Wenig Wasser und – wie das jüngste Bibermonitoring festgehalten hat – wenig Aktivität: Am bekannten Bibersee im Ellikerholz in Marthalen ist grad nicht viel los. Für eine gewisse Aufregung sorgte eine Meldung im Mitteilungsblatt. «Der Gemeinderat stimmt der Umsetzung des Bauprojekts zur Entleerung des ‹Bibersee› zu», heisst es im «Eicheblatt» von Mitte Dezember.
Das Reservat, das 2013 für 50 Jahre unter Schutz gestellt wurde und in dem so lange keine Forstwirtschaft erlaubt ist, soll entleert werden? Eine Google-Abfrage, die seit einiger Zeit als Erstes eine KI-Übersicht liefert, lässt aufhorchen: «Die Entleerung des Bibersees bei Marthalen ZH ist ein aktuell diskutiertes Thema», weiss die künstliche Intelligenz.
Und fantasiert: Der Gemeinderat habe eine teilweise Entleerung genehmigt, «um Probleme mit Überflutungen landwirtschaftlicher Flächen zu lösen, da der Biber den Abfluss blockiert hatte». Das Projekt ziele darauf ab, den Wasserstand besser zu regulieren und die Biodiversität zu fördern, dichtet die KI und plappert von Drainagesystem und Zäunen um die Dämme.
Trinkwasser sichern
«Alles Quatsch», sagt Gerhard «Geru» Bichsel, Brunnenmeister in Kleinandelfingen und – für diese Meldung zentral – Betriebsleiter der Gruppenwasserversorgung Thurtal-Andelfingen. Denn diese ist Auslöserin der Meldung. Richtig ist: Der Zweckverband der Gemeinden Andelfingen, Dorf, Henggart, Kleinandelfingen und Volken gleist dort ein Projekt auf, das den Bibersee zwar am Rand tangiert, ihn aber eben nicht betrifft.
Es geht einzig um den Schutz von Trinkwasser, das vom riesigen Rheingrundwasserstrom bei Rheinau bezogen wird. Die Transportleitung führt unterirdisch vom Pumpwerk Schmugglerweg zum Reservoir auf dem Andelfinger Müliberg und im Ellikerholz beim Bibersee unter dem Bach durch.
Just bei der Brücke zwischen dem Schlammsammler und dem Reservat befindet sich ein Schieber, um im Bedarfsfall die Leitung spülen zu können. Entleert wird die Leitung in den Bach. «Faktisch besteht somit an dieser Stelle eine Verbindung von Trink- und Bachwasser», erklärt Gerhard Bichsel das Problem. Ein Rücklauf, beispielsweise verursacht durch eine kaputte Dichtung, könnte zu einer Verschmutzung des ganzen Systems führen.
Ausfluss höher als Bach
Geplant und mit diversen Fachleuten bereits vor Ort besprochen ist eine klare Trennung mit zwei zusätzlichen Schächten. Der erste ist für die Entleerungsleitung vorgesehen, der zweite für die Druckreduzierung. Statt mit sieben Bar Druck soll das Wasser in einem 45-Grad-Winkel via Sickerbecken sanft in den Bach geleitet werden. Weil der Ausfluss höher sein wird als die Spiegel von Bach und See je liegen werden, ist ein Rücklauf ausgeschlossen.
Erstellt werden diese zwei Bauwerke beim Schieber. Weil es sich um Waldboden handelt, ist dafür eine Bewilligung nötig, die Marthalen als Eigentümergemeinde betrifft. Nun würden die Pläne konkretisiert und ein Bauprojekt ausgearbeitet, sagt Gerhard Bichsel. Bauen am Bibersee wird dieses Jahr also ganz sicher der Mensch.
Bibersee bleibt