Sport

Schritt für Schritt bis ganz nach oben

Der HC Rychenberg steckt mitten in den Playoffs. Eine wichtige Rolle spielt dabei Nick Schüpbach: Der Andelfinger ist seit dieser Saison die Nummer eins im Winterthurer Tor.

von Manuel Sackmann
26. März 2021

Nick Schüpbach ist ein Mann der kleinen Schritte. Nicht physisch, denn mit seinen 1,90 Metern ist er gross gewachsen. Seine sportlichen Ziele wählt der 24-Jährige jedoch mit Bedacht. «Ich habe mir immer die nächsthöhere Stufe vorgenommen», so der Andelfinger. Dieser Plan hat ihn bisher weit gebracht. Vier Jahre lang ist er nun schon fixer Bestandteil des NLA-Kaders des HC Rychenberg. Seit dieser Saison ist er gar Stammgoalie.

Dass es dazu kam, hatte sich aber lange nicht abgezeichnet. «Früher war ich sportlich sehr vielfältig unterwegs», erzählt er. Er turnte in Andelfingen, spielte Tennis in Ossingen und Fussball in Marthalen. Zum Unihockey kam er erst zu Beginn der Sek, als ihn sein Humliker Freund Dominik Ott mit ins Training der HCR-Junioren nahm. «Das hat mir auf Anhieb gefallen.» Nick Schüpbach stellte sich ins Tor und machte seine Sache so gut, dass er gleich blieb. In der Folge arbeitete er sich langsam hoch, eben Schritt für Schritt.

Aus Traum wird Tatsache
«Die NLA war am Anfang ein unrealistischer Traum und weit weg», erinnert er sich. Erst ab der U21 sei die höchste Schweizer Liga zum fixen Ziel geworden. «Es gehört auch Glück dazu», weiss der Weinländer. «Als Unihockeygoalie kommt man fast nur in die NLA, wenn ein anderer aufhört oder wechselt – und der Verein auch noch auf einen setzt.» Bei ihm passte beides. Drei Jahre lang war er die Nummer zwei, wartete geduldig auf seine Chance. «In dieser Zeit trainierte ich weiter hart und erarbeitete mir so immer mehr Spielzeit.» Im letzten Sommer trat die bisherige Nummer eins, Ruven Gruber, zurück, Nick Schüpbach wurde zum Stammgoalie befördert.

Das kam nicht von ungefähr. Auch wenn er nach aussen nur kleine Schritt-für-Schritt-Ziele kommuniziert, ist sich der gelernte Mediamatiker seiner Fähigkeiten sehr wohl bewusst. «Vor der letzten Saison hatte ich mir vorgenommen, bis zu den Playoffs Ruven Gruber zu verdrängen.» Es hätte beinahe geklappt. «Ich machte ihm mächtig Druck und absolvierte fast die Hälfte der Spiele.»

Auf der Jagd nach Titeln
Im Moment steht er mitten in seinen ersten Playoffs als Stammgoalie. «Es ist cool, so viel spielen zu können.» Diese Freude an der neuen Rolle wolle er zelebrieren und geniessen. Und er fällt auf dem Feld auf: «Bisher bin ich mit meinen Leistungen sehr zufrieden.»

Dereinst wolle er mit dem HC Rychenberg Titel gewinnen. Der letzte Cupsieg ist so alt wie Nick Schüpbach selbst, Meister wurden die Winterthurer noch nie. «Die Voraussetzungen dafür sind aber da», ist er überzeugt. Im Verein werde gut gearbeitet, die Nachwuchsabteilung und die Infrastruktur seien auf höchstem Niveau. Zudem ist die Mannschaft noch jung. Ob es in dieser Saison schon reicht, wird sich zeigen. In der Viertelfinal-Serie gegen das favorisierte Alligator Malans liegt Winterthur mit 2:3 zurück und muss beide Spiele am Wochenende gewinnen, um nicht auszuscheiden. «Wir müssen im Kopf bereit sein, und das über die vollen 60 Minuten», so der angehende Primarlehrer. Die bisherigen Duelle waren alle über weite Strecken sehr eng. Das zeigt, dass der HCR durchaus imstande ist, die Bündner zu bezwingen. «Es braucht aber natürlich zwei sehr gute Spiele von uns.»

Ein Familien-Ding
Im Unihockey kann es schnell gehen. Das ist einer der Gründe, weshalb der Weinländer den Sport so gerne betreibt. «Er ist sehr vielfältig und auch zum Zuschauen attraktiv.» Seine Körpergrösse hilft Nick Schüpbach natürlich im Tor, die Position ist aber auch ein Familien-Ding. «Meine Cousine ist Handballgoalie in der Nationalmannschaft, in der erweiterten Verwandtschaft findet sich zudem ein ehemaliger NLB-Fussballtorhüter», erklärt er. Es passt charakterlich. Zwischen den Pfosten könne er seine Stärken ausspielen: «Ich kann gut auf Menschen eingehen, Situationen schnell analysieren und entsprechend reagieren.»

Zudem wurden ihm weitere Qualitäten in die Wiege gelegt. «Von meinem Vater habe ich die Geduld, von meiner Mutter das Organisationsgeschick.» Letzteres sei nötig, um Studium, Sport und Nebenjobs unter einen Hut zu bringen. Der Andelfinger mag es, wenn etwas läuft: «Ich bin ein sehr geselliger Typ und auch in der Freizeit immer auf der Suche nach Action.»

Apropos Job: «Mein erster Nebenverdienst war das Verteilen der ‹Andelfinger Zeitung› in meiner Heimat», so der 24-Jährige lachend. Damit hat er etwas mit dem Schreibenden gemein­sam – auch wenn es dieser sportlich «nur» bis zu den Wild Pigs in der 3. Liga Kleinfeld geschafft hat.

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