Weinland

Neue Brücke auf alten Pfeilern

Die Rheinbrücke bei Flaach wird ersetzt. 18 Ideen gingen ein, 7 wurden zum Wettbewerb zugelassen. Gewonnen hat «Point de vue», aufgebaut auf den bestehenden Pfeilern.

von Roland Spalinger
22. März 2019

Bis ihr Ersatz steht, wird die Rheinbrücke zwischen Flaach und Rüdlingen sicher 93-jährig sein. Und damit hat die Stahlbrücke ihre reguläre Lebensdauer von 60 Jahren mehr als überschritten. Seit August 2015 darf das 1930 gebaute Teil nur noch einspurig befahren werden, eine Lichtsignalanlage regelt die Vorfahrt. Ihr Ersatz ist frühestens 2023 befahrbar.

War anfänglich von einer Instandsetzung die Rede, trat bald ein Neubau in den Vordergrund («AZ» vom 1.7.16). Dar­auf haben sich die Kantone Zürich und Schaffhausen geeinigt, die die Brücke zu drei (ZH) bzw. einem Viertel (SH) finanzieren. In der Kostenschätzung von 10 Millionen Franken waren 590 000 Franken für einen Projektwettbewerb enthalten.

Gleicher Ort und Radius
18 Ideen gingen ein, die alle vorgeprüft wurden. Zum Wettbewerb zugelassen wurden 7 Vorschläge, 3 kamen in die Ränge und somit zu den Preisgeldern von 50'000, 40'000 und 30'000 Franken. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf die bestehende Vierfeldträger-Optik setzten, also zu den zwei Widerlagern drei Pfeiler im Wasser. Von den drei Rangierten setzte aber nur «Point de vue» auf die bestehenden Pfeiler.

Neue Fundamente seien teuer und aufwendig zu realisieren, sagt Ingenieur Luc Trausch vom siegreichen Büro Bänziger Partner AG aus Zürich. Sie hätten bewusst auf Vorhandenes am gleichen Ort gesetzt. Und mit der Beibehaltung des Kurvenradius auf Flaacherseite werde dem Langsamverkehr Rechnung gezollt.

Das überzeugte das neunköpfige Preisgericht, das auf räumlich gestalterische Aspekte achtete, aber auch auf technische und wirtschaftliche (Unterhalt); die Gemeindepräsidenten von Flaach und Rüdlingen hatten immerhin beratende Stimmen, ebenso der Projektleiter der Zürcher Baudirektion. «Die geschickte Kombination von altem Unterbau und neuem Überbau ergibt ein stimmiges Gesamtbild mit klarer Referenz zum historischen Bestand», heisst es in der Beurteilung. Gelobt wird der Stahl-Beton-Verbund als Brückenträger und die Verwendung von Cortenstahl, der einen geringeren Unterhalt zur Folge hat als gewöhnlicher Stahl.

«Bewusst nicht aufregend»
«Point de vue» als Codename für den anonymen Wettbewerb habe sich nach dem Augenschein aufgedrängt, sagt Luc Trausch. Und wegen dem «schönen Aussichtspunkt» hätten sie sich mit Landschaftsarchitekt Lorenz Eugster zusammengetan. Herausgekommen ist ein diskreter Vorschlag. Luc Trausch nennt ihn «bewusst nicht aufregend». Für etwas anderes seien Landschaft und Ort nicht prädestiniert.

Zum Beispiel für oberliegende Bögen. 4 der 18 Ideen sahen solche vor, nur eine kam in die zweite Runde. Auf den ersten Blick möge das gefallen, heisst es in der Beurteilung. Mit zu dominant und nicht passend in der feinen Hügellandschaft fällt das Urteil aber deutlich negativ aus; der Vorschlag mit dem Codenamen 8416-8455, den Postleitzahlen von Flaach und Rüdlingen, wurde denn auch nicht rangiert.

Ein blosser Ersatz ist «Point de vue» aber nicht, allein schon wegen der Dimension der neuen Brücke. Mit einer Breite von 12,5 Metern erreiche sie mehr als das Doppelte der jetzigen beengten Ausführung, so Luc Trausch. Fast die Hälfte (6,5 Meter) sind für die beiden Fahrbahnen vorgesehen. Dazu kommen mit kleinen Absätzen flussabwärts ein Gehweg (2 Meter) und flussaufwärts ein kombinierter Rad-/Gehweg (3 Meter). Abschluss bildet beidseitig auf der ganzen Länge von 122 Metern ein «leichtes, lichtdurchlässiges Staketengeländer aus Stahl».

Beim Bau wird die bestehende Brücke quer auf provisorische Pfeiler verschoben, die Durchfahrt bleibt während der Bauzeit gewährleistet. Die Vorschläge sind seit gestern Donnerstag in Zürich ausgestellt. Wie die Brücke in die Strasse eingebunden wird, wird laut Baudirektionssprecher Thomas Maag mit dem Vorprojekt ausgearbeitet.

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