Weinland

Die Region entdeckt die Parkgebühr

Rüdlingen machte den Anfang. Wer das Auto am Rhein abstellt, bezahlt Parkgebühren. Feuerthalen zieht jetzt nach. Und in Dachsen kommen im Sommer erstmals Verkehrskadetten zum Einsatz.

von Roland Spalinger
21. Mai 2019

54'000 Franken an Parkgebühren hat Rüdlingen 2018 am Rhein eingenommen. Dazu kommen noch 15'000 Franken an Bussen von jenen, die am Automaten kein Ticket gelöst oder zu wenig bezahlt haben. Seit Frühling 2014 kostet eine Stunde parkieren zwischen 8 und 20 Uhr 1 Franken. «Eine Tagespauschale ist kein Thema», sagt Gemeindepräsident Martin Kern auf Anfrage. Dafür sei der Zugang zum Rheinufer gratis, «inklusive den Aufräumkosten für den enormen Abfallberg und die Fäkalienbeseitigung».

Die Parkplatzbewirtschaftung auf Schaffhauser Seite brachte Flaach unter Druck; statt in Rüdlingen zu zahlen, parkierten Kostenbewusste auf der anderen Rheinseite in der Steubisallmend und gingen von dort zu Fuss zum neu gestalteten Badiufer in Rüdlingen. Seit Juni 2017 können Autos aber auch in Flaach nicht mehr gratis abgestellt werden, nachdem die Gemeindeversammlung ein Jahr zuvor Ja zu Gebühren und zusätzlichen Parkplätzen gesagt hatte. Die erste Stunde kostet 50 Rappen, jede weitere 1 Franken, maximal 5 Franken. Im Supersommer 2018 spülte die Parkuhr für die über 500 Plätze 50'000 Franken in die Gemeindekasse.

GebĂĽhren ohne Bargeld
Etwas machen musste auch Feuerthalen. Wenn in Langwiesen um 9 Uhr die Parkplätze bei der Freizeitanlage besetzt sind, diese aber noch leer ist, «stimmt etwas nicht», sagt Gemeindepräsident Jürg Grau. Ab dieser Saison (Start 11. Mai) werden deshalb Gebühren erhoben. Eine Stunde kostet 1 Franken (7 bis 19 Uhr), die Tagespauschale 5 Franken.

Für eine Bewirtschaftung sprechen laut Jürg Grau auch andere Gründe. «Alle reden vom Klima», sagt er. Um ein bisschen nachzuhelfen, hätten sie die Anzahl Veloabstellplätze vergrössert, zulasten von jenen für Autos. Camper hätten einen Abstellplatz im Areal. Kommen sie mit mehreren Fahrzeugen, müssten diese kostenpflichtig ausserhalb abgestellt werden.

Bezahlt wird in Feuerthalen online mit dem Smartphone – mit Twint oder dem System Parkingpay.ch, das die Gemeinde bereits nutzt. Barcode scannen, Autonummer eingeben und gewünschte Verweildauer – es sei ein einfach zu handhabendes System, sagt Jürg Grau. Und erspare den Gang zur Parkuhr und die Suche nach Münz. Gäste der Freizeitanlage könnten die Gebühr aber auch mit dem Eintritt an der Kasse lösen.

Thalheim wĂĽrde prĂĽfen
Im restlichen Weinland sind bloss Parkplätze bei Bahnhöfen kostenpflichtig; Tagespauschalen kosten in Andelfingen 7 Franken (als einziger Ort nur Mo bis Fr, 6 bis 19 Uhr), in Marthalen 5, in Dachsen, Henggart, Ossingen, Stammheim und Thalheim-Altikon je 4. Weiterer Handlungsbedarf könnte sich aber da und dort einstellen. Oder hat sich schon: Dachsen setzt bei der Badi Bachdelle an Wochenenden im Juli und August Verkehrskadetten ein. Auch über ein Ticketsystem sei schon diskutiert worden, sagt Gemeinderat Beat Weingartner auf Anfrage.

Auch in Thalheim wird der Parkplatz an der Thur an schönen Wochenenden mehr als zugestellt und viel Abfall zurückgelassen. Sie hätten eine Bewirtschaftung schon besprochen, sagt Gemeindeschreiber Cyrill Bühler auf Anfrage. Und ergänzt: «Im Moment ziehen wir dies noch nicht in Betracht.» Müsste aber die Infrastruktur ausgebaut werden, Abfall, WC und so weiter, müsste wohl eine Gebührenpflicht genauer geprüft werden.

In Andelfingen (Parkplätze bei der Altemer Brücke und beim Schwimmbad und an der Thur) war eine Bewirtschaftung «noch nie ein Thema», sagt Gemeindeschreiber Patrick Waespi. In Alten im Wald beim Eggrank laut dem Kleinandelfinger Gemeindepräsidenten Peter Stoll auch nicht. Dort besteht ein anderes Problem: Dem Kanton sind die Parkplätze im ganzen Auengebiet ein Dorn im Auge, und er möchte diese ersatzlos streichen («AZ» vom 26.10.2018). Betroffen davon sind auch Flaach, Andelfingen und Marthalen. Für dieses Jahr haben die Gemeinden und der Kanton ein Gesamtkonzept Erholung Thurauen in Aussicht gestellt.

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