Weinland

Eine Familie mit Blutgruppe «F positiv»

An der Schlussübung der Feuerwehr Weinland wurde die einzige Frau im Korps verabschiedet. Kommissionspräsident Martin Günthardt freute sich über den Zusammenhalt dieser Familie mit Blutgruppe «F positiv».

von Roland Spalinger
11. Dezember 2018

Wenn die Feuerwehr Weinland zur Schlussübung lädt, ist der Saal im Feuerwehrgebäude Mar­tha­len zu klein – aber glücklicherweise hat der Zweckverband ja Ausweichmöglichkeiten. Seit 1995 umfasst dieser Mar­tha­len, Ossingen, Rhein­au und Truttikon, 2012 kam noch Neunforn TG dazu. Und Feuerwehrleute aus Jestetten (D), mit denen freundnachbarschaftliche Beziehungen gepflegt werden, nehmen die Einladung jeweils auch gerne an sowie dieses Mal der Kommandant und der Ausbildungschef der Feuerwehr Andelfingen.

Vielleicht muss es in ein paar Jahren tatsächlich immer ein so grosses Lokal sein wie die Mehrzweckhalle in Rhein­au dieses Jahr. Denn wie Kommandant Heier Wipf am Samstagabend sagte, wird über eine engere Zusammenarbeit mit Andelfingen gesprochen; durch die Drehleiter, die in Mar­tha­len stationiert ist, ist die Gruppe Stützpunkt der Feuerwehr Weinland bereits jetzt in allen Gemeinden im Bezirk im Einsatz.

Ehrungen und Abschiede
Wohin sich die Feuerwehr entwickelt, ist noch nicht klar. Sicher ist: Die Feuerwehr Weinland geht nach je fünf Ein- und Austritten mit 97 Mann ins neue Jahr. Jene, die aufgehört haben, waren zwischen 2,5 (Wegzug) und 38 Jahren dabei. Sieben Jahre im Zug Rhein­au gedient hat die einzige Frau, die nun aus beruflichen Gründen ins Unterland zieht und mit Feuerwehr aufhört. Sie wurde ebenso verabschiedet, wie andere für 100 Prozent Übungsbesuch geehrt wurden. Es waren einige, und dies bei 10 und 13 Einheiten pro Jahr. Zwei Männer wurden zu Unteroffizieren befördert.

69 Einsätze leisteten die Truppen von Heier Wipf. Noch nie aber sei die ganze Feuerwehr Weinland ausgerückt, sagte er in seinem Rückblick, der mit Bildern hinterlegt war. Es sei ein ruhiges Jahr gewesen, was ja gut sei. Denn Schäden bedeuten auch Geschädigte. Die Auswahl der Bilder war ein Gemisch aus Unterhaltung und Ernsteinsätzen mit Anschauungsunterricht, bei denen der Kommandant seine Beobachtungen weitergab. Beim schweren Unfall auf der A4 zwischen Rastplatz Weinland und Wildüberführung gefiel ihm, wie nah am Ereignis die Fahrzeuge abgestellt waren. Denn «Autos explodieren nur im Film», sagte er. Bei einem Einsatz musste ein Bild einer unterstützenden Feuerwehr herhalten; der Mann auf dem Dach war durch den Korb an der Drehleiter nur ungenügend gesichert gewesen.

Der Rhein­au­er Zugführer und Organisator des Abends, Martin Jaun, sagte es so: Wenn das Kader der Feuerwehr bei Übungen aufkreuzt, empfinde er das nicht als Kontrolle, sondern als Bereicherung. Man erhalte Feedback und nützliche Tipps.

Einige Bilder zeigten, dass Feuerwehr auch ein intensives Hobby mit Freunden und Familie sein kann. Dies fiel auch Martin Günthardt auf. Der Ossinger Gemeindepräsident war selber viele Jahre Kommandant und ist Kommissionspräsident. In dieser Familie hätten alle die gleiche Blutgruppe, «F positiv», sagte er. Er lobte den Zusammenhalt im Korps und die «sensationelle Verpflegung» an dem Abend durch den Zivilschutz Weinland. Auch diese Zusammenarbeit funktioniert bestens.

Cäsar muss nicht der Höchste sein
Eine Idee haben und improvisieren können, das sei bei Feuerwehrleuten oft gefragt, sagte Kommandant Heier Wipf an der Schlussübung. Dies, nachdem Martin Jaun ihm und Peter Stutz eine Mütze mit Majors- bzw. Hauptmannrang aufgesetzt hatte. Gefunden hatte der Rheinauer Zugführer die «Schiffli» beim Räumungsverkauf des verstorbenen Stefan V. Keller. Und weil in seinem Zug nun ein Mann namens Cäsar Dienst tut, habe er sich Gedanken gemacht, ob der Name des prominenten Feldherrschers das höchste Kader irritieren könnte.

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