Sport

Wie Meditieren im Schiessstand

Atmen, zielen, das «Blötterli» in der Wasserwaage zentrieren, fein und langsam den Abzug drücken –Schiessen mit einer Armbrust hat etwas Meditatives. In Uhwiesen wird bald eine zweite Disziplin möglich sein: Bogenschiessen.

von Eva Wanner
18. Oktober 2019

Was ist beim Schiessen kontraproduktiv? Nervosität. Das gilt auch beim Armbrustschiessen. Ganz lässt sich die Anspannung nicht verdrängen – auch wenn für mich als absolutem Schiessneuling schonende Bedingungen geschaffen werden. Anders als die aktiven Mitglieder unter 60 Jahren darf ich im Sitzen schiessen. Die Armbrust ist zudem aufgebockt, ich muss sie nicht selbst halten.

Neun aktive Mitglieder hat der Armbrustschützenverein Uhwiesen. Präsident Fridolin Veyhl sowie Schützenmeister und Vizepräsident Walter Eggli nehmen sich Zeit, mir als Schiessanfängerin ihren Verein, ihr Schützenhaus und schliesslich ihren Sport näherzubringen.

Leise Schüsse
Da das Schiessen auf 30 Meter mit der Armbrust leiser sei als mit Feuerwaffen auf 300 Meter, kann in Uhwiesen mit Ausnahme weniger Sonntage die ganze Woche hindurch immer bis 22 Uhr geschossen werden.  

«Hoppla», entfährt es mir trotzdem, als der erste Bolzen das Ziel trifft (Ins Schwarze ging jeder der fünf – aber nur mehr oder weniger mittig). Der Ausruf ist nicht dem leise schwirrenden Ton des Flugs und Aufpralls geschuldet, sondern der Tatsache, dass der Abzug nur sehr fein gedrückt werden muss, damit sich der Schuss löst.

Bogenschiessen ab Frühling 2020
«Unser neues Mitglied», sagt Walter Eggli scherzhaft, als er nach dem Schuss die Punktzahl auf der Scheibe sieht. Um wirklich neue Mitglieder anzuwerben, haben sich die Armbrustschützen Uhwiesen etwas einfallen lassen – beziehungsweise eine Idee vom Armbrustschützenverein Helvetia in Neuhausen übernommen. Denn dessen Name wurde um «und Bogenschützen» erweitert.

Auch in Uhwiesen soll ab Frühling 2020 das Bogenschiessen möglich sein. Neben dem 30-Meter-Stand mit 15 Scheiben für die Armbrust befindet sich, durch eine Hecke abgetrennt, ein gleich langes, etwas schmaleres Stück Wiese. «Bisher haben wir das nur gemäht», sagt Fridolin Veyhl, es lag also brach. Das Land soll mit einer Wand von der Wiese dahinter abgegrenzt und gesichert werden, damit Bogenschützen darauf trainieren können. Die Armbrustschützen stellen das Schützenhaus mit Beiz, das Land und die Scheibe(n) zur Verfügung, den Rest müssten die Bogenschützen selbst besorgen. Voraussetzung: die Mitgliedschaft im Armbrustschützenverein Uhwiesen. Das stocke den Mitgliederbestand auf, sagt Fridolin Veyhl. Zwei fixe Zusagen hätten sie bereits, zwei Personen hätten Interesse bekundet, weitere seien willkommen. Und der eine oder andere Armbrustschütze wird sicher auch einmal Pfeil und Bogen in die Hand nehmen.

Bleischeibe selbst giessen
«Pock» – so lässt sich das Geräusch wohl am ehesten beschreiben, wenn der Bolzen auf die Scheibe trifft. Leicht metallisch, denn zwischen Holz und Punktescheibe befindet sich ein Stück Blei. Diese Bleischeiben giessen die Schützen jeweils selbst.

Hauptsächlich aber widmen sie sich ihrem Schiesssport – zumindest das halbe Jahr während der Saison. Auch Neulingen erklären sie diesen Sport gerne.

Ruhig bleiben, atmen, das «Blötterli» der Wasserwaage möglichst ins Lot bringen, zielen und dann langsam mit dem Finger den Abzug betätigen. Geduld ist gefragt – der Sport scheint grob und ist mit Urchigem verbunden, hat aber auch etwas sehr Meditatives. Die Nervosität weicht, Entspannung macht sich breit.

Armbrustschützenvereine im Weinland:
Uhwiesen: www.asv-uhwiesen.ch
Andelfingen: www.asv-andelfingen.ch
Ossingen: www.asv-ossingen.ch

 

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