Weinland

Den realen Ernstfall geübt

Ein Unwetter hat am Donnerstag Feuerwehr, Zivilschutz und Gemeindebehörden auf Trab gehalten. Die Übung mit nahem Realitätsbezug kam bei den Beteiligten gut an.

von Roland Spalinger
28. Mai 2019

Dunkle Wolken am Himmel und stürmische Winde haben auch den Journalisten zum Andelfinger Feuerwehrgebäude aufbrechen lassen. Die Tore sind offen, Männer in Uniform zugegen, ein Medienvertreter hat wohl gerade noch gefehlt. «Warte hier», sagt einer und verspricht, einen Zuständigen zu organisieren. Nach einer Weile kommt Wolfgang Dunker, Gemeinderat in Humlikon und Präsident der Feuerwehrkommission Andelfingen und Umgebung, zu der auch Adlikon, Kleinandelfingen, Henggart, Humlikon und Thalheim gehören.

Er wusste, dass er um 18.30 Uhr für eine Übung alarmiert wird. Aber nicht, worum es dabei ging. 45 Minuten später gibt er als Leiter des Krisenstabs der Presse einen ersten Überblick über das Unwetter, das die Region heimgesucht hat und immer noch tobt. Sturmholz liege herum, die Thur sei gelb verfärbt, in Henggart das Trinkwasser verschmutzt, und in Adlikon habe es je einen Toten und Schwerverletzten gegeben. Und eine Wetterbesserung zeichne sich nicht ab, sagt er.

Wurde der Mann von einem Baum erschlagen? Er wisse es nicht. Was ist mit der Thur? Das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) sei informiert. Feuerwehr und Zivilschutz seien im Einsatz, sagt er und vertröstet auf die nächste Konferenz in eineinhalb Stunden. Nach dem Rapport mit dem Gemeindeführungsstab könne er mehr sagen. Steht auf und geht zurück in die Kommandozentrale.

Dorthin würden Medien in einem solchen Moment natürlich nicht zugelassen – am Donnerstag schon. An den Wänden werden auf genormten Papierbogen Schadensmeldungen notiert, welche Hilfsmittel (Personen, Pumpen, Fahrzeuge) wo im Einsatz sind. Präsent sind auch die Gemeindepräsidenten Peter Läderach (Adlikon) und Peter Bichsel (Henggart) sowie Gemeinderätin Stephanie Amsler (Andelfingen). Es werden Karten studiert und Massnahmen besprochen.

Von jüngsten Ereignissen lernen
In anderen Rollen zugegen sind Thomas Schaller, Kommandant des Weinländer Zivilschutzes, Feuerwehrkommandant Martin Käser und Patrick Sauzet; der Wachtmeister der Feuerwehr Andelfingen hat als Pikett-Offizier in der Stadt Zürich (inklusive Flughafen) 350 Miliz-Feuerwehrleute und 2000 Zivilschützer unter sich. Für ihn ist die Übung, die sie sich zu dritt ausgedacht haben, fast tägliches Brot.

Aus der Luft gegriffen ist das Ereignis nicht. Sondern eine Kombination aus dem Sturm im Stammertal 2017 und dem Unwetter 2018 im Wehntal. Thomas Schaller war bei beiden Ereignissen dabei. Wie innerhalb des Führungsstabs in Andelfingen die Rollen verteilt wurden, bei der Behörde wie bei Zivilschutz und Feuerwehr, beeindruckt ihn. Und gefallen tut ihm das Zusammenspiel «seines» Zivilschutzes mit der Feuerwehr.

Zivilschützer und Feuerwehrleute gehen ein und aus, es wird notiert, besprochen. Und schon ist Zeit für den nächsten Überblick. Hans Bichsel rapportiert, in Henggart sei das Reservoir verschmutzt, der Brunnenmeister bereits an der Säuberung. Die Bevölkerung werde mit Megafonen auf die Verschmutzung aufmerksam gemacht, mit Zetteln im Briefkasten und übers Radio. Wolfgang Dunker bittet, die Zettel an die Haustüre anzubringen.

Peter Läderach hat ein Zeltlager mit Jugendlichen evakuieren lassen und deren Eltern informiert, beim anderen Lager sei alles gut. Für die Evakuierung des Altersheims Rosengarten sei Schutz und Rettung aufgeboten worden. Sorgen bereitet ihm die Thur. Die beiden momentanen Chefs von Zivilschutz und Feuerwehr geben ebenfalls einen Überblick, was ihre Leute wo erledigt haben. «Es wird langsam dunkel, braucht es Licht?», fragt der Leiter Zivilschutz.

Lob und ein bisschen Kritik
Zwei Stunden sind um, Zeit für die Manöverkritik. Martin Käser, der sich bis dahin im Hintergrund gehalten hat, ergreift das Wort. «Ich bin begeistert!», lobt er. Darüber, wie viele Akteure aus den Sicherheitsbereichen sich mobilisieren liessen, und dass alle motiviert mitmachten. Ziel dieser Kaderübung (im Einsatz waren rund 30 Personen) sei, dranzubleiben, um für Einsätze gewappnet zu sein, zu lernen und Lehren zu ziehen.

Überall, bei Feuerwehr, Zivilschutz und Behörden, wird gelobt, Kritik gibts in Sachen Kommunikation – wie hält der Gemeindepräsident, der in seiner Gemeinde zum Rechten schaut, Kontakt zum Führungsstab? Wer braucht was in welcher Zahl und wo? «Der Zivilschutz kann viel», sagt Patrick Sauzet. Es müsse klar sein, wofür er eingesetzt werden soll, zum Beispiel um Leute zu betreuen oder um Wasser zu pumpen.

Auch spricht er die unterschiedliche Durchhaltefähigkeit an. Während die lokale Feuerwehr schnell mit vielen Leuten auf Platz sein könne, mobilisiere der Zivilschutz langsamer, sei aber für längere Einsätze ausgerichtet. «Im Wehntal», so Patrick Sauzet, «hat die Feuerwehr nach 24 bis 30 Stunden nicht mehr funktioniert.» Thomas Schaller streicht einen weiteren Punkt heraus, der für den dezentral organisierten Zivilschutz spricht: In Stammheim waren einige Feuerwehrleute selber betroffen und mussten auf eigenen Höfen zum Rechten schauen. Seine 280 Leute seien über den ganzen Bezirk verteilt.

Obwohl die Übung glückte und von allen Beteiligten gelobt wurde – dass draussen blauer Himmel war und die Sonne schien, freute alle. Und die Thur? – Es sei Raps gewesen, was mit Gelächter quittiert wurde.

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