Weinland

«Oh läck du mir!», ist das unterhaltend

Sie ist im Weinland aufgewachsen, ihr Zuhause sind Bühnen in ganz Europa: Musical­darstellerin Yael de Vries ist bei «Oh läck du mir!» mitunter in einer Hauptrolle zu sehen und zu hören.

von Roland Spalinger
18. Oktober 2022

Susanne Kunz, bekannt aus dem Schweizer Fernsehen, spielt im Stück «Oh läck du mir!» die Wirtin Trudi: «Ich freue mich sehr darauf, meiner Figur mit den drei Sparten Schauspiel, Gesang und Tanz Leben einzuhauchen und bin gespannt auf die schillernde Welt des Musicals.»

Bereits bekannt ist diese schillernde Welt Yael de Vries. Sie ist in Trüllikon aufgewachsen und stand schon bei vielen internationalen Produktionen auf der Bühne. Mit «Evita» zum Beispiel bestritt sie eine Europatournee und trat während eines Jahres in 110 Städten auf. «Eine super Zeit» sei das gewesen, erzählt sie. Aber auch anstrengend und verbunden mit langen Busreisen. Zum Teil habe sie nicht mehr gewusst, wohin sie gingen und woher sie kamen.

Auch als Reibeisen zu sehen
Das liegt schon ein paar Jahre zurück. Und auch wenn sie nach wie vor gerne in verschiedenen Städten unterwegs und engagiert ist, eine längere Tournee müsse es nicht mehr sein. Seit dem 24. September und noch bis am 30. Oktober – wenn nicht noch «das Wunder von Oerlikon» passiert und die Show verlängert wird – spielt sie im Eugster-Musical «Oh läck du mir!» im Theater 11 in Zürich. Sie hat ihre fixe Rolle als Edith im En­sem­ble und garantierte Auftritte als Zweitbesetzung für das biestige Reibeisen Frau Häfeli. Als solche hatte sie ihre zweite Premiere am vergangenen Samstag. Auch diese sei gut gelaufen, sie freue sich auf weitere Shows.

Wir erreichen die vielseitige Weinländerin zwischen Probe und Auftritt. Mit sieben fing sie mit Ballett an, mit zwölf und nach einer Silvestershow mit den Eltern sei ihr Weg definitiv klar gewesen. Und so schloss sie nach der Matur und einem Umweg über Freiburg die Musicalausbildung an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien ab «und zog los». Sie sei viel unterwegs gewesen, Trüllikon aber immer ihr Heimathafen geblieben.

Musical ist Gesang, Spiel und Tanz – Yael de Vries performt dank ihrer gros­sen Erfahrung in allen drei Sparten gleichermassen. Triple Threat heisst der Fachausdruck und meint genau diese drei Kunstbereiche. Sie tut auch einiges dafür, hält sich körperlich fit, nimmt Gesangsstunden und freut sich, wenn sie sich im Austausch mit Kollegen aus der Cast weiterentwickeln kann. «Man lernt nie aus», sagt sie.

Als Coach Talente gefördert
Yael de Vries unterrichtet Gesang, ist Sprecherin für Werbung und brachte als Vocalcoach schon junge Talente in Musicalschulen. Ihr grösstes Projekt ist «Da Yodla». Mit Bühnenpartnerin und siebenköpfiger Band kombiniert sie Pop­rock mit Jodel. In eine Schublade stecken lasse sich «Da Yodla» aber nicht. Es sei «eine Reise durch verschiedene Genres», erzählt sie und nennt den Stil kurzerhand Jodelpop. Jodeln habe schon ihre Oma gekonnt, ergänzt sie, und die war Holländerin.

Bei «Oh läck du mir!» jodelt Yael de Vries auch und legt direkt zu Beginn mit einer Gitarre eine überzeugende Showeinlage hin. Ansonsten wird live gespielt – schade, sieht man die Band nicht – und live gesungen. Und die Zuschauenden singen zum Teil mit, bleiben dann aber bei den Originaltexten der Kassenschlager des Trio Eugster, während die Lieder im Musical teilweise eine leicht andere Wendung nehmen. Dass das Publikum voll dabei ist, sei ein Geschenk und «recht cool», findet sie. Und ihr gefällt, dass das Stück generationenübergreifend ist und sich für alle Altersklassen eignet. Das Publikum ist dementsprechend gemischt. Und wird bestens unterhalten.

25 Lieder, 160 Kostüme und 70 Perücken


«Oh läck du mir!» führt zurück in eine Schweizer Vorstadt Anfang der 70er-Jahre. Es ist eine Zeit, in der alles noch in Ordnung scheint. Doch die Idylle trügt, denn ein Immobilienhai will im Quartier investieren. Dafür sollen sowohl der Laden des bescheidenen Lebensmittelhändlers Mario als auch die Beiz der Wirtin Trudi dem Erdboden gleichgemacht werden. Nicht nur die Existenzen der beiden sind bedroht, sondern auch das Herz des Viertels. Also schliessen sie sich mit anderen Bewohnern zusammen, um dem Spekulanten Paroli zu bieten. Charles Lewinsky verwebt 25 Lieder des Trio Eugster, der ersten «Boygroup» der Schweiz mit über 2 Millionen verkauften Tonträgern, in diese temporeiche Geschichte.

Herzstück der Bühne ist das Haus mit Laden und Beiz. Es wiegt 11 Tonnen, ist 6,3 Meter lang, 6,5 Meter hoch und hat 49 leuchtende Elemente. Für die Darstellerinnen und Darsteller gibt es mehr als 160 Kostüme, wobei ein Grossteil Original-Vintage-Kostüme aus den 1960er- und 1970er-Jahren sind, die aus ganz Europa zusammengesucht wurden, und über 70 Perücken. (az)

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