Eigentlich wurde der Oldiebob-Club Bivio bereits am 29. Oktober 2004 gegründet. Marcus Schmid, Giancarlo Torriani, Marcel Rohner und Gerda Oertli waren kurz zuvor gemeinsam aus dem Vorstand des Skeleton Clubs Limmattal zurückgetreten und riefen den Plauschclub ins Leben. Hauptziel war, sich einmal im Jahr zu einem gemütlichen Wochenende in Bivio zu treffen. Richtig los ging es aber erst 2006. Damals durften Giancarlo Torriani, Hansruedi Portmann, Piero Rantra und Marcus Schmid als Statisten im Kinofilm «Schwere Jungs» auftreten. Sie übernahmen die Bobfahrten in historischen Schlitten auf dem Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina. Dies motivierte die Gruppe, einen richtigen Verein mit Statuten zu gründen, der sich zum Ziel setzte, alte Bobschlitten zu restaurieren und zu erhalten. Diese Aufgabe erfüllt der OBC Bivio mittlerweile seit 20 Jahren. In dieser Zeit war er auch massgeblich an der Gründung des Bobmuseums in St. Moritz beteiligt und hatte Auftritte im Rahmen der Bob-WM 2023. Regelmässig bietet der Club Taxifahrten in historischen Schlitten an. (az)
Daniel Peterhans hat Erfahrung. Der Betriebsleiter der Gehrig Carrosserie AG war schon vor einigen Jahren federführend, als er für Marcus Schmid vom Oldiebob-Club Bivio (siehe auch Kasten unten) mit zwei Lernenden einen rund 70 Jahre alten Bobschlitten der Schweizer Marke Feierabend restaurierte (AZ vom 22.1.2021). Das Projekt hinterliess Spuren. Für die angehenden Carrosserie-Spengler und -Lackierer war es eine ideale Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu stärken und etwas Eigenes zu erschaffen. Der Bob erstrahlte in neuem Glanz und kehrte zurück nach St. Moritz, wo er für Showfahrten oder Oldiebobrennen im Eiskanal genutzt wird. Und Daniel Peterhans fand eine neue Leidenschaft.
Mehrfach leistete er Volunteer-Einsätze am Olympia Bob Run St. Moritz-Celerina. Zudem ist er als Bremser bei Taxifahrten in historischen Schlitten unterwegs. Heute ist er selbst Mitglied im Oldiebob-Club Bivio und als Technischer Kommissär sogar im Vorstand des Vereins. Gleichzeitig ist er Vizepräsident des Bobrun Supporter Clubs, der die Bobschule in St. Moritz mit eigenem Rennmaterial unterstützt und so den Nachwuchs fördert. Und im Januar liess er sich durch privates Coaching zum Monobob-Piloten ausbilden. Seither rast er in Einzelschlitten den längsten Eiskanal der Welt hinab.
Fingerspitzengefühl gefragt
Monobobs dienten meist als Einstiegsschlitten, erklärt Daniel Peterhans. «Sie sind sicherer als Zweier- oder Viererbobs, weil es sie bei Stürzen durch ihre Bauweise oft gleich wieder aufstellt.» Dafür sei die Lenkung schwieriger, da man zu wenig Gewicht aufs Eis bringe. «Ich musste ein Gespür dafür entwickeln.»
Gesteuert werden moderne Bobs nicht mehr mit einem Lenkrad (wie etwa der alte Feierabendbob), sondern über eine Seilzuglenkung, die an den vorderen Kufen befestigt ist. Dabei ist Fingerspitzengefühl gefragt. «Es reichen minimale Bewegungen.» Deshalb sei es besser, beide Hände beziehungsweise Griffe der Lenkseile eng beieinander vor dem Körper zu halten statt links und rechts am Rand des Bobs. Ein Lernprozess.
Zwei alte und ein modernerer Bob
Wie es sich anfĂĽhlt, mit ĂĽber 120 Stundenkilometern eine schmale Bahn aus Eis hinunterzudonnern, werden bald auch einige andere Mitglieder des Teams der Gehrig Carrosserie AG am eigenen Leib erfahren. Denn erneut hat sich das Kleinandelfinger Unternehmen bereit erklärt, sich neben StrasÂsenfahrzeugen auch um die Aufbereitung von Bobschlitten zu kĂĽmmern.
Durch sein in den letzten Jahren aufgebautes Netzwerk kam Daniel Peterhans an drei Exemplare. Ein Vierer-Feierabendbob ist bereits vollendet und steht wieder im Einsatz als Taxigefährt. Noch in Arbeit sind aber die Restaurationen eines weiteren, rund 80-jährigen Vierer-Feierabendbobs aus dem Besitz des Oldiebob-Clubs Bivio und eines moderneren Zweierbobs, der dem Bobrun Supporter Club gehört. Letzterer hat Jahrgang 1993 und benötigte vor allem eine Umlackierung. Die grüne Farbe sollte dem schwarz-goldenen Schema des Vereins weichen. Bei dieser Gelegenheit wurden aber auch kleinere Schäden und Unreinheiten behoben.
