Weinland

ZVV will Langwiesen von seiner Karte streichen

Nur zwei Änderungen soll der neue Fahrplan ab 2020 im Weinland bringen. Doch die eine hat es in sich: Der Verkehrsverbund will den Ortsteil Langwiesen nicht mehr bedienen – sehr zum Ärger des Gemeinderats.

von Roland Spalinger
15. März 2019

Feuerthalens Gemeindepräsident Jürg Grau (SVP) ist auch Präsident der re­gionalen Verkehrskonferenz (RVK) Weinland, die sich mit dem ÖV-Angebot in der Region befasst. Doch so etwas wie jetzt hat er noch nie erlebt. Es geht um die Postautolinie 630. Diese hält zwischen Schaffhausen Bahnhof und Mar­tha­len zwölf Mal, die Fahrt dauert aktuell 26 Minuten.

Ab Fahrplanwechsel Dezember 2020 sollen es nur noch elf Mal sein und 24 Minuten. Um Zeit zu sparen, hat der Zürcher Verkehrsverbund einfach die Haltestelle Lindenbuck gestrichen – trotz Einwand des Gemeinderats Feuerthalen soll das Postauto auf diesen Abstecher mit Wendeschlaufe zwischen «Stumpenboden» und «Zentrum Kohlfirst» künftig verzichten (oder erst nach 20 Uhr wieder bedienen).

Einzige Verbindung mit ZĂĽrich
Lindenbuck ist aber nicht bloss eine Haltestelle, sondern die einzige des Zürcher Verkehrsverbunds in Langwiesen. Und beide Bahnhöfe, Langwiesen und Feuerthalen, liegen ausserhalb, ein ZVV-Ticket reicht also nicht aus, um sie als Passagier anfahren zu dürfen. Dies ist dem Feuerthaler Gemeinderat schon lange ein Dorn im Auge. Sie hätten diesbezüglich schon mehrmals interveniert und müssten dem ZVV auch für beide Stationen bezahlen. Doch statt einer Verbesserung in dieser Angelegenheit droht eine Verschlechterung anderswo: Nun soll die einzige Verbindung auf Verkehrsverbundgebiet nach Winterthur gar gekappt werden.

«Um die Anschlüsse am Bahnhof Mar­tha­len sicherstellen zu können, verkehrt die Linie 630 ohne die Bedienung der Haltestelle Feuerthalen, Lindenbuck», schreibt der ZVV im seit Montag öffentlich aufliegenden Fahrplanverfahren. Hauptgrund sind die geplanten Bauarbeiten am Schaffhauser Rhein­ufer, die den Verkehr verlangsamen und das Postauto bremsen könnten.

Machtlos müssen solche geplanten Änderungen nicht hingenommen werden. Bis Ende März kann im Fahrplanverfahren jedermann Einwendungen machen. Auch dem Gemeinderat Feuerthalen wurde seitens ZVV leicht arrogant beschieden, ihm stehe diese Vernehmlassung offen. Der Lindenbuck sei ein stark besiedeltes Gebiet, sagt Jürg Grau. «Wir werden die politischen Mittel nutzen.» Behandelt wird das Anliegen, ehe es in den Verkehrsrat kommt, in der RVK Weinland mit Präsident Jürg Grau.

Rattin statt Richter
Keine Einwände sind bezüglich der zweiten vorgesehenen Änderung im Weinland zu erwarten. Bei der Postautolinie 605 zwischen Stammheim und Andelfingen werden am Sonntag Angebotslücken gefüllt. Neu soll der Bus auch um 8.30 und 10.30 Uhr ab Stammheim fahren – und retour ab Andelfingen um 9 und 11 Uhr. Zu den aktuell rund 162'000 Kilometern pro Jahr kommen also ein paar dazu.

Bedient wird die Strecke seit Anfang Jahr von der Schaffhauser Firma Rattin, die sie (und das Personal) vom regionalen Postautounternehmer Peter Richter übernommen hat. Er habe keinen Nachfolger gehabt, sagt er, der ZVV habe Kontinuität verlangt. Nun hat er seine Garage an Rattin vermietet, für ihn stimme es.

Und keine Änderung sieht der aufliegende Fahrplan bei der Linie 676 vor, was für Dägerlen, Rutschwil, Berg und Oberwil jedoch keine guten Nachrichten sind. Der ZVV will also die beim letzten Fahrplanwechsel vorgenommene Streichung des Halbstundentakts nicht rückgängig machen. Für die Wiedereinführung habe sich die Behörde bereits stark gemacht, war an einer Wahlveranstaltung zu hören («AZ» vom 8.3.). Noch-Gemeindepräsident Markus Kyburz rief dabei die Bürger auf, sich ebenfalls zu äussern.

Fahrplanauflage: www.zvv.ch

War dieser Artikel lesenswert?

Zur Startseite

Zeitung Online lesen Zum E-Paper

Folgen Sie uns