Weinland

Paten für einen kleinen Riesenbaum

Vor fünf Monaten haben Astrid und Reini Erdmann im Wald einen Mammutbaum gepflanzt. Ihr «Patenkind» ist seither gewachsen, aber noch weit entfernt von seiner möglichen Grösse von über 50 Metern.

von Cindy Ziegler
07. Mai 2019

Noch ist er klein und reicht seinen Paten nicht einmal bis zur Hüfte. Schon in ein paar Jahren wird der Mammutbaum jedoch Astrid und Reini Erdmann weit überragen. Denn der Baum gehört zur Familie der grössten Pflanzen der Welt. Das Gewächs hat seine Wurzeln in Kalifornien und wird je nach Quelle bis 95 Meter hoch. Der höchste Mammutbaum steht laut Wikipedia im Giant Forest des Sequoia-Nationalpark, ist 1900 bis 2500 Jahre alt und misst knapp 84 Meter. In Europa erreichen Mammutbäume eine Höhe von über 50 Metern.

Zu gross also für den Garten des Henggarter Ehepaars. Und doch hegten die beiden seit Jahren den Wunsch, einen eigenen Mammutbaum zu pflanzen. Auf den grünen Riesen gekommen sind sie bei ihren Besuchen auf der Insel Mainau, wo einige grosse Exemplare stehen. Astrid Erdmann zeigt ein Bild, auf dem sie vor einem dieser Bäume steht: Nicht einmal der ganze Stamm hat auf dem Foto Platz.

Vor fünf Monaten gepflanzt
Platz genug für den noch kleinen gros­sen Baum hat es in einem Stück Privatwald nahe der A4 in Henggart, das der Familie Schönenberger gehört. Da diese sofort offen für die Idee war, konnten Erdmanns im «Büel» nach Abklärungen mit dem Förster Anfang Dezember ihr baumiges Patenkind pflanzen. Fünf Monate ist das nun her, Reini Erdmann misst nach: Ganze vier Zentimeter ist der Baum in dieser Zeit gewachsen. «Anscheinend gefällt es ihm hier», sagt Astrid Erdmann.

Wie es sich für ein gutes Gotti und einen guten Götti gehört, hegen und pflegen sie ihren Baum dann besonders, wenn es Mutter Natur nicht genügend kann. So auch jetzt im Frühling, als die Trockenheit dem jungen Mammutbaum zu schaffen machte. «Wir sind jeweils mit Rucksäcken mit Wasser hierhin spaziert und haben ihn getränkt», erklärt Astrid Erdmann. Sowieso kommen sie regelmässig beim Gitter vorbei, in dem der Sprössling gedeiht. «Er liegt auf unserer Hundespazierroute und erfreut uns jedes Mal», sagt Reini Erdmann.

Dereinst vielleicht ein Wahrzeichen
Die Spaziergänge mit den Hunden seien auch der Grund, wieso das Ehepaar seine Begeisterung für Bäume entdeckt hat. Für sie erzählt jeder eine eigene spannende Geschichte. Für «ihren» Mammutbaum wünschen sie sich, dass er irgendwann einmal so gross und stark sein wird wie seine Artgenossen. «Hoffentlich werden die Kinder der Familie Schönenberger ihn erleben, wenn er richtig gross ist», sagt das Gotti. Das Ehepaar stellt sich vor, dass der Baum dereinst ein Wahrzeichen von Henggart sein wird. «Man wird ihn als Erstes sehen, wenn man hierherkommt.»

In einigen Jahrzehnten wird der Mammutbaum die anderen Bäume im Wald deutlich überragen. Astrid und Reini Erdmann sind zuversichtlich, dass es soweit kommen wird, denn der Baum hat, sobald er grösser ist, ausser den Menschen keine Feinde – und ein paar von ihnen kümmern sich ja gut um ihn.

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