Höhenrausch am Rheinfall

Neuhausen - Der Adventure Park Rheinfall bietet Nervenkitzel und Panorama für Kletterbegeisterte. Die zunehmende Trockenheit des Waldes ist für die Betreibenden eine Herausforderung.

Cornelia Meier (com) Publiziert: 07. August 2026
Lesezeit: 4 min

In 17 Metern Höhe steht eine Person auf einem schmalen Balken, der von einem Baum hinausragt. Plötzlich springt der Mann mit einem Jubelschrei in die Tiefe. Die Besuchenden des Adventure Parks Rheinfall, die vom Boden aus staunend zusehen, quittieren den Mut mit Applaus.

Der gesicherte Sprung, der oben am «Monkeytree» wartet, sei besonders herausfordernd, weil der Baum freistehend sei, erklärt Ueli Vetsch, einer der Geschäftsführer des Seilparks am Rheinfall. Die anderen Hindernisse und Parcours seien teilweise noch höher, befänden sich jedoch im Wald. «Durch die Bäume rundherum fällt die Höhe weniger auf.» Vor dem Absprung geniessen die Kletternden einen Blick auf den Rheinfall. Der Adventure Park befindet sich beim Besucherparkplatz in Neuhausen und bietet immer wieder einen einzigartigen Ausblick auf den Rheinfall. Das Rauschen des Wasserfalls und das Rattern der vorbeifahrenden Züge gehören genauso zur ständigen Geräuschkulisse wie die freudigen Ausrufe der Kletternden und das Vogelgezwitscher.

Dass eine Person aus Angst nicht mehr weiterkomme, sei selten, sagt Ueli Vetsch. Die Instruktorinnen und Instruktoren sind jedoch auch für diese Fälle geschult. Sie versuchen jeweils, verunsicherte Personen zunächst vom Boden aus zu coachen. Reicht das nicht, begleiten sie diese bis zum nächsten Notausstieg. Davon gibt es auf jeder Route an verschiedenen Stellen einen. So bleibe das Erfolgserlebnis erhalten, schliesslich habe man den Parcours mit Hilfe, aber aus eigener Kraft gemeistert. Wenn gar nichts mehr gehe, könne die Person auch abgeseilt werden. Ueli Vetsch verrät den wichtigsten Tipp gegen Angst: «Gerade hinstehen und tief durchatmen.» Bei Angst verkrampfe sich der Körper und man ducke sich, was den Körperschwerpunkt verschiebe und ein Weiterkommen schwierig mache.

Lust, selbst durch die Bäume zu klettern?


Die «Andelfinger Zeitung» verlost drei Gutscheine im Wert von je 50 Franken fĂĽr den Adventure Park Rheinfall, zur VerfĂĽgung gestellt vom Seilpark. Um zu gewinnen, senden Sie bis spätestens Montag, 
10. August 2026, 10 Uhr ein E-Mail mit dem Stichwort «Klettern» an agenda@andelfinger.ch. Viel Glück! (az)

Routen für jedes Können

Am häufigsten würden sich die Kletternden beim Parcours «Swing» überschätzen. «Der Sprung am Schluss in ein Netz ist nicht ohne.» Am beliebtesten seien die beiden Routen «Panorama» und «Panorama Express», die eine lange Flugzeit an den sogennanten Ziplines ermöglichen. Dabei sausen die Kletternden an einem speziellen Haken, der am Klettergurt festgemacht ist, an einem Stahlseil entlang – und genies­sen dabei das Panorama auf den Rheinfall und das Schloss Laufen. Die beiden Routen seien eher schwierig gebaut und böten auch Kletternden aus der Region, die den Seilpark wiederholt besuchen würden, immer wieder eine Herausforderung.

Die grünen Routen, die ab acht Jahren beklettert werden können, sind die einfachsten. Dann folgen Blau, Rot und schliesslich Schwarz. Auch die Höhe in den Bäumen steigert sich. Die Kletternden starten auf einer zentralen Plattform. Sobald die markierte rote Linie überschritten sei, müsse der Klettergurt mit dem Stahlseil verbunden sein. «Dank der kommunizierenden Karabiner kann man danach nichts mehr falsch machen», sagt Ueli Vetsch. Diese stellen sicher, dass immer ein Karabiner eingehängt ist. Erst am Ende einer Route lassen sich wieder beide lösen. Für Kinder unter acht Jahren gibt es zwei eigene Parcours in wenigen Metern Höhe, bei denen die Eltern vom Boden aus mitlaufen können.

0408 X Seilpark11
Die Ziplines bieten den Kletternden einerseits eine Pause für die Beine und andererseits immer wieder einen Blick auf den Rheinfall. | Cornelia Meier

Aufwertung des Rheinfallbeckens

Im Jahr 2010 gründeten Dieter und Gaby Obrist den Seilpark. Sie hätten den Tipp erhalten, dass der Kanton Schaffhausen einen Seilpark in Neuhausen plane, um das Rheinfallbecken aufzuwerten, erzählt Ueli Vetsch. Aus dem ursprünglich geplanten kleinen Park ist der flächenmässig grösste Seilpark der Schweiz geworden. 2024 haben Tim Obrist – der Sohn des Gründerpaares – und Ueli Vetsch den Betrieb übernommen.

Der Park ist von Ende März bis Anfang November geöffnet. Im Herbst werden alle Routen kontrolliert und Mängel bis zur nächsten Saison behoben. Zudem werden sämtliche Bäume jährlich von der Krone bis zu den Wurzeln von einer Fachperson beurteilt. Zusätzlich findet eine weitere Inspek­tion statt, bei der die neuen sowie abwechselnd einige der älteren Hindernisse begutachtet werden.

Bäume müssen halten

Eine grosse Herausforderung sei die in den nächsten Jahren zunehmende Trockenheit. Wichtige Bäume wie jene, die die Startplattform halten, würden mit Bewilligung des Kantons bewässert, erklärt Ueli Vetsch. Denn die Bäume «müssen halten». 2010 hätten die beiden Parkbauer aufgrund verschiedener Faktoren wie der Stammdicke und der Verwurzelung die geeignetsten Bäume ausgesucht. Müssten einzelne ersetzt werden, weiche das Team auf einen anderen Baum in der Nähe aus oder setze einen sogenannten «Second Tree» ein. Dabei wird ein einzelner gefällter Baumstamm fest im Boden verankert.

Der Seilpark eigne sich fĂĽr jede Person, die einen gesunden Bewegungsapparat habe, sagt Ueli Vetsch. Auch beim Alter gebe es kein Limit – ein Pärchen sei mit 80 Jahren noch regelmäs­sig klettern gekommen. 

Ferienspass für Daheimgebliebene


In den Sommer­­ferien zieht es viele in die Ferne. Doch auch die Region bietet diverse inte­ressante Aktivitäten. Der Besuch einer Badi geht 
natĂĽrlich immer. Im Rahmen unserer Sommerserie stellen wir einige Alternativen vor. (az)

Logosommeraktivitäten