Weinland

In der Tiefe liegt die Ruhe

Beim Apnoetauchen geht es nicht nur ums Austesten von Grenzen, sondern um Entspannung. Noah Eberhard erklärt in seiner Maturarbeit, wie man ohne Stress unter Wasser bleibt.

von Jasmine Beetschen
27. April 2021

Die Augen schliessen, tief einatmen und abtauchen. Und unten bleiben, wenn möglich für mehrere Minuten, ohne Sauerstoffflasche oder ähnliche Hilfsmittel. Wie das geht, hat Noah Eberhard aus Flurlingen in seiner Maturarbeit untersucht. Das Atemsystem fasziniert den 18-Jährigen. Schnell war für ihn klar, dass er über die menschliche Atmung schreiben möchte. Erst bei der tieferen Recherche und beim Lesen eindrücklicher Erfahrungsberichte stiess er aufs Thema Tauchen, oder genauer: das Apnoetauchen. «Das hat mich gleich gefesselt, eine faszinierende Sportart, die doch ganz anders ist, als viele meinen», findet Noah Eberhard.

Wer Apnoetauchen hört, denkt nämlich meist als Erstes an Extremsport: Wer kann am tiefsten tauchen, ohne Sauerstoffflasche oder sonstige Hilfsmittel? Wer bleibt am längsten unter Wasser? Die offiziellen Weltrekorde liegen beim Streckentauchen bei 316 Metern (Männer) und 257 Metern (Frauen) sowie beim Tiefentauchen bei 125 Metern (Männer) und 100 Metern (Frauen). «Es gibt diverse Kategorien, doch die härteste ist wohl ‹No Limit›: Mittels Gewichten gehen die Taucher so schnell es geht in die Tiefe, um anschliessend mithilfe eines Ballons und einer aufblasbaren Veste schnell zurück zur Oberfläche zurückzukehren», erklärt Noah Eberhard fasziniert.

Doch anders als erwartet geht es bei diesem Sport nicht um den Wettkampf, sondern um Entspannung. Nicht das Austesten von Grenzen stehe im Vordergrund, sondern das Abschalten. Die Welt für einige Minuten vergessen und sich mit seinem eigenen Körper auseinandersetzen. «Das Abtauchen und Verharren unter der Wasseroberfläche hat schon fast etwas Meditatives – Yoga für unter Wasser sozusagen», findet der Fachmittelschüler. «Unter Wasser ist alles leichter, ruhiger, man kann wortwörtlich für eine Weile abtauchen.»

Die Geschichte des Apnoetauchens geht rund 2400 Jahre zurück und ist vor allem in Meergebieten verbreitet. In Griechenland und Italien beispielsweise tauchten sogenannte Schwammtaucher nach Muscheln, Perlen, Schwämmen und anderem. «Es war die einzige Möglichkeit, an die Ressourcen tief im Meer zu kommen.» Heute mache man es vor allem noch aus Spass.

Atemtechnik ist das A und O
Und diese Ruhe sei auch essenziell für eine erfolgreiche Durchführung: «Man muss ruhig bleiben können, ansonsten stösst der Körper Adrenalin aus, das den Puls sofort in die Höhe schnellen lässt», erklärt er. Und sobald der Puls oben ist, wird mehr Sauerstoff verbraucht, sodass man schneller wieder an die Luft muss. Die richtige Atemtechnik ist also enorm wichtig. «Wenn wir normal atmen, tauschen wir etwa 0,5 Liter Luft aus – unsere Lunge hätte aber ein Volumen von rund fünf Litern.» Dieses vollständig auszuschöpfen, könne man trainieren, sodass einem viel mehr zur Verfügung stehe.

All die Theorie weckte bei Noah Eberhard die Neugierde. So beschloss er, selbst das Tauchen auszuprobieren. «Step by Step habe ich mich rangetastet, war aber überrascht: So viel Übung braucht es gar nicht, um lange unten bleiben zu können.» Die schnellen Fortschritte motivierten natürlich ungemein. «Mittlerweile kann ich zwei bis zweieinhalb Minuten unten bleiben, angeeignet habe ich mir das innerhalb von zwei Wochen», erzählt er stolz.

Neues Hobby für sich entdeckt
Vor dem Abtauchen sei es wichtig, sich 30 bis 60 Minuten Zeit zu nehmen und sich vorzubereiten – physisch wie auch psychisch. Man dürfe bei dieser Sportart keinesfalls übermütig werden und müsse immer auf die Sicherheit achten, betont Noah Eberhard. So geht er nie alleine tauchen, sondern lässt sich zum Beispiel vom Vater beaufsichtigen. Geübt hat er jeweils im Pool, der Rhein eigne sich weniger dafür. «Es war extrem spannend zu spüren, wie man gegen den Schutzmechanismus, das automatische Einatmen, ankämpft und mit der Zeit lernt, es auszuhalten», erzählt er begeistert.

Die Auseinandersetzung mit dem Atemsystem interessiert Noah Eberhard nicht nur persönlich. Auch in seinem zukünftigen Beruf wird er damit zu tun haben. «Nach Abschluss der Fachmittelschule beginne ich ein Praktikum in der Pflege, danach möchte ich Physiotherapie studieren», sagt er. Auch privat möcht er das Gelernte weiterhin verfolgen. Schon immer war er ein Wasserfreund, rudert oder schwimmt im Rhein. «Auf den Sommer hin werde ich mal bei Tauchclubs in der Umgebung anfragen, ob sie Apnoetauchen anbieten», meint er motiviert. Und falls nicht, bleibe ja immer noch der Pool zu Hause.


Maturarbeiten


In ihren Maturarbeiten gehen die Schülerinnen und Schüler aus dem Weinland grossen Fragen nach. Die «Andelfinger Zeitung» stellt sie vor. (az)

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