Paul Mayers grösster Erfolg

Region - Seit Paul Mayer (SVP, Marthalen) im Kantonsrat ist, hat er noch keine Sitzung verpasst. Nun, vier Wochen vor seinem Austritt, feiert er seinen grössten politischen Erfolg. Und dies ganz ohne die Partei.

Roland Spalinger (spa) Publiziert: 16. Juni 2026
Lesezeit: 3 min

Regensberg, mehrere Stadtkreise in Winterthur und Zürich sowie Flurlingen lehnten die Volksinitiative «Stopp Prämien-Schock» ab. Der ganze Kanton aber sagte am Sonntag mit über 53 Prozent Ja. Höri und Rorbas mit fast 70 Prozent, Marthalen mit 67,2 Prozent. Die Gemeinde mit der siebtgrössten Zustimmung ist die Heimat von SVP-Kantonsrat Paul Mayer.

Er und sein Ratskollege Stefan Schmid haben das Begehren im Alleingang gestemmt und feiern damit ihren grössten politischen Erfolg. Volksinitiativen haben beim Volk einen schweren Stand. Laut «Tages-Anzeiger» wurden seit 2008 nur sechs Vorlagen angenommen. Für Paul Mayer ist das Resultat daher «eine kleine Sensation», wie er auf Anfrage sagt.

«Chef, es reicht nicht.»

Lanciert hatten sie ihr Begehren im September 2023, kurz vor den Nationalratswahlen. Paul Mayer investierte gut 200'000 Franken in den Wahlkampf, den grössten Teil davon für die Initiative «Stopp Prämien-Schock» (AZ vom 15.9.2023). Deren Ursprung liegt in seinem Metallbauunternehmen. Jedes Mal, wenn die Krankenkassenprämien stiegen, störte ihn dies als Person und Prämienzahler sowie als KMUler. Wenn er Angestellten mehr Lohn gab, sagten sie Danke, und im gleichen Atemzug: «Chef, es reicht nicht, die Krankenkassenprämien fressen alles wieder weg.»

Mit einem Werber sowie mit Stefan Schmid, SVP-Kantonsrat und Gemeindepräsident von Niederglatt, überlegte Paul Mayer, was sie aus ihrer Position heraus machen könnten. Sie merkten: «An den grossen Rädern wird in Bern gedreht.» Aufgeben war aber keine Option. Und so fokussierten sie auf den Steuerabzug als Instrument, um die Zürcherinnen und Zürcher zu entlasten. Konkret verlangen sie, dass der Betrag, den man in der Steuererklärung für Versicherungsprämien abziehen kann, alle zwei Jahre der tatsächlichen Teuerung der Krankenkassenprämien angepasst wird.

Plätze gut gemacht, Wahl verpasst

Für einen Platz in Bern reichte es dem Metallbauunternehmer nicht. Auf der SVP-Liste machte er jedoch fünf Plätze gut und kletterte vom 23. auf den 18. Platz. Nur noch zwei Personen von anderen Parteien erhielten im Kanton Zürich mehr Stimmen als er aus dem mit Abstand bevölkerungsärmsten Bezirk.

Ein Selbstläufer war die Initiative aber nicht. Nur knapp hätten sie die nötigen 6000 Unterschriften innerhalb eines halben Jahres zusammengebracht. «Das war eine richtig schwierige Aufgabe», sagt Paul Mayer. Auch die Politik zeigte ihnen die kalte Schulter. Anfang Dezember 2025 lehnte der Kantonsrat die Initiative ab und verzichtete auf einen Gegenvorschlag. Der Regierungsrat war ebenfalls dagegen.

Das Stimmvolk sah es anders. Am Sonntag kam die Vorlage mit Unterstützung von FDP und EDU durch. Trotz Minibudget, aber dank einer sehr guten Kampagne, findet Paul Mayer. Er stellt klar: «Es ist nicht ein Erfolg der SVP. Es ist ein Erfolg für die Bürgerinnen und Bürger des Kantons Zürich. Es ist ein Erfolg für die Leute, die am Morgen aufstehen und chrampfen gehen. Das freut mich! Mein Wahlkampf bringt allen etwas.» Das seien keine leeren Versprechungen, keine Worthülsen gewesen.

Anwesenheit: 100 Prozent

Die Abstimmung ist ein starker Schlusspunkt unter die Politikkarriere von Paul Mayer. Mitte Juli tritt er aus dem Parlament zurück, nach den Sommerferien übernimmt Matthias Stutz (Marthalen) seinen Sitz. Bereut er nun diesen Schritt? Nein. Der Entscheid sei aufgrund seines Geschäfts gefallen. «Meine Absenzen haben wirtschaftliche Spuren hinterlassen, die ich nicht länger verantworten kann.» Nicht er sei wichtig, sondern die Arbeits- und Ausbildungsplätze seien es. Für diese müsse er wieder voll die Verantwortung übernehmen. So betrachtet, komme der Rücktritt eher zu spät. Gut für die Firma wäre Anfang Jahr gewesen. Parteipolitisch sei der Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht falsch. Bei den Kantonsratswahlen im Frühling 2027 könnten somit alle Weinländer Parteien mit Bisherigen antreten.

Mit ihm geht ein Politiker, der das Amt als Mandat verstand und ernst nahm. In seinen sieben Jahren hat Paul Mayer keine Sitzung verpasst.