Weinland

Ein Bach wird umgeleitet

Gestern Donnerstag wurde der Niederwiesenbach auf 1,2 Kilometer Länge abgefischt und in sein neues Bett umgeleitet. Starkregen in den letzten Tagen hatten die Arbeiten verzögert.

von Roland Spalinger
09. August 2019

Ein Morgen reichte nicht, um den Niederwiesenbach in Niedermarthalen vom Schlammsammler her aufwärts bis zur Elliker Brücke abzufischen. Auf diesen knapp 1200 Metern zwischen Kläranlage und Bibersee im Wald verläuft das Gewässer in einer leichten Linkskurve. Abgefischt wird, weil der Bach in diesem Bereich trockengelegt wird. Der jetzige Lauf ist ein Provisorium, das wegen Hochwasser angelegt wurde und gleich neben dem richtigen Bett im Kiesabbaugebiet liegt; beide Läufe werden deshalb bald nicht mehr sichtbar sein.

Herausgenommen und umgesiedelt haben die Revierfischer und Helfer um Obmann Peter Spalinger Alet (in den Rhein), Egli und Hecht (in den Öliweiher); Ersterer ist ein Weissfisch, wegen seiner vielen Gräte in Küchen nicht sonderlich beliebt. Nur Forellen – «wir haben ein paar schöne gefunden», sagt Peter Spalinger – wurden weiter oben wieder eingesetzt.

Vor allem diese einheimische Art soll sich im neuen Bett wieder mehr ansiedeln. Die Voraussetzung dafür sei auf jeden Fall geschaffen worden, sagt er. Der neue Bach schlängelt sich durch den bereits wiederaufgefüllten Kieswerkbereich, die vielen Kurven sind in den Aussenbereichen mit Weidengeflecht ausgestaltet, die Erosionen verhindern und aus denen Büsche wachsen werden, die auch Schatten spenden. Dies und abgetiefte Buchten im Bett ergeben einen gewollt unruhigen und somit naturnahen Bach. Der Schlammsammler, in dem sich einst viele Forellen aufhielten, bis er ganz verschlammte, wird noch ausgebaggert.

Grundlage für die Massnahmen ist der Gestaltungsplan «Kiesgebiet Niedermartelen», der im Sommer 2018 aufgelegen ist. Den neuen Bachlauf hat die Firma Toggenburger erstellt, die dort Kies abbaut. Kurz vor Abschluss gerieten die Arbeiten noch ins Stocken, weil der Bach kurzzeitig zweimal hochging. Trotzdem konnte der Termin Donnerstag eingehalten werden.

Uferbepflanzung folgt
Noch nicht fertig sind die Ufer; die Bepflanzung folgt später durch das kantonale Amt für Abfall, Wasser, Ener­gie­ und Luft (Awel). Erstellt hat das Amt die Niederwasserrinne, den untersten Bereich des Bachbetts. «Sie wurde für Fische und andere Wasserlebewesen mit kiesigem Substrat naturnah ausgestattet», heisst es auf Anfrage.

Von einer übermässigen Versickerung geht das Awel nicht aus, da sich der neu angelegte Bach nicht mehr auf kiesigem Grund befindet. Und weniger als 20 Liter pro Sekunde führt der Niederwiesenbach laut Peter Spalinger nicht; im Juli 2018 lag der tiefste Wert bei knapp 30 Litern, diesen Juli bei 27. Es habe immer Wasser, sagt er, mindestens so viel, dass Tiere überleben könnten. Abfischen mussten sie laut ihm noch nie.

Hochwasserschutz war wichtiger
Die jetzt renaturierten 1,2 Kilometer Niederwiesenbach mögen ein kurzes Stück sein, für den Kanton Zürich ist es viel. Von den 3560 Kilometern Fliessgewässern im Kanton sind deren 1600 (45 Prozent) in schlechtem Zustand, sprich stark beeinträchtigt, künstlich/naturfremd oder eingedolt. Laut Vorgaben des Bundes muss in den kommenden 80 Jahren ein Viertel davon revitalisiert werden, 5 Kilometer jährlich. 2016 schaffte er aber bloss einen Kilometer, 2017 einen halben und 2018 immerhin 1,4 Kilometer.

Für den Kanton sei Hochwasserschutz wichtiger gewesen, schrieb der Regierungsrat in einem Beschluss von Ende März 2019 und kündigt an, mit Renaturierungen vorwärtszumachen. Mit dem Schreiben gibt er bekannt, den Stellenplan des Awel wie im Budget vorgesehen aufzustocken. Mit drei neuen Wasserbaufachkräften ab April 2019 soll das Revitalisierungsziel umgesetzt werden können.

 

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