Weinland

Normalisierung erst 2022 in Sicht

Die Grenzen sind wieder offen, Reisen möglich. Wie er die aktuelle Si­tua­tion einschätzt, erklärt Markus Schnellmann, Inhaber des Reisebüros Fantasy Tours am Marktplatz AG, in der Serie «Corona und ich – Wyländer erzählen aus ihrem Alltag».

von Bettina Schmid
03. Juli 2020

«Der grosse Ansturm ist vorbei. Zu Beginn des Lockdown wurden wir mit Stornierungs- und Umbuchungsanfragen überhäuft, sie beschäftigten mich wochenlang gut drei bis vier Stunden täglich. Ich befand mich in einer Art Vermittlerrolle und versuchte, die je nach Veranstalter und Arrangement sehr unterschiedlichen Bestimmungen zugunsten unserer Kunden aufzuschlüsseln.

Doch da seit Mitte Juni das Reisen in viele europäische Urlaubsregionen wieder möglich ist, haben wir kaum noch Umbuchungen oder Absagen zu bearbeiten. Einige Kunden haben ihre Sommerferien bereits im März oder April storniert, die anderen wollten abwarten – und ziehen die Reise nun auch durch, sofern sie möglich ist.

Nachfrage massiv eingebrochen
Sehr beliebt sind Destinationen wie die Balearen, die Kanaren, die griechischen Inseln, Kroatien oder Zypern. Die Hotels haben gute Sicherheitskonzepte erarbeitet, welche je nach Land und Region unterschiedliche Bestimmungen beinhalten, beispielsweise Abstandsregeln oder Maskenpflicht im öffentlichen Raum. Andere Länder sind etwas strenger und bestehen auf Fiebermessen oder Tests. So hat kürzlich Island seine Grenzen für Touristen wieder geöffnet. Alle Einreisenden müssen einen Covid-19-Schnelltest machen lassen und einen Fragebogen mit den Kontaktdaten ausfüllen – oder sie können alternativ eine vierzehntägige Quarantäne wählen.

Was noch fast ganz ausfällt, sind die Fernreisen. Zwar haben wir bereits einige Buchungen für den Herbst, etwa nach Tansania, aber die Nachfrage beläuft sich auf gerade Mal zehn Prozent des normalen Volumens. Dies entspricht auch dem Wert der anderen Reisen. Viele Leute warten ab, wie sich die Si­tua­tion entwickelt, und buchen dann kurzfristig. Ein Vorgehen, das ich empfehle, da die internationale Lage sich fast täglich ändert und schwer vorhersehbar ist. Genügend freie Plätze wird es auch für Spontanentschlossene geben.

Wer schon stark unter Reisefieber leidet, dem rate ich zu den Sorglos-Paketen, welche mehrere grössere Reiseveranstalter geschnürt haben: Werden diese jetzt gebucht, kann man bis vierzehn Tage vor Abreise kostenlos stornieren. Bis anhin verzeichnen wir noch keinen grossen Run darauf. Dies kann sich aber in den nächsten Wochen ändern, da die Preise attraktiv sind.

Rückerstattung anstatt Gutscheine
Grundsätzlich empfehle ich, aus Sicherheitsgründen dar­auf zu achten, dass die gebuchten Reisen unter das Pauschalreisegesetz fallen. Dieser Fall tritt ein, sobald zwei Einzelleistungen zusammen gebucht werden, etwa der Flug und ein Mietauto. Damit wird das Reisebüro als Veranstalter verpflichtet, die Reisekosten zurückzuerstatten, wenn zum Beispiel der Flug nicht stattfinden kann.

Für uns Reisebüros stellt dies zwar ein finanzielles Risiko dar, das sonst der Kunde tragen müsste. Seit März haben wir zum Beispiel von der Lufthansa-Gruppe noch keinerlei Rückerstattungen der ausgefallenen Flüge erhalten.

Auf die Ausgabe von Gutscheinen verzichten wir und zahlen den Kunden die Kosten zurück. Mit Gutscheinen wird das Problem nur verlagert, da zurzeit nicht abschätzbar ist, welche Veranstalter, Fluggesellschaften, Reedereien und Hotels es in einem Jahr noch geben wird.

Es ist für mich sehr beruhigend, dass wir dies so handhaben können, da wir finanziell gut aufgestellt sind und über genügend Reserven verfügen. Dafür bin ich sehr dankbar, ebenso wie für die guten Reisen, welche wir im Winter noch durchführen konnten und die uns zusammen mit der Kurzarbeit ermöglichen, dieses Jahr mit einem blauen Auge davonzukommen. Im 2021 wird die Kurzarbeit dann noch wichtiger werden, denn eine Erholung bei den Reisen erwarte ich erst im Jahr 2022 – sofern dann eine Impfung gegen Covid-19 verfügbar sein wird.»

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