Weinland

Landi Weinland steigt ins Drohnengeschäft ein

Pflanzenschutz in steilen Reblagen ist aufwendig. Die Landi Weinland tut sich deshalb eine Sprühdrohne zu und bildet drei Mitarbeiter daran aus. Gestartet wird im Frühling mit 11 Hektaren Reben.

von Roland Spalinger
26. März 2019

Es ist ein Pilotprojekt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Treibende Kraft dahinter ist Patrick Meier aus Alten, Leiter Agrarverkauf bei der Landi Weinland und Winzer. Die Trauben für seinen Hochzeitswein, den das regionale Zivilstandsamt in Kleinandelfingen Heiratenden abgibt, wachsen am steilen Südhang des Andelfinger Mühlebergs.

Vier Stunden brauchen er und seine Frau Conny jeweils, um die 25 Aren gegen die Pilzkrankheit Mehltau zu behandeln. Macht acht Mann-Stunden und rund hundert bei den nötigen zehn bis zwölf Wiederholungen pro Saison. Und bei jedem Spritzvorgang bringen sie dabei mit dem Schlauch 800 Liter Spritzbrühe aus.

Chefs überzeugt
Er habe deshalb Varianten gesucht – ökologischere und ökonomischere, sagt Patrick Meier. An einer Messe wurde er auf die Sprühdrohne aufmerksam. Für seine 25 Aren bräuchte diese noch 25 Liter Gemisch und eine halbe Stunde. «Das ist wie Tag und Nacht», sagt er.

Um eine bessere Auslastung des Fluggeräts zu erhalten, hat Patrick Meier das Projekt in die Landi Weinland eingebracht. Seine Argumente überzeugten nicht nur die Geschäftsleitung, sondern auch einige Weinbauern. Stand heute sind für die Behandlung 11 Hektaren Reben zugesichert. Bis zu 20 Hektaren seien mit einer Drohne zu machen, sagt er. Die Parzellen befinden sich zwischen Benken und Elsau, viele am steilen Schiterberg in Kleinandelfingen, einem prädestinierten Hang für einen Drohneneinsatz. Patrick Meier lobt die interessierten Landwirte. «Sie ziehen super mit.» So verzichten sie auf den Einsatz «ihrer» Pflanzenschutzmittel und stellen sich hinter den Spritzplan, den die Landi Weinland mit Beratern entwickelt hat; für jede Parzelle separat mischen, wäre ein zu gros­ser Aufwand.

Ohne Garantie
Ein gewisses Risiko bleibt. «Dass die Reben nicht von Mehltau befallen werden, können wir nicht garantieren.» Im letzten trockenen Jahr hätten Winzer diese Pilzkrankheit im Griff gehabt. Das wäre mit Drohne auch möglich, glaubt er. Aber ob es auch «verhebbt», wenn 2019 so niederschlagsreich wird, wie 2016 war, weiss er nicht. Allenfalls müsste dann vom Boden aus nachgeholfen werden, was die Landi Weinland aber tunlichst vermeiden will. Das widerspreche der Idee des angebotenen Gesamtpakets.

Ganz auf die bewährte Methoden verzichten können Winzer aber ohnehin nicht. Die Drohne sorgt für einen Sprühnebel über dem Pflanzendach, erreicht durch Abwinde der gegenseitig rotierenden acht Propeller, wodurch auch untere Blätter benetzt werden. Müssen aber die Trauben selber behandelt werden, zum Beispiel bei der Pilzkrankheit Botrytis, brauchts weiterhin Rebtraktor und Sprayer, ebenso bei der Schwarzfleckenkrankheit, die eine hohe Benetzung der Triebe erfordert.

Die Drohne ist noch nicht im Haus, soll aber Anfang Mai an einem Landi-Anlass vorgeführt werden können. In der dreitägigen Flugschule waren Patrick Meier und zwei weitere Landi-Angestellte auch noch nicht. Und ausstehend ist das wichtige Einmessen der einzelnen Parzellen. Das Fliegen oder der Sprühflug selber ist auf wenige Zentimeter genau eine weitgehend automatisierte Sache. Noch steht das Pilotprojekt also am Anfang. Ob es ganz zum Fliegen kommt, hänge trotz aller Vorteile vom Erfolg im ersten Jahr ab. Patrick Meier und die Landi Weinland tun alles dafür, dass das Drohnenprojekt abheben und in der Luft bleiben kann.

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