Weinland

Ein Bier auf 394,2 Meter über Meer

Neun Mitglieder zählt der Verein Stationsbier. Jeden Donnerstag gehen sie ihrer Leidenschaft nach und brauen Bier für sich und für die Dachsemer.

von Jasmine Beetschen
14. August 2020

Nach einem anstrengenden Samstag im Garten, in dem gejätet und Rasen gemäht wurde, gibt es nichts Erfrischenderes als ein kühles Bierchen, am besten mit guten Freunden aus der Nachbarschaft. Das wurde bei den Dachsemern Martin Bruderer, Martin Kopp, Andreas Steinmann, Bruno Ritzmann und Bernd Vogt zum wöchentlichen Ritual. Die gemeinsame Vorliebe für Bier verbindet, und der Wunsch, nicht nur bei einem Bier zusammenzusitzen, sondern auch mehr über dessen Herstellung zu erfahren, wuchs.

So besuchte die Gruppe Anfang 2019 gemeinsam einen Braukurs, um sich mit den Grundlagen des Bierbrauens vertraut zu machen. «Danach war klar: Das wollen wir auch machen», so die Dachsemer. Diverse Weiterbildungskurse in Hygiene und Vertiefung des Brau- und Gärprozesses kamen hinzu.

Auf 394,2 Meter über Meer, nämlich im Bahnhofsschuppen Dachsen, gründeten sie im Juni 2019 den Brauverein Stationsbier Dachsen. Als Inspiration für den Namen diente ein Schild, das am Bahnhof hängt, mit der Aufschrift «Schienenhöhe: 394,2 M.ü.M.». «Da wir alle fest mit unserem Dorf verwurzelt sind und das Bier in erster Linie von und für Dachsemer ist, fanden wir den Namen sehr passend», meint Vereinspräsident Martin Bruderer.

Mitglieder von 22 bis 66 Jahre alt
Die Gruppe wuchs schnell auf neun Mitglieder. Leo und Michael Bruderer, Nadine Kopp und Noel Vogt kamen dazu, und so entstand eine bunt gemischte Truppe. Der Vereinsälteste ist 66 Jahre alt, der Jüngste im Bunde 22. «Diese Spannweite gibt uns eine grosse Vielfalt und vereint diverse Geschmäcker, so macht das Brauen richtig viel Spass und bleibt spannend», ist sich das Team einig.

Innert kürzester Zeit, aber mit viel Bedacht, wurde das richtige Equipment gekauft, vom Braukessel über viele verschiedene Hopfensorten bis hin zu Flaschen und farbigen Bierdeckeln. «Dazu haben wir eine 50 Liter Brauanlage gekauft, die zwar erstmal für kleine Mengen ausgerichtet ist, aber bereits auf der Technik von modernen professionel­­len Bierbrauereien basiert», erklärt Andreas Steinmann. Er hat auch beruflich mit Brauereizubehör zu tun und weiss daher genau, welches Equipment sich am besten für seinen Verein eignet.

Der grosse Braukessel kann beispielsweise vom Handy aus bedient werden. So könne er auf dem Heimweg von der Arbeit bereits vom Zug aus den Braukessel aufheizen und mit der Arbeit fortfahren, sobald er in Dachsen angekommen sei, erklärt Martin Bruderer. Das sei wahnsinnig praktisch, zumal sie sich nur jeden Donnerstagabend zum Bierbrauen träfen. Sie nehmen ihr Hobby möglichst locker, möchten flexibel bleiben, denn schliesslich brauten sie für sich. «Es ist ein Experimentieren und Herausfinden, was unseren Geschmack trifft und was eher nicht. Schlussendlich wollen wir einfach Bier brauen, das uns schmeckt», so Andreas Steinmann.

Im Gebäude der Rubli Rauchfleisch Spezialitäten AG konnten sie Räume mieten, in denen sie brauen und an ihren Bierrezepten tüfteln. Dafür nehmen sie Bierrezepte, die sie je nach Vorlieben abändern. Um die einzelnen Schritte behalten zu können, wird ein Brauprotokoll geführt. «So können wir auch noch nach sieben Wochen nachvollziehen, was wir wie beim Rezept verändert haben», erklärt Bernd Vogt.

Charakterstark und nicht 0815
Beim gemeinsamen Brauen hat jedes Mitglied sein Spezialgebiet entwickelt. Bruno Ritzmann beispielsweise hat ein spezielles Flair, das Malz, welches fürs Brauen gebraucht wird, von Hand zu schroten. Wenn die Männer von ihrem Hobby erzählen, spürt man die Leidenschaft dahinter. «Es gibt wesentlich bessere Biere als man allgemein angeboten bekommt, und das Schöne daran ist, wir können sie selbst herstellen», findet Leo Bruderer. «Und es ist schon so, ein Dosenbier wird bei uns schnell verschmäht, da haben wir lieber unser eigenes mit schönem Schaum und goldener Farbe», erklärt Bruno Ritzmann.

Ihr selbst gebrautes Bier soll charakterstark sein und etwas Spezielles. Das Lager 1407 beispielsweise wurde benannt nach ihrer Brauereinummer bei der Alkoholverwaltung. Aber auch das Stationsbier Schwümmring, das Bier für mehr Auftrieb, ist etwas Besonderes. So wurde es speziell für die Badi Bachdelle hergestellt und wird auch dort verkauft. Das sei ihr erstes kommerziell verkauftes Bier, und es komme  gut an. «Wir kennen einige Leute im Umfeld, denen wir für Geburtstagsfeste oder sonstige Anlässe Bier zubereiten, sozusagen ein natürlicher, familiärer Fankreis», erklärt Martin Bruderer.

Doch das solle auch eher in diesem Rahmen bleiben. Eventuell könnte man in Zukunft einmal für Vereinsanlässe liefern, doch die Freude an der Sache stehe im Vordergrund. «Es muss ja nicht immer alles so bierernst sein», fügt Andreas Steinmann lachend hinzu.

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