Weinland

Mit Schrägbohrung Störungen im Opalinuston untersuchen

Mit der aktuellen Bohrung will die Nagra mehr über die Störung im Opalinuston erfahren. An zwei Besuchstagen steht ein Nagra-Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung. Der erste fand am Samstag statt, der zweite am kommenden Dienstag.

von Evelyne Haymoz
27. Juli 2021

Auch in Rhein­au bohrt die Nagra, aber nicht so, wie es von anderen Orten her bekannt ist. In Benken, Mar­tha­len und Trüllikon etwa wurde schnurgerade runtergebohrt, in Rhein­au hingegen handelt es sich um eine abgelenkte Bohrung. Mit dieser wird eine «steil­ stehende, fast senkrecht verlaufende Störung» untersucht, heisst es im Blog der Nagra. Solche Störungen in den Gesteinsschichten wurden in allen Standortgebieten Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost entdeckt.

In Rhein­au werden sie «exemplarisch für alle drei Standortgebiete untersucht», heisst es weiter. Es soll abgeklärt werden, wie diese Störungen im Opalinuston aussehen und wie sie das Gestein beeinflussen. Sollen später radioaktive Abfälle im Opalinuston eingeschlossen werden, müsste das Gestein auch dort dicht bleiben, wo sich Störungen befinden. Tests sollen dar­über Auskunft geben, wie dicht der Opalinuston an dieser Stelle ist.

Gebohrt wird noch bis September bis in eine Tiefe von 800 Metern. Am vergangenen Samstag, dem ersten von zwei Besuchstagen, war es aber ruhig auf dem Platz im Rheinauerfeld in der Nähe des Schiesstandes. Von der Besucherplattform aus fällt der Blick auf den Bohr­­turm – das höchste Element auf dem Platz – und die liegenden Stahlrohre mit ihren verschiedenen Durchmessern; es wird auch Gestängelager genannt. Derzeit werde nicht gebohrt, sondern gemessen, erklärte Olivier Moser, Projektleiter regionale Partizipation. Auf seinem Namensschild steht eine kürzere Bezeichnung, nämlich «Elektroingenieur». Seine Aufgabe sei es, einen komplexen Sachverhalt möglichst verständlich zu erklären, so der Nagra-Mitarbeiter.

Zu den über 30 Besuchenden gehörten auch die Grosseltern Haag aus Frauenfeld, die mit ihren drei Enkelkindern haltmachten. Einerseits interessierten sie sich für die Technik, also dafür, wie eine solche Bohrung zustande komme, sagten der Grossvater und sein 14-jähriger Enkel. «Mich interessiert, was wir den Grosskindern zurücklassen, denn erleben werden wir Älteren es ja nicht mehr», meinte die Grossmutter. Der 16-jährigen Enkelin scheint bereits bewusst zu sein, dass hier etwas entsteht, das mehr als eine Generation umfasst. «Es war Grossvaters Idee, hierherzukommen. Es könnte ja auch uns betreffen», sagte sie. Der Jüngste, 11-jährig, kam vor allem des Ausflugs wegen mit, fand es aber «spannend».

Technische Fragen sowie Kritik
Zu Olivier Mosers Aufgabe gehört aber auch, sich kritischen Fragen oder ablehnenden Meinungen zu stellen – auch diese erreichten ihn am Besuchstag in Rhein­au. Die Technik sei oft der Einstieg, dann aber stellten sich auch Fragen zum Endlager oder der Ener­gie­politik. «Wer kommt, profitiert und nimmt auf jeden Fall etwas mit», sagte er.

Die nächste Gelegenheit, Olivier Moser im Infopavillon beim Bohr­platz Fragen zu stellen, bietet sich am nächsten Besuchstag, am kommenden Dienstag, 3. August, von 16 bis 20 Uhr. Gemäss aktueller Planung sollte die Bohrtätigkeit am 30. Juli wieder aufgenommen werden. Die Besucherplattform kann dar­über hinaus rund um die Uhr individuell besucht werden. Auch Gruppenführungen bis zu 20 Personen seien wieder möglich, heisst es auf der Website der Nagra. Anmeldungen sind möglich via anita.joray@nagra.ch oder unter Telefon 056 437 11 11.

2029 wird über Standort entschieden

Voraussichtlich 2022 wählt die Nagra aus, wo das oder die Tiefenlager gebaut werden sollen. Dann bereitet sie Gesuche vor. Der abschliessende Entscheid über den oder die Standorte und die Rahmenbewilligung des Bundesrats werden für 2029 erwartet. Der Entscheid muss daraufhin vom Parlament genehmigt werden und unterliegt dem fakultativen Referendum. Das Tiefenlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle gehe voraussichtlich etwa 2050, jenes für hochradioaktive Abfälle etwa 2060 in Betrieb, heisst es auf der Website der Nagra. (hay)

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