Susanne Wepfer übergibt Magdalena Rüeger, was Kundinnen und Kunden gestaltet haben.
Es gebe schönere Sachen für einen Vorsitzenden einer Landi-Genossenschaft, als einen Laden zu schliessen, sagte Lukas Landolt am Freitag in Rudolfingen auf dem Spielplatz hinter dem Volg. Aber genau das musste der Chef der Landi Weinland tun. Um 12 Uhr hatte Ladenleiterin Magdalena Rüeger die Türe für immer geschlossen. «Ich bedaure die Situation», sagte Lukas Landolt. Es war keine Floskel. Die «Hiobsbotschaft», wie er sagte, hatte die Landi Ende Juni verbreitet (AZ vom 3.7.2026).
Für jene, die die Geschichte dieses Ladens kennen, ist die Botschaft jedoch keine Überraschung gewesen. Seit 30 Jahren hielten die Gemeinde, die Landi selber und der innovative Dorfladenverein den kleinen Volg am Leben. Auch das Wie-lange-noch war klar: bis zur Pensionierung der Ladenleiterin oder bis zu einer grösseren notwendigen Investition, trotz regelmässiger Wartung der Anlagen.
Eingetreten ist Letzteres in Form der defekten Kühlanlage. Einen Monat lang behalf sich die Landi mit einem Kühlwagen neben dem Laden. Judith Waser hatte sich viele Jahre im Ladenverein und im Gemeinderat von Trüllikon für die Einkaufsmöglichkeit im Dorf starkgemacht. Die Galgenfrist fand sie anfänglich etwas kurz. Am Freitag sagte sie: «Es isch guet gsi so.» Und man habe es ja gewusst.
Das halbe Dorf nahm Abschied
Für das Abschiedsfest kam das halbe Dorf zusammen. Rund 300 Einwohnende zählt Rudoflingen, rund 150 waren gekommen. «Eine grosse Dorfgemeinschaft», anerkannte Lukas Landolt. 1,2 Millionen Franken Umsatz wären nötig gewesen, um schwarze Zahlen zu schreiben. Rudolfingen erreichte 0,5 Millionen Franken. Das sei zu wenig, es sei aber viel an diesem Ort ohne Durchgangsverkehr. Bezüglich Umsatz pro Einwohner sei Rudolfingen mit 32 Franken pro Kopf und Woche ihr Spitzenreiter.
Zur Einordnung: Volg-Chef Ferdinand Hirsig hatte bei seinem Abschied im Herbst 2019 gesagt, ein durchschnittlicher Einkauf in einem Volg-Laden liege bei 16 Franken. Jede Rudolfingerin und jeder Rudolfinger hat also pro Woche zwei durchschnittliche Einkäufe getätigt.
«Laden-Magdalen»
Warum das so war, wurde am Freitag deutlich: die langjährige Ladenleiterin Magdalena Rüeger. Sie habe den Laden geführt, als wäre es ihr eigener, lobte Lukas Landolt. Der Applaus war lang. Sie genoss ihn eher verdeckt in der Menge, trat dann aber doch noch nach vorne. Und spätestens, als Ladenvereinspräsidentin Susanne Wepfer ein Lobgedicht von Paul Marthaler auf sie vorlas, war es um sie geschehen. Sie sei überwältigt, sagte Magdalena Rüeger, und gab das Lob gleich zurück. Sie danke allen, die dem Laden die Treue gehalten hätten und freundlich gewesen seien.
Eine Frau aus Trüllikon, die sich als Laufkundin bezeichnete, ganz in Schwarz gekleidet war und damit ihre Trauer zeigte, brachte es auf den Punkt: Der Laden mit dieser Leiterin werde fehlen, aber man müsse es akzeptieren. Für Magdalena Rüeger ist das Ende des Ladens auch der Abschied aus der Landi Weinland. Anders als Mitarbeiterin Sandra Roost verzichtet sie auf eine Weiterbeschäftigung innerhalb der Organisation.
Noch keine klare Antwort hat Lukas Landolt, was die Zukunft des Gebäudes angeht. Angestrebt sei eine Vermietung, sagte er. Weiterhin geben wird es laut Susanne Wepfer den Dorfladenverein, auch wenn es den «Laden-Magdalen» nicht mehr gebe. Der nächste Event sei das Sommerkino, an der GV im Herbst werde der Name des Vereins besprochen. Klar scheint: In Rudolfingen geht mit dem Laden ein Treffpunkt verloren, nicht aber die Gemeinschaft.
Letzte Feier für den Dorfladen