Weinland

Erntehelfer – beliebter Job für Südländer

Während der Vegetationszeit braucht Landwirt Heinz Höneisen auf seinem gros-sen Bio-Gemüsebaubetrieb rund 20 Erntehelfer. Vielen Südländern gefällt der Job, weshalb sie jedes Jahr wieder kommen.

von Barbara Flacher
14. August 2018

Leute hierzulande vor, sich in der Badi aufzuhalten oder im Schatten zu arbeiten. Die 20 Erntehelferinnen und -helfer auf dem Tännlihof – meist Südländer – sind sich wohl an die Hitze gewöhnt. Sie sind täglich auf offenem Feld im Einsatz, überall dort, wo die Bio-Kulturen auf dem grossen Gemüsebaubetrieb der Familie Höneisen gepflegt werden müssen.

Eine Gruppe von fünf jungen Leuten jätet in gebückter Haltung das Karottenfeld. Trotz der brütenden Hitze sind alle in bester Stimmung, plaudern und lachen beim Entfernen des Unkrautes. Obwohl der braun gebrannte junge Mann sowie drei der Frauen Portugiesen sind und die vierte Erntehelferin aus Bulgarien stammt, sprechen sie erstaunlich gut Deutsch.

Ein Job, der Freude macht
Zwei von ihnen sind bereits die fünfte Saison als Erntehelfer auf dem Tännlihof tätig. Alle fünf erzählen, dass sie in ihrem Heimatland keinen Job fänden, in dem sie genügend verdienten. «Die frische Luft, in der Natur zu arbeiten, das gefällt mir gut», sagt Daniel Almeida, und die vier jungen Frauen – Susana Costa, Mirela Pavlova, Catarina Castro, Angela Tavares – pflichten ihm bei.

 Auf die Frage, aus welchen Ländern die 20 Erntehelfer stammen, zählen sie Portugal, Bulgarien, Türkei, Tibet, Mazedonien, Holland, Slowakei, Brasilien und einen Schweizer auf. «Eigentlich aus der ganzen Welt», lacht Daniel Almeida. Während ihrer Saisonstelle wohnen die meisten in Andelfingen – in Wohnungen, die ihr Arbeitgeber für sie gemietet hat.

Für Heinz Höneisen, Chef des Bio-Gemüsebaubetriebs, ist die Zuverlässigkeit seiner Erntehelfer zentral. «Ich muss Vertrauen haben, dass fleissig gearbeitet wird, denn ich mache keine Kontrollen.» Generell ist er zufrieden mit seinen Saisonniers, er habe fast immer die gleichen Leute.

Sie arbeiten wöchentlich 47 Stunden, die Norm sind 55. Werktags seien sie von 8 bis 17.30 Uhr, am Samstagmorgen dreieinhalb Stunden im Einsatz. Gemüse für den Eigenbedarf dürfen sie gratis mitnehmen.

Umtrieb mit Migrationsamt
Mehraufwand hat Heinz Höneisen mit dem im Juli in Kraft getretenen Inländervorrang. Da einige seiner Mitarbeiter im Sommer Ferien haben, braucht er kurzfristig Aushilfen, die er bis anhin durch Vermittlung seiner ausländischen Angestellten problemlos erhielt. Jetzt sei alles mühsam, vor allem der Umtrieb mit dem Migrationsamt. Dieses vermittelte Heinz Höneisen kürzlich zwei Traktorfahrer, die für den Job überqualifiziert waren. Dies musste er sofort dem Amt melden. Wenn er dies versäume, drohe ihm eine horrende Busse, sagt er.

Inländervorrang bringt Ärger
Neue Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, dass in mehreren Branchen der soeben in Kraft gesetzte Inländervorrang angewendet werden muss; obwohl nur in einzelnen Regionen eine erhöhte Arbeitslosigkeit besteht. Besonders krass ist es laut «SonntagsZeitung» bei den Bauern: In der ganzen Schweiz müssen sie mühsam neue Mitarbeiter auf dem Arbeitsamt suchen, obwohl es praktisch nur im Wallis arbeitslose Landarbeiter gibt. Bauernverbands-Präsident Markus Ritter fordert deshalb, dass das System des Inländervorrangs grundsätzlich geändert werden müsse. (bf)

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