Stipendium ebnet den Weg nach Cambridge

Rheinau - Jan Birmanns studiert ab Herbst in Cambridge. Vor allem dank eines der begehrten Jahres­stipendien der Schweizerischen Studienstiftung. Der 23-jährige Mathematikstudent legt aber auch selber drauf.

Roland Spalinger (spa) Publiziert: 24. Juli 2026
Lesezeit: 3 min

Seit einem Monat ist Jan Birmanns wieder in Rhein­au. Das dritte Jahr seines Bachelor-Studiums an der ETH Zürich hat der 23-Jährige in London verbracht. Auf die Insel reist er im Oktober wieder, jedoch 60 Meilen nördlich der Hauptstadt an die renommierte Universität Cambridge. Als Masterstudent widmet er sich bis im Juni 2027 der reinen Mathematik*.

Möglich macht dies die Schweizerische Studienstiftung. Diese vergibt laut Mitteilung Jahresstipendien von 20'000 Franken «für einzigartige Vorhaben exzellenter Studierender». Finanziert wird die Auslandsförderung durch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI).

Bei der aktuellen Vergabe wurden laut Mitteilung eine Frau und sechs Männer ausgewählt. Diese «studieren an Lösungen und gehen den Wandel aktiv an», sei es durch neue Ansätze im Bereich der Raumfahrt, das Nachdenken über Bewusstsein und künstliche Intelligenz (KI) oder durch die Arbeit an den fundamentalen Fragen der Physik. Jan Birmanns ist einer von vier aus dem Kanton Zürich und erhält 20'000 Franken.

Nur Bestnoten

Seine Matur in der Kantonsschule im Lee, Winterthur, schloss er als Jahrgangsbester mit einem Notendurchschnitt von 5,85 ab. Für seine Maturarbeit erhielt er die Note 6 (AZ vom 21.4.2023); sie wurde von der Schweizerischen Mathematischen Gesellschaft als beste der Jahre 2021 und 2022 ausgezeichnet.

Neben dem Studium hat sich Jan Birmanns für die In­itia­ti­ve «Future Kids» der AOZ, einer Fachorganisation für Migration, Integration und Bildung, sowie die Stiftung «Schweizer Jugend forscht» engagiert. Laut Marco Büsch, Sprecher der Schweizerischen Studienstiftung, würden viele aus «Schweizer Jugend forscht» später Teil ihres Förderprogramms.

Ein Sorglospaket sind die 20'000 Franken indes nicht. «Aber ein sehr willkommener Anteil», sagt Jan Birmanns. Das Stipendium decke etwa die Hälfte der Studiengebühren in Cambridge. Für den Rest sowie für die Kosten während der neun Monate greift er auf Erspartes zurück und kann auf die Hilfe der Eltern zählen, beides promovierte Informatiker.

Ohne Stipendium wäre er zurück an die ETH gegangen, sagt Jan Birmanns. Dorthin möchte er sowieso wieder – nach dem Master hofft er, ein Doktorat (PhD) zu erhalten, sofern eine solche Stelle frei ist. Oder dann in Cambridge bleiben oder nach Oxford wechseln, an die zweite bekannte Universität in England. Das letzte Jahr auf der Insel sei toll gewesen. Als langfristiges Ziel, in zehn bis fünfzehn Jahren, wäre eine Professur an der ETH «das Allertollste». Er würde gern in der reinen Mathematik forschen und Teil der laufenden Evolution durch KI sein, möchte aber auch zu einer wirkungsvolleren Lehre in der Mathematik an Hochschulen beitragen.

Es braucht auch Glück

Träumen ist erlaubt, planbar ist das nicht. Es brauche Glück, dass solch spezialisierte Stellen dann auch ausgeschrieben seien, sagt er. Zuerst kommt nun aber sowieso der Master. Jan Birmanns wird sich in seinem Studium laut Mitteilung «in Reiner Mathematik an der University of Cambridge mit dem präzisen Verständnis von Raum und Struktur auseinandersetzen, welches das Fundament zahlreicher moderner Wissenschaften bildet und ein bedeutender Kern der Disziplinen Geometrie und Topologie ist».

Er wurde 2003 in Deutschland geboren und verbrachte seine ersten Jahre in Texas, bevor seine Familie 2011 zuerst nach Buch am Irchel und dann nach Rhein­au zog. Während seiner zweisprachigen Matura mit Schwerpunkt in Angewandter Mathematik und Physik an der Kantonsschule im Lee in Winterthur verbrachte er ein Austauschsemester in Michigan. In diesen Jahren entwickelte er eine immer grössere Leidenschaft für die Mathematik, weshalb es für ihn eine leichte Entscheidung war, nach dem Militärdienst ein Studium in Mathematik an der ETH Zürich zu beginnen, wieder mit Austauschjahr. Und nun Cambridge, eine der ältesten (gegründet 1209), prestigeträchtigsten und forschungsintensivsten Universitäten der Welt.

*Reine Mathematik erforscht mathematische Ideen um ihrer selbst willen; angewandte Mathematik nutzt diese Ideen zur Lösung realer Probleme.