Weinland

Essen wie früher beim Grosi

2016 gründeten die Buchemer Stefan und Tobias Ganz die Plattform «Margr.it». Als Hommage an ihre Grosi wollen sie Fremde miteinander an den Zmittagstisch bringen.

von Cindy Ziegler
30. November 2018

Nicht immer beim Take-away um die Ecke zu essen, nicht immer beim Dönerladen nebenan etwas holen – das war der Wunsch von Stefan und Tobias Ganz. Daraus entstand die Idee zu «Margr.it». Auf der Website können Private Essen anbieten und Fremde zu sich nach Hause einladen. Die Mahlzeiten kosten zwischen 10 und 25 Franken. Der Gedanke dahinter: Viele Leute kochen sowieso, auch über Mittag, den Tisch wirklich voll bekommen sie aber nicht.

Anders war das bei der Grossmutter von Stefan und Tobias Ganz. Die Brüder sind in Buch am Irchel aufgewachsen und assen über Mittag oft bei ihrem Grosi – der Namensgeberin Margrit. «Sie hat immer einen feinen Zmittag gekocht und war bekannt für ihre hervorragende Salatsauce», erinnert sich Stefan Ganz. Als die Brüder das Weinland verlies­sen, um in der Stadt zu arbeiten beziehungsweise zu studieren, vermissten sie vor allem die gemeinsamen, ausgiebigen und guten Mittagessen. «Oft isst man alleine und nur schnell zwischen zwei Sitzungen», sagt Tobias Ganz. Und sie dachten sich, wie toll es wäre, wieder bei jemandem an den Tisch zu sitzen, ein Haus mit Leben zu füllen und miteinander Zmittag zu essen.

Mit viel Liebe zubereitet
Nicht nur das Miteinander sei ausschlaggebend. «95 Prozent der Restaurants bieten etwas an, was jede Hausfrau, jeder Hausmann zu Hause mindestens genauso gut kann», sind die Brüder überzeugt. Und im Gegensatz zur Systemgastronomie in Kantinen sei das Essen bei jemandem zu Hause immer frisch und mit viel Liebe zubereitet.

Tobias und Stefan Ganz sind regelmäs­sig bei anderen zu Gast, die über «Margr.it» Essen anbieten. Aber auch selber laden sie ab und an ein. Am Essen mit Fremden (neben Zmittag werden mittlerweile auch Znacht und Brunches angeboten) schätzen sie, dass man mit Leuten am Tisch sitzt, mit denen man sonst wohl nie ein Wort gewechselt hätte. «Es geht nur eine Minute, und man ist sich nicht mehr fremd», meint Stefan Ganz. Und Tobias Ganz fügt an: «Essen ist die beste Gelegenheit, um sich kennenzulernen.» Sich dabei zu unterhalten, sei nicht schwierig, und man sei sich schnell vertraut.

Im Weinland bisher stockend
Besonders gut läuft «Margr.it» in der Stadt Zürich, in der auch die Gründer mittlerweile leben. Ihre Heimat, das Weinland, sei für die Plattform quasi eine Wüste. Das liege einerseits daran, dass der Bezirk Andelfingen weniger dicht besiedelt ist als die Stadt, andererseits aber auch daran, dass viele Menschen noch zu Hause essen, weil die Ehefrau oder die Mutter sowieso für die Familie kocht. «Wir sind aber überzeugt, dass es auch im Weinland funktionieren kann», meint Stefan Ganz. Auch die Weinländer könnten Zeit sparen, wenn sie miteinander essen und nicht jeder den ganzen Kochaufwand habe.

Eine, die Essen anbietet, ist Andrea Prager aus Hettlingen. Als Tobias und Stefan Ganz zu Besuch kommen, bereitet sie Injera (äthiopisches Fladenbrot) mit drei Beilagen zu. Sie erzählt, dass sie immer schon gerne für die Familie gekocht habe. Mittlerweile seien die Kinder ausser Haus, kochen tue sie aber immer noch viel und gerne. Einen Mehraufwand sieht sie in «Margr.it» nicht.

Zwei Jahre nach der Gründung zählt die Plattform ein paar Tausend Mitglieder. Deshalb geben die Gründer nun zusätzlich eine App heraus (siehe Kasten). Die Buchemer sind überzeugt, mit «Margr.it» auch einen menschlichen Wert geschaffen zu haben: «Schon so manche Freundschaft begann mit einem Essen.»

www.margr.it

«Margr.it» gibt es bald auch als App


Im Dezember soll auch eine «Margr.it»-App auf den Markt kommen. Stefan und Tobias Ganz haben sie selber entwickelt und monatelang daran getüftelt. «Wir haben gemerkt, dass unsere Plattform nur bedingt als eine Art Marktplatz funktioniert», erklärt Stefan Ganz. Eine wichtige Funktion von «Margr.it» sei auch die des Netzwerks. «Mit der App soll es einfacher werden, miteinander in Kontakt zu treten und neue Leute kennenzulernen», erklären die beiden Gründer.

Auf der Website sei bisher jedes Essen öffentlich gewesen. «Die ganze Schweiz könnte so mit einem am Tisch sitzen.» Das sei an sich auch die Idee der beiden Buchemer gewesen. Damit aber auch Leute «Margr.it» nutzen, die einen privateren Rahmen schätzen, gibt es auf der App neue Funktionen, die es ermöglichen, Essen privater zu planen. So kann man neu auch ein Zmittag oder Znacht anbieten und nur Freunde einladen – über die App. Zudem gibt es auch eine Gruppenfunktion. «So kann man beispielsweise bei sich zu Hause kochen und die Büro­gspänli einladen», sagt Stefan Ganz. «Wir wollen die Konversation über und mit Essen einfacher machen.» (ciz)

War dieser Artikel lesenswert?

Zur Startseite