Weinland

Wie im Gericht, so auf der Bühne

Xenia Ritzmann ist angehende Juristin, nebenbei schreibt die 24-Jährige Theaterstücke für junge Schauspieler. Am Samstag feiert ihr zweites Werk «Jenissei» als Produktion des Schaffhauser Momoll-Theaters Premiere.

von Cindy Ziegler
26. Oktober 2018

Ein Jura-Studium und das Theater – auf den ersten Blick gibt es keine Gemeinsamkeiten, auf den zweiten Blick aber einige. Die Flurlingerin Xenia Ritzmann studiert Rechtswissenschaften in Basel und liebt das Theater. Früher hatte sie selber geschauspielert, heute schreibt sie Theaterstücke und wirkt als Regisseurin.

«Selbstbestimmt aufzutreten ist wichtig im Theater und als Juristin», sagt die 24-Jährige. Oft hatte sie schon von Kollegen gehört, dass das Theaterspielen eine gute Grundlage für ihre spätere Profession sei. Das Jus-Studium hingegen schärfe das Auge als Autorin von Stücken. Man lerne, präzise und schnörkellos zu schreiben und sich, wie im Theater, zu überlegen, was wirklich wichtig ist. Xenia Ritzmann erklärt: «Beides ist nicht sehr romantisch.»

Sich etwas sehnlichst wĂĽnschen
Das neuste Theaterstück aus ihrer Feder heisst «Jenissei» und spielt in einem Dorf am Ufer des gleichnamigen Flusses in Sibirien. Sechs Jugendliche leben dort in der Abgeschiedenheit und versuchen, einen Traum wahr werden zu lassen: den Traum einer Bibliothek am Ende der Welt. Im Stück gehe es um etwas, das Erwachsene verlernen, Teenager aber oft noch können: zu träumen und sich etwas sehnlichst zu wünschen.

Weder das Jura-Studium noch das Schreiben waren Xenia Ritzmanns sehnlichster Wunsch. «Ich habe schon immer gerne geschrieben, aber eher Aufsätze und Kurzgeschichten.» Zu ihrer Tätigkeit als Theaterautorin sei sie eher zufällig gekommen. Der Regisseur Jürg Schneckenburger, der auch ihr zweites Stück inszeniert, fragte sie an, nachdem er einige ihrer früheren Geschichten gelesen hatte. Heute ist sie froh, die Gelegenheit ergriffen zu haben.

«Theaterstücke sind gemeinsame Produkte», sagt Xenia Ritzmann. Es sei eine soziale Kunstform, bei der viel zusammenspiele. Das sei auch die Herausforderung beim Schreiben. «Es muss am Schluss nicht nur für mich als Autorin und für den Leser funktionieren, sondern auch für das Ensemble, den Regisseur und die Technik.» Vieles müsse auch den Gegebenheiten auf der Theaterbühne, der Realität, angepasst werden. «Und die Zusammenhänge müssen im Dialog geklärt werden.»

Vor allem am Anfang dabei
Als Autorin ist Xenia Ritzmann vor allem am Anfang bei der Entstehung einer neuen Produktion beteiligt – im Gegensatz dazu, die Proben als Schauspielerin. Zwar hat die Schreiberin ein Mitspracherecht, beispielsweise bei der Rollenvergabe, und kann weitgehend allein die Geschichte  bestimmen, in vielen Belangen wird jedoch mit den Spielern und dem Regisseur Rück­sprache gehalten.

An der Premiere von «Jenissei» am Samstag wird die Jungautorin auf jeden Fall dabei sein und zusehen, wie ihre Worte durch die Schauspieler auf der Bühne zum Leben erweckt werden. Sie freut sich darauf und ist sicher, dass jede Alterskategorie ihre eigenen Schlüsse aus dem Stück ziehen kann.


Die Premiere am Samstag ist bereits ausgebucht. FĂĽr die anderen Vorstellungen (1./2.11, 5.11, 7./8.11, 13./14.11 und 17.11) sind noch Tickets verfĂĽgbar:
www.schauwerk.ch, Eintritt 25 bzw. 15 Franken für Kinder oder mit Legi, Türöffnung jeweils um 19.45 Uhr, Beginn um 20 Uhr, Fass-Bühne, Webergasse 13, Schaffhausen

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