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Leichtathletik - Sie hat es wieder getan: Angelica Moser krönt sich zum zweiten Mal in Folge zur Europameisterin im Stabhochsprung. Die Andelfingerin zeigt dabei einen nahezu perfekten Wettkampf.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 15. August 2026
Lesezeit: 3 min

Man hatte fast das Gefühl, sie hätte noch ewig weiterspringen können. Sie meisterte am Donnerstagabend nacheinander 4,45 Meter, 4,60 Meter, 4,70 Meter, 4,75 Meter und 4,80 Meter, immer im ersten Versuch. Damit setzte Angelica Moser ihre letzten verbliebenen Kontrahentinnen gehörig unter Druck. Prompt liessen Wilma Heltelä (Finnland) und Marie-Julie Bonnin (Frankreich) die Latte vorzeitig auf 4,85 Meter legen – und scheiterten. Die Stabhochspringerin aus Andelfingen ist damit die erste Schweizerin überhaupt, die einen Europameistertitel in einer technischen Disziplin erfolgreich verteidigen konnte.

Gewinnen werde, wer am Tag X seine Form abrufen oder über sich hinauswachsen könne, hatte sie im Vorfeld gesagt. Es sei sowohl eine Frage der Physis als auch der Psyche (AZ vom 7.8.2026). Angelica Moser wusste in beiden Bereichen zu überzeugen. Körperlich bewies sie, dass sie den Unfall von Paris Ende Juni, als sie sich eine Bänderverletzung zugezogen hatte, überwunden hat. Und geistig liess sie sich nicht von vielen Geduldsproben aus dem Konzept bringen. Der Wettkampf hatte schon verspätet angefangen, weil einige Stabhochspringerinnen aufgrund eines Unfalls auf der Strecke nicht rechtzeitig im Alexander Stadium in Birmingham (GBR) angekommen waren.

«Es macht mega, mega Spass»

«Es war ein Super-Wettkampf, viel mehr kann ich eigentlich gar nicht sagen», freute sich eine strahlende Angelica Moser im Interview mit SRF. «Ich war mega zufrieden, wie es gelaufen ist. Ich musste gar nie in den zweiten Versuch gehen.» Sie sei «mega happy», dass sie den Titel von Rom 2024 habe verteidigen können. «Es macht mega, mega Spass!» Die ersten gelungenen Sprünge hätten ihr Selbstvertrauen gegeben. Und danach sei es irgendwie immer aufgegangen. Dabei fand sie ihren Siegessprung über 4,80 Meter «gar nicht mal so perfekt».

Aufgrund ihrer früherer Erfolge war die 28-Jährige als eine der Favoritinnen angetreten, was zwangsläufig mit erhöhtem Druck verbunden ist. «Diese Medaille ist sehr speziell», gab sie zu, auch mit Blick auf die jüngsten Rückschläge. Bis Paris sei es sehr gut gelaufen. «Dann habe ich dort einen ‹Chabis› gemacht.» Dass sie es nun doch wieder rechtzeitig zu alter Form zurückgefunden habe, sei schön und zeige, dass es eine «Super-Saison» sei.

Angelica Moser scheint es sich auf dem kontinentalen Thron mittlerweile gemütlich gemacht zu haben. Ihren ersten EM-Titel hatte sie 2021 an der Hallenmeisterschaft in Torun (Polen) geholt. Der zweite folgte 2024 unter freiem Himmel in Rom. Vergangenes Jahr triumphierte sie in Apeldoorn (Niederlande) erneut indoor. Und in Birmingham krönte sie sich nun zum bereits vierten Mal zur Stabhochsprungkönigin Europas.

Es soll noch höher hinaus gehen

Als ihr Sieg am Donnerstagabend bereits feststand, versuchte sie sich wie ihre letzten Verfolgerinnen noch an 4,85 Metern. «Wenn man schon am springen ist, wieso es dann nicht noch probieren?», begründete die Schweizer Rekordhalterin (4,88 Meter) ihre Entscheidung gegenüber SRF. Zwar riss sie die Stange dreimal, doch fehlte jeweils nur wenig. «Ich weiss, dass ich noch mehr drauf habe», sagte sie selbstbewusst. Und: «Ich bin mega zufrieden, aber auch froh, dass die Saison noch nicht ganz zu Ende ist.»

Das stimmt zuversichtlich für die bevorstehenden Auftritte in der Heimat. Am Freitag, 21. August, will sie die Athletissima in Lausanne bestreiten, am Mittwoch, 26. August, Weltklasse Zürich am Hauptbahnhof und am Sonntag, 30. August, Galathletics in Bellinzona. Zum Abschluss der Saison stehen dann im September noch der Diamond-League-Final in Brüssel und die erstmals ausgetragenen World Athletics Ultimate Championships in Budapest auf dem Programm.