Grüezi mitenand!

Andelfingen - Auf dem Land grüsst man sich. Das war der Grundgedanke hinter dem «Grüezi-Diplom», das der Bezirkshauptort 1991 einführte. Seit dieser Woche erinnert eine Holzfigur vor der Gemeindeverwaltung wieder daran.

Manuel Sackmann (msa) Publiziert: 23. Januar 2026
Lesezeit: 2 min

Sich zu grüssen, schafft Verbundenheit. In der Stadt begegnen sich die Menschen vorwiegend anonym, mehr als ein kurzes Nicken im Vorbeigehen gibt es dort in der Regel nicht, wenn überhaupt. Auf dem Land ist das noch anders, obwohl der Usus, einander «Grüezi» zu sagen, seltener zu werden droht.

Schon 1991 rief Werner Stegemann, damals Gemeindepräsident von Andelfingen, deshalb das «Grüezi-Diplom» ins Leben. Damit wurden die freundlichsten Dorfbewohnerinnen und -bewohner ausgezeichnet. Rund zehn Jahre dauerte die Aktion an, ehe sie versandete. Sogar das Schweizer Fernsehen berichtete darüber (AZ vom 24.12.2024). Der «Quer»-Beitrag von 1994 ist unter den Archivperlen des SRF zu finden.

Zurück am Bestimmungsort

Die Diplome mag es heute nicht mehr geben, seit Kurzem werden die Andelfingerinnen und Andelfinger aber wieder direkt daran erinnert, doch wieder vermehrt «Grüezi» zueinander zu sagen. Diese Aufgabe übernimmt eine mannshohe Holzfigur vor der Gemeindeverwaltung.

Sepp Schneider, der Leiter des Heimatkundlichen Archivs, hatte sie anlässlich des nationalen Mülitags im Mai 2025 bei einem Zimmermann aus Henggart in Auftrag gegeben. Am Anlass selbst stand sie beim Brunnen vor der Bäckerei Gnädinger am Marktplatz. Später fand sie in Sepp Schneiders Garten in Niederwil Unterschlupf, blieb dort aber vor der Öffentlichkeit weitgehend verborgen. Das war weder im Sinn des Besitzers noch in jenem des Initianten des einstigen «Grüezi-Diploms». Sie waren sich einig: Der «Grüezi-Mann» gehört wieder nach Andelfingen.

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Entstanden ist der «Grüezi-Mann» anlässlich des nationalen Mülitags im Mai 2025. | Manuel Sackmann

Ein kurzes Gespräch genügt

Gesagt, getan. Ein neuer Standort war mit der Stelle vor der Verwaltung am Marktplatz rasch gefunden. Eine schriftliche Bewilligung war dazu nicht nötig. Ein kurzes Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten genügte, und die Erlaubnis war auf unkomplizierte Weise erteilt.

Aufgrund ihres hohen Gewichts brauchte es für den Transport der Holzfigur schwere Gerätschaften. Am Dienstag war es dann so weit. Mit einem gut lesbaren «Grüezi»-Täfelchen um den Hals hebt sie seither für alle Vorbeigehenden den Hut. Der Grundgedanke hinter der Figur bleibt derselbe wie vor Jahrzehnten bei den «Grüezi»-Diplomen: In Andelfingen grüsst man sich freundlich, auch wenn man sich gegenseitig nicht kennt. So werde verhindert, dass die Gemeinde zu einem seelenlosen Agglomerationsdorf verkomme, finden die Initianten. Oder wie Werner Stegemann damals im SRF-Beitrag sagte: Das Grüssen fördere den Gesprächsstoff im Dorf allgemein. «Und wo geredet wird, gibt es keine Heuchler.»

In diesem Sinne: Grüezi, liebe Leserin, lieber Leser.