Eröffnung mit Überraschung

Stammheim - 2012 stand er auf der Kippe, nun steht er vor der grössten Veränderung seiner 164-jährigen Geschichte: Der Polizeiposten wird ausgebaut. Auch wenn sich das Personal verdoppelt, bleibt er der kleinste im Kanton.

Roland Spalinger (spa) Publiziert: 03. Februar 2026
Lesezeit: 4 min

Allein die Nennung der anwesenden Gäste dauerte fünf Minuten. Die Kantonspolizei Zürich und das Zürcher Notariat hatten am Samstag namhafte Vertreterinnen und Vertreter nach Stammheim delegiert, um um 15 Uhr im «Schwert» ihre beiden neuen Posten einzuweihen. Im Aachhof, den die Leihkasse hochgezogen und Ende Oktober eingeweiht hat (AZ vom 28.10.2025), belegen die beiden Ankermieter das Erdgeschoss. Aus Weinländer Sicht tragen sie damit zu einem Zen­trum bei, das sich sehen lassen kann.

Die Kantonspolizei hat einen Mietvertrag über 15 Jahre unterschrieben, mit Option auf Verlängerung. Kommandant Marius Weyermann (Adlikon) kündigte unter Applaus an, er werde diese noch vor seiner Pensionierung aktivieren. Ein Polizeiposten sei das Scharnier zur Bevölkerung und erste Anlaufstelle für diese – und für ihn dezentral sinnvoll.

Ein ruhiges Pflaster

Der dort stationierte Polizist sei «ihr Polizist», sagte er an die Bevölkerung im Einzugsgebiet Stammheim, Ossingen und Truttikon gerichtet, aber kein Einzelkämpfer. Wie alle zwölf Polizistinnen und Polizisten der Bezirksmannschaft (Andelfingen, Feuerthalen, Stammheim) sei dieser mit dem Stützpunkt Winterthur vernetzt.
Die Region mit 5180 Einwohnenden sei ein eher ruhiges Pflaster, die Zahl von drei Straftaten pro 100 Einwohnenden halb so hoch wie im restlichen Kanton, so Marius Weyermann weiter.
 
Vielleicht seien die Menschen im nördlichen Kantonsteil einfach schlauer, nahm Regierungsrat Mario Fehr den Ball auf und dankte für die Verlängerung. Die Polizei unterscheide nach zwei Arten von Menschen: jene, die sie erwischt hätten und jene, die sie noch erwischen würden, spasste er.

Aufstockung im Laufe des Jahres

Dem Sicherheitsdirektor war es vorbehalten, die grosse Neuigkeit zu verkünden, die für (fast) alle überraschend kam: Von den 60 Stationen im Kanton sei Stammheim der einzige Einzelposten, werde im Laufe des Jahres aber aufgestockt.
 
Platz ist vorhanden. Auf 165 Quadratmetern verfügt die Polizei über ein Postenbüro, ein Anzeigenbüro, ein weiteres Büro, einen Raum für Aufenthalt und Rapport sowie einen Druckerraum – mit 7,6 Quadratmetern ist dieser sogar grösser als die Arrest- oder Abstand­zelle (5 Quadratmeter).

Die Aufstockung sei möglich, weil der Kantonsrat mit dem Budget 108 zusätzliche Polizisten bewilligt habe, sagte Mario Fehr. Doch auch mit doppeltem Personal bleibt der dritte Ableger im Weinland der kleinste. Mario Fehr vergass nicht zu erwähnen, dass der Posten 2012 auf der Streichliste stand und der damalige Kantonsrat Martin Farner (FDP) beim Erhalt «eine entscheidende Rolle» spielte; er war bei der Feier ebenfalls anwesend.

«Freude herrscht»

Für Gemeindepräsidentin Beatrice Ammann ist der Standort von Polizei und Notariat ein starkes Zeichen, dass das Stammertal am nordöstlichsten Rand des Kantons nicht vergessen gehe. «Freude herrscht», sagte sie, bedankte sich und fasste zusammen: «Wege kurz, Austausch gut, Präsenz offensichtlich.»

Apropos Präsenz: Erwähnt sein sollen an dieser Stelle die am Fest anwesenden ehemaligen Stationierten. Peter Büchi (1980 bis 89) bekam den Job laut eigenen Aussagen, weil er einen Hund besass; er war der letzte, der noch im Posten wohnte und seine Stube angrenzend ans Polizeibüro hatte. Urs Stähli (89 bis 96) tat als erster am jetzt alten Standort Dienst. Auf ihn folgten Adrian Peterhans (96 bis 03), Stefan Wägeli (03 bis 12, er ist jetzt der einzige Mitarbeiter der Jugendintervention der Kapo), Daniel Leonhardt (13 bis 18) sowie der aktuelle Matthias Engesser (seit Ende 2021).

Die andere Präsenz des Staates

Sogar einen Wasserwerfer hatte die Polizei für den Eröffnungsanlass aufgefahren – bei dieser Präsenz geriet der zweite Staatspartner, das Notariat, Grundbuchamt und Konkursamt, fast ein bisschen in den Hintergrund. Doch dieser «gehört dazu», betonte Notar Stefan Stutz. Und erst noch länger als die Polizei: Stammheim als eines von 44 Notariaten im Kanton ist seit 1840 präsent, also seit 186 Jahren. Tatsächlich gehe die Präsenz gar bis 1464 zurück, wie der anwesende Notariatsinspektor Markus Zimmermann sagte.

Nach den Reden und nachdem symbolisch das Band für die Eröffnung durchschnitten war, konnten die beiden Posten besichtigt werden. Und zum Abschluss erhielt die bereits gepflanzte Eiche vor dem Aachhof noch ein bisschen mehr Erde.