Normalerweise werden an Leichtathletik-Weltmeisterschaften pro Disziplin drei Medaillen vergeben. An der Hallen-WM im polnischen Torun am Wochenende freuten sich aber gleich fünf Stabhochspringerinnen über Edelmetall. Hinter der Siegerin Molly Caudery (Grossbritannien, 4,85 Meter) und der zweitplatzierten Tina Sutej (Slowenien, 4,80 Meter) kamen sieben Athletinnen auf eine übersprungene Höhe von 4,70 Meter. Drei davon schafften dies bis dahin ohne Fehlversuch und teilten sich somit den Bronzeplatz: Amalie Svabikova (Tschechien), Imogen Ayris (Neuseeland) und Angelica Moser.
«Dieses Resultat ist extrem viel wert», betonte die Andelfingerin im Interview mit SRF. Denn die Vorbereitung war alles andere als optimal verlaufen. Vor der WM bestritt die 28-Jährige gerade einmal zwei Wettkämpfe. Zuerst setzte sie eine hartnäckige Fussverletzung ausser Gefecht, danach bremste sie eine Oberschenkelzerrung aus. So wurde es am Ende knapp, um sich überhaupt für das Highlight der Hallensaison zu qualifizieren. «Dass Bronze dabei herausgekommen ist, ist mega, mega schön.»
Angelica Moser nahm den Wettkampf mit einbandagiertem Oberschenkel in Angriff. Dieser habe sie aber kaum behindert. Als das grössere Problem bezeichnete sie die fehlende Wettkampfpraxis. «Im Stabhochsprung ist es sehr wichtig, dass der Anlauf genau passt.» Das sei ihr bei ihren Versuchen über 4,80 Meter zum Verhängnis geworden. Aufgrund der aggressiven Steigerungshöhen habe sie gewusst, dass 4,70 Meter im ersten Anlauf für eine Medaille reichen könnten. Als dann aber so viele Athletinnen diese Marke knackten, habe sie sich keine grossen Hoffnungen mehr gemacht. «Umso grösser ist jetzt die Freude.»
Eindrückliches Palmarès
Es ist nicht der erste Grosserfolg von Angelica Moser in Torun. An die Stadt an der Weichsel hat die Stabhochspringerin gute Erinnerungen. 2021 gelang ihr dort ihr erster Medaillengewinn bei der Elite – sie wurde erstmals Hallen-Europameisterin. «Es scheint ein gutes Pflaster zu sein», bestätigte sie.
Mittlerweile konnte sie ihre Edelmetallsammlung an Grossanlässen erheblich erweitern. In ihrem Palmarès finden sich nebst dem Hallen-EM-Titel 2021 in Torun ein Freiluft-EM-Titel (2024 in Rom), ein weiteres Hallen-EM-Gold (2025 in Apeldoorn) und seit Sonntag nach Nanjing 2025 eine zweite Hallen-WM-Bronzemedaille.
Ein Vergleich mit der letztjährigen Ausgabe in China bietet sich an: Auch damals war Angelica Moser nicht im Vollbesitz ihrer Kräfte. Trotz kurz zuvor zugezogener Bänderverletzung schaffte sie es aufs Podest. Die Andelfingerin relativierte: «In Nanjing war ich verletzt angetreten, die Situation war also noch etwas ungünstiger als jetzt.» Heuer sei sie körperlich wieder weitgehend bereit gewesen, nur die Wettkampfpraxis habe gefehlt. «Aber ja, es wäre schön, einmal eine Hallen-WM ohne Sorgen zu bestreiten.» Vorerst will sie unter freiem Himmel angreifen. Angesichts der Umstände seien 4,70 Meter ein solides Resultat. Ihr Ziel sei aber natürlich, im Sommer höher zu springen.
Mit ihrer Bronzemedaille rundete Angelica Moser eine hervorragende Schweizer Teamleistung ab. Audrey Werro gewann Silber über 800 Meter, Simon Ehammer kürte sich gar zum Weltmeister und Weltrekordhalter im Siebenkampf.
Torun bleibt ein gutes Pflaster