein ähnliches Schicksal. Nach dem ersten Finaldurchgang bekleideten er und Landsmann Noé Roth noch die Plätze eins und zwei. Doch in der entscheidenden Runde packte er den «Hurricane» aus, den schwerstmöglichen Sprung – und stürzte. Hätte er diesen Dreifachsalto mit fünf Schrauben (drei davon im mittleren Salto) gestanden, hätte er sich womöglich Olympiasieger nennen können. So aber blieb ihm lediglich Rang fünf.

Die Enttäuschung war dem 26-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Umso schöner ist es, dass es am Samstag doch noch mit einer Medaille klappte. Im Mixed-Teamwettkampf knüpften er und Noé Roth, Silbermedaillengewinner im Einzel, nahtlos an ihre starken Leistungen an und machten damit die beiden Stürze von Lina Kozomara wett. Und weil in der entscheidenden Runde die scheinbar übermächtigen Chinesen völlig unerwartet patzten, wurde es gar die silberne Auszeichnung. Einzig an den USA gab es kein Vorbeikommen.

Risiko gehört dazu

Von der Ausführung her hätte sein Sprung im Einzelfinal «ziemlich sicher Gold» gebracht, sagte Pirmin Werner am frühen Montagabend beim Empfang in Marthalen. Das halbe Dorf hatte sich beim «Ochsen»-Brunnen versammelt. In der «Stube» nebenan hatte er seine ersten sechs Lebensmonate verbracht, und nun lebt er wieder mit seinen Eltern Sonja und Guido im Dorf. Eingeladen zur Feier hatte «Ochsen»-Wirtin Carmen Trüeb, im Kessel über dem Feuer kochte Suppe. Die Gemeinde beteiligte sich, die Meldung verbreitet wurde über Whatsapp.

Pirmin Werner kam um 16 Uhr in der Kutsche, begleitet von Trompeten-Fanfaren, und stand geduldig für Fotos bereit. Und der anwesenden Presse für Fragen. Im Training habe er den «Hurricane» schon gemacht, auf Schnee sei er ihn jüngst aber nicht gestanden. War es zu viel Risiko? Aerials sei eine Risikosportart und seine Leidenschaft. Emotionen würden diesen Sport ausmachen, und Angriff sei die beste Verteidigung.

Die Silbermedaille im Team sei schön, sein Ziel und Kindheitstraum sei aber eine Einzelmedaille. Dafür trainiere er fast täglich. «In vier Jahren komme ich wieder», versprach er.

Gemeindepräsident Matthias Stutz gratulierte herzlich, Olympiamedailliengewinner würden nicht viele. Diesen Erfolg habe er sich selber erarbeitet, ein Trainingsgelände könne die Gemeinde ja auch nicht bieten. Applaudiert wurde gleichzeitig für Nadja Lüthi, die am Wochenende U20 Schweizermeisterin im Hochsprung wurde und mit der er verwandt ist. Anwesend war auch Schwinger Jeremy Vollenweider.