Lernende im Einsatz
Für die Ausführung der Arbeiten sind auch dieses Mal die Lernenden des Betriebs zuständig. Anik Bahr (1. Lehrjahr) übernimmt die Spenglerarbeiten, Valentin Schwager (3. Lehrjahr) die Lackierung. Unterstützung erhalten sie dabei vom Betriebsleiter und von Yvonne Keller. Sie hat ihre Ausbildung als Carrosserie-Lackiererin im Unternehmen gemacht und im letzten Sommer abgeschlossen. Heute ist sie selbst als Ausbildnerin tätig.
Die Aufgaben sind vielfältig. Zunächst wurden die Bobs in ihre Einzelteile zerlegt, danach galt es, diverse Teile zu richten oder neu zu verschweisÂsen. Das Team fertigte neue Haltegriffe und AnschiebebĂĽgel an, schärfte die Kufen, spachtelte und fĂĽllerte. Den Abschluss bilden die Lackierung und der Zusammenbau. Während der alte Viererbob (abgesehen von der Sitzfläche) fast ausschliesslich aus Metall besteht, kommt beim modernen Zweierbob eine weitere Komponente hinzu. Er verfĂĽgt ĂĽber eine HĂĽlle aus Kunststoff.
Klassisches Handwerk erhalten
Dass das Bobprojekt wertvoll ist, darin sind sich Daniel Peterhans und die Lernenden einig. «Wir können das klassische Handwerk trainieren», sagt die angehende Spenglerin Anik Bahr. Ihr Vorgesetzter bestätigt: Im Alltagsbetrieb würden Teile heute eher ersetzt statt repariert, weil im Vergleich zu früher Ersatzteile günstig und Arbeitsstunden teuer seien. Die Gehrig Carrosserie AG setze im Sinne der Nachhaltigkeit aber seit geraumer Zeit auf die Reparatur. Umso wichtiger sei es, dass im Rahmen des Projekts auch gänzlich neue Teile hergestellt werden müssten.
Ein weiterer Vorteil: «Die Lernenden tragen Verantwortung. Was sie hier bauen, muss halten», betont der Betriebsleiter. Schliesslich sollen die Bobs wieder im Eiskanal zum Einsatz kommen, wo sie starken Kräften ausgesetzt sind. Unpräzise Arbeit liegt deshalb nicht drin.
Doch Daniel Peterhans macht sich diesbezüglich keine Sorgen und hat Vertrauen in sein Team, das neben dem laufenden Geschäft am Ende insgesamt rund 250 bis 260 Stunden in die Bobs investiert haben dürfte. Und er freut sich auf den 6. März. Dann steht als Lohn ein gemeinsamer Ausflug nach St. Moritz an. Auf dem Programm stehen unter anderem eine offizielle Bahnbegehung auf dem Olympia Bob Run und als grosses Highlight eine Taxifahrt in einem historischen Bobschlitten. «Das wird grossartig», meint auch Anik Bahr.
Deutschland: Vor 90 Jahren fanden die Olympischen Winterspiele erstmals in Garmisch-Partenkirchen statt. Anlässlich des Jubiläums fand dort ein historisches Bobrennen statt – mit Weinländer Beteiligung.
Letzte Woche wurde die Zeit in Garmisch-Partenkirchen um 90 Jahre zurückgedreht. 1936 hatten im bayrischen Skiort erstmals Olympische Winterspiele stattgefunden. Es war die insgesamt vierte Austragung der Veranstaltung und die erste, die alpine Skirennen im Programm hatte. Heuer standen aber nicht die Ski-, sondern die Bobfahrer im Fokus. Anlässlich des Jubiläums fand ein Rennen mit historischen Schlitten statt.
Anton Speer, Landrat des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, bezeichnete den Event als weltweit einzigartiges Ereignis. Die Anzahl der startenden Teams war auf 26 begrenzt, darunter zwei aus der Schweiz. Ivo Rüegg (BC Zürichsee), ehemaliger Doppelweltmeister, trat mit seinen Mitstreitern Stefan Bamert und Ivo Pfister an. Derweil vertrat Donald Holstein den Oldiebob-Club Bivio. Er wurde unterstützt von zwei Männern mit Weinländer Bezug. Marcus Schmid ist in Andelfingen zu Hause. Daniel Peterhans lebt in Schlatt TG, arbeitet aber in Kleinandelfingen für die Gehrig Carrosserie AG, wo er zum zweiten Mal für die Restauration alter Bobs zuständig ist (siehe Haupttext oben).
Gute Resultate
Um die legendäre Olympia-Bobbahn am Riessersee fahrbereit zu machen, waren Hunderte Helferstunden nötig. Doch alles funktionierte reibungslos, das Publikum erschien zahlreich. Aufgrund der relativ warmen Temperaturen wurde jedoch nur ein Rennlauf durchgeführt.
Die Schweizer Equipen schlugen sich wacker. Ivo Rüegg bewies, dass er nichts verlernt hat. Der 54-Jährige und seine Kollegen rasten auf Rang zwei. Auch Daniel Holstein und die beiden Weinländer waren schnell unterwegs und belegten am Ende den guten sechsten Rang. (az)
Bild unten (zvg): Daniel Peterhans, Donald Holstein und Marcus Schmid fuhren in Garmisch-Partenkirchen auf den sechsten Platz.
Alte Bobs in neuem Glanz