Weinland

Glück im Unglück für vier Jugendliche bei Bahnunfall

Vier Jugendliche befanden sich auf dem Bahnhof, als die einfahrende S33 mit einem Ausleger des Baustellenzugs kollidierte. Ein Förderband reichte aufs Gleis und wurde in die Metallstütze geschlagen – in der Nähe einer Sitzbank.

von Roland Spalinger
03. Juni 2022

Warum das Mädchen die Jungs filmte, konnten diese nicht sagen. Zu überdreht waren sie, als sie dem Journalisten ihr Filmli zeigten – und für 200 Franken zum Kauf anboten. Ich lehnte ab, durfte aber kurz auf den Bildschirm schauen. Zu sehen ist, wie die S33 aus Winterthur (Abfahrt 19.06) auf Gleis 2 in den Bahnhof Henggart einfährt und ein Förderband eines Baustellenzugs auf dem Nebengleis wegwuchtet. Das Bild ist verwackelt, sie schreit und ruft einen Namen, der Film ist mittlerweile im Netz zu finden.

Trotz der Heftigkeit des Zusammenstosses: Verletzt wurde laut dem Polizeisprecher vor Ort niemand. Die Passagiere des Personenzuges konnten diesen selbständig verlassen. Auch die Jugendlichen sind unverletzt, was an ein Wunder grenzt, wenn man die Bilder sieht und von ihnen hört, wo sie gesessen hätten – auf dem Bänkli, das vom getroffenen Förderband beschädigt wurde.

Beide Züge rollten in die gleiche Richtung, zudem hatte die S33 ihr Tempo für den ordentlichen Halt bereits merklich verlangsamt. Der Lokführer hat laut einem Augenzeugen bei der Einfahrt ein Signal abgegeben. Ein zu langes, wie der Bahnfan fand. «Das ist nicht gut», ging es ihm durch den Kopf, «da muss etwas auf dem Gleis sein», erzählte er später. Er sei dann sofort zum nahen Bahnhof gegangen und habe das Unglück gesehen. Und den aufgewühlten und fluchenden Lokführer gehört. «Was macht ihr für einen Sch...», habe er gerufen. An der Lok, getauft auf den Namen Oberstammheim, ist die Aufprallstelle gut zu sehen, ebenso am Ausleger, wo dieser erfasst wurde. Laut dem Bahnfan ist es auch ein Glück, dass es kein Zug des Modells Flirt von Thurbo war, sondern eine massive Lok.

Stehen bleiben musste diese trotzdem. Zwischen Winterthur und Andelfingen wurden Ersatzbusse eingesetzt – diese hätten wegen der Baustelle sowieso verkehrt, aber erst zwei Stunden später. Zuerst auf Platz nach dem Aufprall war ein Rettungswagen des Kantonsspitals Winterthur. Neben der Kantonspolizei Zürich standen das Forensische Institut Zürich, die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle SUST, die Intervention SBB, die Feuerwehr Andelfingen und Umgebung, die Stützpunktfeuerwehr Weinland, die Transportpolizei und weitere Spezialisten von Privatfirmen im Einsatz.

Die Höhe des Sachschadens ist noch Gegenstand der Ermittlungen, die genaue Unfallursache ist unklar und wird durch die Kantonspolizei Zürich in Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland abgeklärt.

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