Weinland

Ein Dorf sucht Anschluss

Die Vision gegen die fehlende ÖV-Anbindung ist ein selbstfahrender Bus. Mittelfristig könnte eine Fahrdienst-App helfen. Kurzfristig nur ein Mitfahrbänkli – aber selbst das geht nicht so schnell.

von Roland Spalinger
17. April 2020

Aus der persönlichen Übergabe wurde nichts, der Wunsch aber bleibt. Und so hat der Gemeinderat Kleinandelfingen Ende März das Mobilitätskonzept aus dem Dorf Alten nicht von einer medial begleiteten Delegation nach deren Fussmarsch über die Thur erhalten, sondern auf elektronischem Weg. Ein Treffen im kleinen Kreis mit gebührend Abstand soll es trotzdem noch diesen Monat geben.

Thema ist, was in Alten gegen die fehlende Anbindung an den Öffentlichen Verkehr (ÖV) gemacht werden kann. So wie die Gemeinde Kleinandelfingen das Anliegen in jedem Fahrplanverfahren auf die Begehrenliste setzt, so gleich fällt die Antwort aus: nicht wirtschaftlich. Das hiess es vonseiten Postauto auch zum letzten Vorschlag. Den Versuchsbetrieb einer Linie Rheinau–Marthalen (Dorf)–Alten–Andelfingen müssten die Gemeinden selber finanzieren.

Bei den Thurauen versäumt
Den grössten Fehler habe die Region im Rahmen der Unter-Schutz-Stellung der Thurauen gemacht, sagt Hanspeter Roth aus Alten. Bei der Abtretung von Gemeindeland damals sei versäumt worden, Gegenforderungen zu stellen. Das hätten Trottoirs oder Velowege sein können, oder ein Postauto-Rundkurs. In Alten fehlt es an allem – Verbesserungen heranbringen ist das Ziel des Projekts «Alten Mobil». Hanspeter Roth ist einer der neun Köpfe dahinter und zuständig für Technisches und Visionen.

Eine Vision wäre denn auch die beste Lösung: ein selbstfahrender Bus. Doch dafür sei es noch zehn Jahre zu früh, meint er. In Neuhausen wurde ein Versuch nach einem Unfall gestoppt, in beiden Basel noch nicht einmal gestartet. In Bern ist ein solcher Bus unterwegs, wenn es nicht neblig ist oder schneit, jedoch bloss mit 10 bis 15 km/h und begleitet. Mindestens 40 km/h müsste ein Bus schon fahren, um Alten sinnvoll bedienen zu können, findet Hanspeter Roth. Und weil technisch auch noch nicht gelöst ist, wie ein solcher Bus Hindernissen ausweicht, hat er diese Vision abgehakt.

Als mittelfristige Lösung könnte ein Fahrdienst auf Abruf eingerichtet und das Kundenaufkommen mit einer App gehandhabt werden. Ein funktionierendes Beispiel dafür hat Hanspeter Roth in Herzogenbuchsee gefunden. EBuxi heisst der «Tür-zu-Tür-Shuttle». Dahinter steht ein Verein. Unterstützt wird er von der Gemeinde und Sponsoren, die EKZ zum Beispiel stellen ein Strom-Auto zur Verfügung. Herzogenbuchsee sei «eine Nummer grösser» als Alten, sagt Hanspeter Roth. Und der Ort sei mit ÖV erschlossen. Trotzdem verzeichnete EBuxi in neun Monaten 16 000 Fahrten – weil es auch andere Bedürfnisse gebe als die bestehenden ÖV-Strecken, so Hanspeter Roth.

In Alten ginge es vorderhand darum, Einwohnerinnen und Einwohner zum ÖV zu bringen, an die Bahnhöfe Andelfingen und Mar­tha­len – von einem Mitfahrbänkli aus. Mehr als eine Übergangslösung könne das aber nicht sein, findet Hanspeter Roth. Auf jeden Fall nicht für diejenigen, die verbindliche Termine haben und Anschlüsse erwischen müssen. Und auch wenn dies die kurzfristig mögliche Version von ÖV-Anschluss wäre, stocke die Umsetzung. Noch fehlen Standorte und sind Fragen offen zur Finanzierung und zum Unterhalt.

Bahn will weder Bänkli noch Täfeli
So will die Bahn keine Mitfahrbänkli auf ihrem Grund. «Auf SBB-Areal darf man nicht einmal ein Täfeli anbringen», sagt Hanspeter Roth. In Andelfingen könnte beim Gericht ein Standort sein, aber ob die Gemeinde das bewilligt? Zweitbeste Lösung und immer noch auf dem Verkehrsfluss wäre beim Schaufenster von Elektro Meier. Thomas Meier habe Bereitschaft signalisiert, sagt Hanspeter Roth. Der Nachteil: Das Bänkli wäre für nach Alten Reisende auf der linken Strassenseite. In Mar­tha­len schielen die Projektverantwortlichen auf das Wiesli beim Pneuhaus Auerhammer. Und dann bräuchte es ein Sicherheitskonzept, eine Vignette für registrierte Fahrerinnen und Fahrer zum Beispiel, so dass Gäste mit gutem Gewissen einsteigen könnten.

Auf die Schnelle geht nichts. Schon gar nicht in der aktuellen Zeit. Auf ein halbes Jahr mehr komme es aber auch nicht mehr an, so Hanspeter Roth. Vielleicht komme Hilfe ja doch noch von offizieller Seite. Postauto habe beim letzten Fahrplanverfahren versprochen, «eine Anbindung von Alten soll im Rahmen verschiedener Linienüberprü­fungen auf den Fahrplan 2022–2023 nochmals erwogen werden».

War dieser Artikel lesenswert?

Zur Startseite