Weinland

Gegen die Verkehrssicherheit

Mit dem neuen Jahr treten auch diverse Gesetzesänderungen in Kraft. Einige von ihnen betreffen das Autofahren und kommen beim Fahrlehrer Cyrill Landolt nicht gut an.

von Cindy Ziegler
08. Januar 2019

Die Frage, ob man die Fahrausbildung mit einem geschalteten Auto oder doch lieber mit einem Automaten absolvieren soll, dürfte für einige Fahrschüler ab Februar noch einfacher zu beantworten sein. Ab dann soll nämlich jeder, der die Prüfung auf einem Automaten macht oder gemacht hat, ohne weitere Prüfung oder weiteren Kurs auch geschaltete Wagen lenken dürfen. Fahrlehrer Cyrill Landolt (zweites Bild) ist zwiegespalten.

Einerseits findet er es grundsätzlich gut, wenn mehr Leute mit einem Automaten unterwegs sind. Denn diese Autos seien immer im optimalen Gang. Andererseits müsse man das Fahren mit einem Geschalteten trotzdem üben. Cyrill Landolt befürchtet, dass faule Fahrschüler die Gesetzesänderung ausnutzen, nur um mit möglichst wenig Fahrstunden durch die Prüfung zu kommen. «Wir hoffen auf die Vernunft der Autofahrer», sagt er. Ein paar wenige Stunden, um beispielsweise die Bedienung der Kupplung zu üben, empfiehlt der Fahrlehrer. Das Anfahren damit sei, insbesondere am Berg, nicht ganz einfach.

Viele seiner Kollegen in der Stadt hätten nun Panik und würden sich Automaten anschaffen. Eine Umfrage unter den ehemaligen Fahrschülern der Wyland Fahrschule habe ergeben, dass beinahe 90 Prozent  wieder auf einem geschalteten Auto die Prüfung machen würden – trotz Gesetzesänderung, so Cyrill Landolt.

Nur noch ein obligatorischer Kurs
Für Junglenker bringt das neue Jahr noch eine weitere Änderung. Bisher mussten sie in der dreijährigen Probezeit zwei Pflichtkurse absolvieren – einen zur Fahrsicherheit und einen zum ökologischen Fahren. Zweiterer wird nun abgeschafft. Für Cyrill Landolt ist das nicht die richtige Lösung. «Der zweite Tag war in seiner Fülle nicht nötig, aber nicht überflüssig.» Er hätte es begrüsst, wenn man die beiden Kurstage optimiert hätte, anstatt einen komplett zu streichen. Er sagt, die Verkehrssicherheit hätte seit der Einführung der WAB-Kurse im Jahr 2003 zugenommen. Mit dem Gesetzespaket, das nun kommt, nehme die Verkehrssicherheit wieder ab und nicht – wie beabsichtigt – zu.

Aus Sicht der Wyland Fahrschule ist auch die dritte Änderung im Strassenverkehrsgesetz gegen die Sicherheit. Ältere Autofahrer müssen neu erst mit 75 Jahren alle zwei Jahre zur ärztlichen Kontrolle (anstatt mit 70 Jahren). Es gebe zwar Leute, die auch im hohen Alter «zwäg» seien und gut Auto fahren würden, die hätten aber auch nichts zu befürchten, meint der Fahrexperte. Das Problem sieht er bei den anderen. Denn: Alle Leute haben das Gefühl, dass sie Auto fahren können. Da die Alterserscheinungen schleichend kommen und man sie selber nicht sofort bemerkt, spüren Lenker auch die Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit nicht selber.

«Man nimmt den Menschen mit dem ‹Billett› auch ein Stück Freiheit», weiss Cyrill Landolt. Trotzdem würde er die Grenze für die ärztliche Kontrolle noch tiefer ansetzen, bei 65 Jahren. Allgemein würde er es begrüssen, wenn die Fahrtüchtigkeit immer wieder überprüft würde, beispielsweise mit einer Theorieprüfung, die jeder Autofahrer alle zehn Jahre erneut bestehen müsste.

Autofahren ab 17
2021 kommt wohl eine der grössten Änderungen im Strassenverkehrsgesetz: Das Autofahren soll dann nicht erst ab 18 Jahren erlaubt sein, sondern als Lernfahrer bereits ab 17. Ein Jahr lang müssen die Fahrschüler Fahrpraxis sammeln, bevor sie an die Prüfung können (bis zum 20. Lebensjahr). Das sei problematisch, meint Cyrill Landolt von der Wyland Fahrschule. Wenn die Fahrschüler ein Jahr lang mit den Eltern unterwegs seien, würden sie sich auch deren falsche Verhaltensweisen im Verkehr aneignen. «Wir Fahrlehrer müssen diese dann erst wieder wegkriegen.» Mit 17 Jahren sei man zudem zu wenig reif, um ein Auto zu steuern. «Das bewusste Fahren fehlt in diesem Alter», sagt Cyrill Landolt. Er meint, dass sich auch 18-Jährige damit schon schwer tun, und befürchtet, dass es bei den jüngeren Fahrschülern noch mehr Unfälle und negative Fahrprüfungen geben wird. (ciz)

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