Sport

Unser Olympia-Trumpf in Tokio

Für Angelica Moser steht das sportliche Highlight kurz bevor. Bei den Olympischen Sommerspielen in Tokio will die Stabhochspringerin aus Andelfingen den Einzug ins Finale meistern – auch ohne Publikum.

von Manuel Sackmann
23. Juli 2021

Heute Freitag kurz nach Mittag ist es so weit: Mit einer grossen Feier werden die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio offiziell eröffnet. Wie schon bei der Fussball-Europameisterschaft ist die Jahreszahl geblieben, obwohl der Start erst zwölf Monate nach dem ursprünglichen Termin erfolgt. Und auch sonst sind es spezielle Spiele. Auf Zuschauer wird gänzlich verzichtet.

Eine, die den besonderen Anlass hautnah miterleben wird, ist Stabhochspringerin Angelica Moser. «Es ist natürlich schon sehr schade, dass die Spiele nun so stattfinden müssen», sagt die Andelfingerin. Viel vom olympischen Charakter gehe verloren. Während des Wettkampfs befinde sie sich zwar «im Tunnel», ihr ganzer Fokus liege auf der eigenen Tätigkeit. Das Publikum nehme sie als unterstützenden Faktor aber dennoch wahr. Zum Glück habe sie schon 2016 in Rio de Janeiro «normale» Olympische Spiele erleben dürfen, und sie hoffe, dass diese auch nicht die letzten bleiben.

Vorbereitung mit Hindernissen
Doch vergangene und zukünftige Wettkämpfe sind derzeit irrelevant, ihr Fokus liegt auf der unmittelbar bevorstehenden Aufgabe. Denn: «Immerhin finden die Spiele überhaupt statt!», betont sie. Dass die 23-Jährige dabei sein kann, ist keine Selbstverständlichkeit, hatte sie doch seit ihrem grossen Triumph bei der Hallen-EM («AZ» vom 9.3.2021) mehrere Rückschläge zu verkraften. Die Vorbereitung auf Tokio verlief suboptimal. «Nach meinem Europameistertitel in der Halle klappte nicht alles ganz nach Wunsch», bestätigt sie. Zuerst erlitt sie eine Zerrung im Oberschenkel, und als sie endlich wieder in Form kam, stürzte sie bei den Schweizer Meisterschaften ab. Ihr Stab prallte ihr dabei mit voller Wucht auf das Handgelenk («AZ» vom 29.6.2021).

«Zum Glück ging es einigermassen glimpflich aus, aber es gab natürlich wieder Einschränkungen im Training.» Als Folge musste sie auf einen Wettkampf verzichten. «Zudem brauchte es einige Überwindung, um nach diesem Zwischenfall gleich wieder zu springen», sagt Angelica Moser.

Training vor der Haustür
Für Olympia macht sie sich aber keine Sorgen. «Ich bin zuversichtlich, dass ich bis zum Wettkampf in Tokio nicht mehr beeinträchtigt sein werde – weder körperlich noch mental!»

Sicherheit gewinnen und an den Details feilen konnte sie neu auch direkt vor der Haustür. Regelmässig war die Andelfingerin in den letzten Wochen auf dem neu gebauten Sportplatz bei der Dreifachhalle («AZ» vom 11.5.2021) anzutreffen, wo sie von einer modernen Infrastruktur profitieren kann. «Das ist ideal für mich und spart ziemlich viel Zeit», erklärt sie. Hauptsächlich habe sie Sprint- und Anlauf-Trainings auf der Laufbahn absolviert. «Leider konnte ich die Stab-Anlage noch nicht einweihen, aber ich hoffe, dass dies in diesem Jahr mal noch möglich wird!»

Ein neuerlicher Exploit?
Vorerst muss das warten. Am Samstag reist Angelica Moser ab nach Japan, wo sie zunächst eine Woche in einem Vorcamp verbringen wird, um sich zu akklimatisieren. Dann erfolgt der Einzug ins Olympische Dorf, bevor es am Montag, 2. August, kurz nach 12 Uhr Schweizer Zeit ernst gilt. Die Vorfreude ist gross.

«Mein Ziel ist die Finalqualifikation», gibt sie zu Protokoll. Keine einfache Aufgabe. «Das Niveau im Frauenstabhochsprung ist so hoch wie noch nie.» In Rio hätten 4,55 Meter gereicht, dieses Mal rechne sie mit etwa 4,70 Metern. Die Bestleistung der Weinländerin liegt im Freien bei 4,66 Metern. An der Hallen-EM verbesserte sie ihre Indoor-Besthöhe aber auf einen Schlag um fast zehn Zentimeter auf 4,75 Meter. Ein neuerlicher Exploit ist der 23-Jährigen, die sich als «Wettkampftyp» bezeichnet, also auch in Tokio zuzutrauen. Gelingt die Qualifikation, bestreitet sie das Finale am Donnerstag, 5. August, ab 12.20 Uhr Schweizer Zeit. Dann wird sich zeigen, ob der Weinländer Trumpf sticht.

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