Weinland

Kurzzeitig mehr Uniformierte als Einwohner

In seiner Wahlheimat hat Fabio La Nave das Kommando des Zürcher Infanteriebataillons 65 abgegeben. Die Zahl der Uniformierten überstieg kurzzeitig jene der Bevölkerung.

von Roland Spalinger
27. August 2021

Das passiert nur Tourismusdestinationen – oder im Bezirk Dörfern während einem Weinländer Herbstfest: dass die Zahl der Gäste jene der Einwohnenden übertrifft. Am Mittwoch war dies in Ossingen aber aus militärischem Grund der Fall. Der Abschluss der Übung Ferox 21 bedeutete für Fabio La Nave das Ende seiner Zeit als Kommandant des Infanteriebataillons 65. Symbolisch übergab der 45-jährige Bat-Kadi, so die militärische Abkürzung für seine Funktion, im Grad eines Oberstleutnants im Generalstab die Standarte an Divisionär Willy Brülisauer. Dieser reichte die Fahne gleich an Major Michael Schäppi weiter, der offiziell ab Neujahr übernimmt.

Drei Jahre kommandierte Berufsmilitär Fabio La Nave die Scorpions, so der Name der 65er. Und hätte das auch noch länger getan. Er höre nicht freiwillig auf, sagte er, jedoch sei es üblich, nach drei, vier Jahren zu wechseln. «Andere wollen auch diese Erfahrung machen», und es gehe für ihn nun im Stab als Chef Einsatz weiter, sein Standort ist Luzern.

«Andere wollen auch»
Fabio La Nave hatte dar­um ersucht, dass die Zeremonie in seinem Wahlwohnort Ossingen stattfinden konnte, wo der Berner seit 2015 lebt. Dass es klappte, freute ihn. Seine Frau und sein Sohn wohnten dem Anlass beim Weingut Wiesendanger bei. Auch das Militärspiel war vor Ort – unter anderem für den Fahnenmarsch.

Er gebe die Bataillonsfahnen mit erhobener Brust zurück, sagte der scheidende Kommandant und lobte die knapp 800 Anwesenden, die in Formation vor ihm standen. Im letzten Jahr leistete die Einheit wegen Corona Dienst an den Grenzen von Genf bis Basel. Dieses Jahr waren sie in der gross angelegten Übung Ferox (siehe Kasten) in den Ostschweizer Kantonen präsent, stellten den Schutz des Flughafens sicher, griffen Hüttwilen an und hatten einen Echteinsatz mit Zoll und Polizei.

Divisionär: Zeigen, was wir können
Divisionär Willy Brülisauer bezeichnete den Kommandanten in seiner Würdigung als «Kämpfer für die Belange der Armee» und als vorbildlich. Und der Drei-Sterne-Offizier zeigte sich als Befürworter von Übungen abseits von Waffenplätzen. «Die Bevölkerung soll wissen, was wir können», sagte Willy Brülisauer. Für das Bataillon wiederum sei wichtig, dass es dabei auch gesehen werde, am Tag und in der Nacht. Was er gesehen hatte, gefiel ihm. «Sie dürfen stolz sein auf das Resultat!», rief der Divisionär den Soldaten zu. «Ich bin es!»

Kompanieweise zog das Bataillon wieder in Richtung der aufkolonnierten Fahrzeuge am Fusse des Rebbergs ab, defilierte an den ranghohen Kadern sowie Vertretern des Zürcher Amts für Militär vorbei und machte die Wiese frei für ein zweites Bataillon der Territorialdivision 4, das ebenfalls vom 22. bis 25. Au­gust an der Übung Ferox teilgenommen hatte. Total waren gegen 2000 Leute im Einsatz, Dutzende Fahrzeuge und auch die Luftwaffe mit zwei Transporthelikoptern vom Typ Super Puma, um «verletzte» Soldaten auszufliegen.

Armee: «Eine sehr grosse Übung»
Die Übung Ferox 21 war in Zahlen gefasst sehr gross. Fast 2000 Soldaten standen während dreier Tage vorwiegend im Thurgau sowie am Flughafen Zürich im Einsatz. Dabei wurden auch Hunde und Pferde des Kom­petenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere für die Patrouillentätigkeit eingesetzt. Das Geniebataillon 23 baute zwei Unterstützungsbrücken und eine Stahlträgerbrücke, die die Bewegungen des Infanteriebatail­lons 65 ermöglichten. Auch anwesend war das Stabsbataillon 4, das die Zentrale der Territorialdivision 4 bildete und betrieb. Gemeinsam wurde geübt, wie reibungslos das Zusammenspiel im Verbund funktioniert, falls ein Gegner in die Ostschweiz einfallen würde und die zivilen Sicherheitskräfte die Lage nicht unter Kontrolle halten könnten. (az)

War dieser Artikel lesenswert?

Zur Startseite