Weinland

Hofladen-Besitzer im Glück

Hofläden erfreuen sich dieser Tage grosser Beliebtheit. Weinländer Betreiber erzählen, was sie Besonderes beobachten können und was sie sich für die Zukunft wünschen.

von Jasmine Beetschen
11. April 2020

Es riecht nach frischem Brot und Heu, von draussen ertönt das Bellen des Hofhundes und das freudige Meckern einiger junger Geisslein. Der Blick schweift über eine grosse Auswahl an selbstgemachten Konfitüren, frisch­gebackenen Zöpfen und diversem Gemüse. Kein Menschenansturm und kein Bunkern von Konservendosen, sondern friedliches Einkaufen von frischen Produkten direkt ab Hof.

In den Hofläden der Weinländer Bauernhöfe scheint das Leben noch in gewohnten Bahnen zu laufen. Nur die Info-Plakate des BAG, Tafeln mit dem Begrenzungshinweis sowie Desinfektionsmittel-Ständer neben der Eingangstür zeigen, dass das Coronavirus auch hier Einschränkungen vorgibt. «Wir erhalten die Weisungen direkt vom Schweizerischen Bauernverband, so dürfen wir zum Beispiel keine Deko-Artikel mehr verkaufen», erklärt Miriam Jucker aus Andelfingen. Nur Lebensmittel dürfen im Sortiment bleiben.

Vermehrt wird in den Hofläden nun auf bargeldloses Bezahlen gesetzt, Zahlungsmöglichkeiten wie TWINT und sogar Einzahlungsscheine, auf Wunsch der älteren Kunden, werden angeboten. Das Gemüse bleibt aber weiterhin offen, teilweise werden Handschuhe zur Verfügung gestellt. Trotz der Umstellungen laufe Miriam Juckers Hofladen zurzeit sehr gut, vor allem Eingemachtes sei bei ihr im Laden sehr beliebt.

«Wir haben zahlreiche neue Kunden, wobei das Alter sehr durchmischt ist», erzählt sie. Am Morgen kommen oftmals ältere Personen. «Ich glaube, ältere Leute scheinen hier ein wenig Zuflucht zu finden und haben die Chance, auf dem grossen Hof mit genügend Abstand einen kleinen Schwatz gegen die Einsamkeit zu halten», sagt Miriam Jucker. Es sei schön, dass auf diese Weise der soziale Kontakt etwas aufrechterhalten werden könne. Erfreulich zu sehen sei zudem, dass viele junge Paare in den Laden kämen und sich die Leute allgemein vermehrt für die Produkte und die Landwirtschaft interessieren und oft auch Fragen stellen würden. Das mache Freude.

Regionalität und Transparenz
Auch auf dem Spargelhof in Rafz stelle man diese Entwicklung fest, so Nadine Gloor, Kommunikationsleiterin der Jucker Farm AG. «Das Interesse der Leute ist vor allem in der jetzigen Zeit Balsam für die Seele», findet sie. Sie beobachtet, dass die Besucherinnen und Besucher nicht nur in grösseren Mengen einkaufen, sondern auch vielfältiger. Das sei ein schöner Nebeneffekt. Dasselbe beobachtet auch Erwin Corrodi auf seinem Biohof in Mar­tha­len. Für ihn war schon vor der Krise eine steigende Tendenz zu Käufen in Hofläden sichtbar, doch nun habe diese Tendenz  zugenommen. «Die Bevölkerung will wissen, woher das Produkt kommt und wünscht keine langen Transportwege – Regionalität und Transparenz sind angesagt», ist er überzeugt. In seinem Hofladen erfreuen sich vor allem die Bio-Weide-Eier vom mobilen Hühnerstall grosser Beliebtheit. Die Kundschaft sei definitiv grösser geworden, umso mehr achte man nun auf dem Hof auf die Einhaltung des Social Distancings.

Unterricht im Hofladen
Da die Schulen nach wie vor geschlossen sind, nutzen viele Eltern den Einkauf im Hofladen gleich als Familienausflug. Aber nicht nur das. Miriam Jucker beobachtet, wie Kinder die Preise zusammenrechnen oder kleine Schätzaufgaben lösen, die ihnen die Eltern im Hofladen aufgeben. Auch nehmen sich die Eltern mehr Zeit für Erklärungen, spazieren gemeinsam über den Hof, und oft wird den Tieren auf dem Hof noch ein kleiner Besuch abgestattet. «Hier passiert sozusagen Unterricht direkt vor Ort, das ist richtig schön mit anzusehen», freut sich Miriam Jucker.

Wie die anderen Weinländer Hofladenbesitzer hofft sie, dass die Leute auch nach der Corona-Krise zu ihr kommen werden. «Ich denke, das wird auch danach noch anhalten, der Wunsch nach frischen Produkten aus der Region ist auf jeden Fall da», ist Miriam Jucker überzeugt. Auch Erwin Corrodi sieht die Krise als Chance: «Da die Konsumenten vermehrt Hofläden aufsuchen, wird unser Lokal von einer breiteren Kundschaft besucht, und dies führt zu einem grösseren Bekanntheitsgrad.»

Er spürt, dass es den Besuchern in seinem Hofladen gefällt. «Die Leute schätzen die Regionalität und die Qualität der Produkte, wir sind guter Dinge, dass das Bewusstsein hier gestärkt wurde und weiterhin anhalten wird.»

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