Weinland

Nach «Ti amo» war Schluss

Ihnen gehörte die grösste Aufmerksamkeit: Für die «Trüübis» aus Neunforn bedeutete der Umzug am Sonntag der letzte Auftritt überhaupt. Die anderen Weinländer Guggen standen ihnen bei, es flossen Tränen.

von Roland Spalinger
27. Februar 2024

Um 17 Uhr am Sonntag war Schluss. Nach dem letzten Ton ihrer Interpretation von «Ti amo» von Umberto Tozzi, setzten die Rhythmus-Instrumente ein, und die Nüüfermer Truubestampfer verliessen die Bühne auf dem Marktplatz – in Begleitung der drei anderen Weinländer Guggen Andölfia, Chrottepösche und Spectaculus. Die befreundeten Vereine standen einander bei in der nicht einfachen Zeit.

Ein letztes Mal hatte Tanja Winzenried, die Musikleiterin der «Trüübis», den Einsatz für das Repertoire ihrer Gugge gegeben. «Trüübis 4ever» stand auf dem Transparent, von einer Biene in die Luft gehalten. Nach und nach kamen die Mitglieder der anderen Guggen hinzu und stimmten mit ein. Es entstand, wie zwei Stunden zuvor auf der Kirchentreppe, das Monsterkonzert der Weinländer Formationen – mit dem Wissen, dass auch dies der letzte gemeinsame Auftritt war.

Drei RĂĽcktritte gaben den Ausschlag
Tanja Winzenried warf ihren Hut in die Luft, verneigte sich – und wurde getröstet. Auch andere Musikerinnen und Musiker lagen sich in den Armen. Nach 30 Jahren verstummt die Gugge. Das Aus kam mit Ansage. Den Pin «Im Herzen für immer ein Trüübi» trugen alle 14 an ihrem Kostüm während der ganzen fünften Jahreszeit.

Sie hätten in einer Probe die Zukunft besprochen, erzählt Präsident Christopher Sprenger nach dem Umzug. Nachdem drei Mitglieder angekündigt hatten, nach dem Andelfinger Umzug aufzuhören, und mit dem Wissen, das letzte neue Mitglied vor fünf Jahren aufgenommen zu haben, stellte sich dem Verein die Sinnfrage. Wenn tragende Ins­trumente fehlten, sei eine Gugge kaum mehr spielfähig, ergänzt die Musikleiterin. Bereits jetzt habe der Schlagzeuger zum Teil angeschlagen mitgemacht, sie selber hat eine Hand im Gips.

Die «Trüübis» traten also die letzten fünf Jahre etwa in der gleichen Konstellation auf. Andrea Berweger ist das älteste aktive Mitglied, sie ist seit 24 Jahren dabei. Und sie habe dann ihre Schwestern und Cousinen dazu geholt, erzählt sie schmunzelnd. Wenn der Begriff «Familie» auf einen Verein zutrifft, dann auf die Truubestampfer. Aus Neunforn selber ist niemand mehr dabei, die meisten von ihnen sind in Mar­tha­len aufgewachsen.

Den Abschied genossen
Natürlich könnten die Guggerinnen und Gugger nun nahtlos bei einer anderen Formation weitermachen. Nachwuchs ist überall gefragt. Eine Option sei das im Moment aber nicht. Diese Fasnacht sei ein würdiger Abschied gewesen. In Mar­tha­len hätten sie den Maskenball und die Beizenfasnacht im «Ochsen» zusammen so richtig genossen, und nun in Andelfingen den Umzug bei besten Bedingungen.

Und dann wurde gesungen. Die «Trüübis» stimmten ihr eigenes Lied an. Und auf dem Marktplatz verabschiedeten Mitglieder der Wagengruppen Faoma und MTR die Gugge mit «Ciao amore». Letzter Akt wird die Jubiläumsreise im Sommer sein. Umberto Tozzis Hymne wird nachhallen: Ricordi chi sono – Erinnerst du dich, wer ich bin?

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