Weinland

Abräumen im Casino – mit Kartenzählen zum Jackpot

Reich werden im Glücksspiel – und das ohne Glück, sondern mit Köpfchen. Cedric Keller hat in seiner Maturitäts­arbeit eine Strategie analysiert, wie man ein Casino im Blackjack besiegen kann.

von Dominik Müller
25. Februar 2020

Es ist der Traum vom schnellen Geld, der Adrenalinkick beim Riskieren eines gewagten Einsatzes, die Emotionen beim Erfahren des Resultats oder schlicht die pure Befriedigung einer Sucht, welche die Menschen seit jeher weltweit in die Casinos und Spielhallen treibt. Wer regelmässig spielt, hat sicherlich schon das eine oder andere Glückserlebnis erfahren; die langfristige Bilanz dürfte allerdings bei den allermeisten ernüchternd ausfallen. Glück ist denn auch das entscheidende Stichwort: Glücksspiele basieren entgegen der Namensgebung auf Mathematik, genauer auf Wahrscheinlichkeitsrechnung. Cedric Keller hat im Rahmen seiner Maturitätsarbeit eine Strategie analysiert, um dem Glück im beliebten Spiel Blackjack auf die Sprünge zu helfen – mit Mathematik.

Spielstrategien optimieren

Blackjack zählt zu den beliebtesten Glücksspielen der Welt. Grob zusammengefasst, versucht ein Spieler mit mindestens zwei französischen Karten möglichst nahe an die Wertesumme 21, dem sogenannten Blackjack zu kommen. Ist man näher bei 21 als der Dealer, gewinnt man, wird 21 übertroffen oder erreicht der Dealer die genauere Annäherung, ist der Einsatz verloren.

Cedric Keller besucht das mathematisch-naturwissenschaftliche Profil an der Kantonsschule im Lee. «Die Optimierung von Spielstrategien hat mich schon länger fasziniert», sagt der 17-Jährige. Der Henggarter ist durch das Studieren von Fachliteratur über Spieltheorien zum Spiel Blackjack gelangt. In einer grossen und umfangreichen Excel-Liste hat er sämtliche Kartenkombinationen durchgerechnet.

Für den Normalspieler unmachbar
Minus 0,88 Prozent – so lautet die maximale Gewinnerwartung beim Blackjack nach den gängigen Casinoregeln, sofern man ohne Tricks, sprich ohne Kartenzählen, eine optimale Strategie fährt. Das heisst, selbst wenn ein Spieler in jeder Spielsi­tua­tion die Option mit der höchsten Gewinnwahrscheinlichkeit wählt, verliert er langfristig bei einem Einsatz von 100 Franken pro Spiel in jeder Runde 88 Rappen. Das mag nicht nach viel Geld klingen, eine perfekte Strategie ist allerdings nur äusserst mathematikaffinen Menschen möglich. «Mit jeder gespielten Karte ändern sich die relativen Wahrscheinlichkeiten der verbliebenen Karten», sagt Cedric Keller. Für den Normalspieler undenkbar, die grosse Anzahl an Möglichkeiten in nützlichem Tempo im Kopf abrufen zu können.

Blackjack ist unbesiegbar, es sei denn, man bedient sich einer weiteren, in den Casinos verbotenen Methode: dem Kartenzählen. Hohe Karten (alle Bildkarten und Asse) sind für einen Spieler nach Cedric Kellers Berechnungen von Vorteil. Mit dem Zählen der bereits gespielten Karten kann sich ein Spieler einen Überblick über die Zusammensetzung des Reststapels machen und weiss, wie das Verhältnis zwischen den für den Spieler günstigen und ungünstigen Karten ist. «Wird diese Information ins Spiel eingebaut, kann eine positivere Gewinnerwartung erzielt werden», so Cedric Keller.

Pausenspiel im Gymi

Erneut sei betont: Für den Durchschnittsspieler ist das Kartenzählen unmöglich, zumal die höchst intensive Gehirnleistung auch noch vom Dealer unbemerkt bleiben muss. Diese sind dar­auf geschult, Betrüger zu entlarven. Sollte aber für Cedric Keller nach dem halbjährigen Studium der Materie das schnelle Geld möglich sein? «Dafür müsste ich noch viel mehr üben», sagt der Henggarter lachend. In seiner Klasse habe sich Blackjack als Pausenspiel etabliert. Auf die Äste hinaus wagen sich seine Kameraden aber nicht, Cedric Keller spielt deshalb meist den Dealer. Im grossen Stil abräumen lässt sich im Lee aber sowieso nicht – der Höchst­einsatz beträgt 20 Rappen.

Studenten als Team

Wer mit Kartenzählen Geld verdienen will, muss gut mit Zahlen können. Wer wäre also prädestinierter für eine organisierte Kartenzählbande als ein paar ambitionierte Studenten des renommierten Instituts für Technologie in Massachusetts (MIT)? Das sagte sich auch eine Gruppe MIT-Studenten, die 1979 beim Kartenspielen auf die Idee kam, die Casinos in Las Vegas mit Kartenzähltechniken zu schlagen. Nur die klügsten Köpfe schafften es ins Team.

Die grosse Stärke der Gruppe bestand aber nicht im Kartenzählen, sondern im Verbergen der illegalen Praktik. Die Teammitglieder nahmen jeweils zu zweit als vermeintliche Einzelspieler an einem Spieltisch Platz. Durch exakt aufeinander abgestimmtes Verhalten gelang es ihnen, die sonst bei einzelnen Kartenzählern entstehenden Wettmuster zu verbergen. Den Casinobetreibern war es nur schwer möglich, das angewendete System zu durchschauen. Wurde trotzdem jemand erwischt, rekrutierte das MIT Blackjack Team kurzerhand einen neuen Kommilitonen. Der Höchstgewinn in einer Nacht soll laut Aussagen eines Mitglieds 500'000 Euro, der höchste Verlust 130'000 Euro betragen haben. Bis 1993 funktionierte das System, danach wurde es von modernen Sicherheitstechniken der Casinos überholt. Eine Summe der Gesamteinnahmen über die Jahre ist nicht bekannt. (dom)

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