Weinland

Am Freitag war grosser Putztag

Die Schweiz ist frisch aufgeräumt. Am Clean-up-Day haben Schulen, Vereine, Gemeinden und Unternehmen ihre Umgebung vom Abfall befreit. Die Kinder von Uhwiesen, Mar­thalen, Ossingen und Andelfingen packten mit an.

von Silvia Müller
17. September 2019

Landauf, landab sind am Freitag die Schulkinder ausgezogen, um Abfälle aufzulesen. Zum siebten Mal hat die Interessengemeinschaft für eine saubere Umwelt (IGSU) die Bevölkerung aufgerufen, gemeinsame Aufräumaktionen zu organisieren. Die IGSU stellt den angemeldeten Putztruppen Handschuhe, Sicherheitswesten und ähnliches Material zur Verfügung. Dass so einmal im Jahr die öffentlichen Plätze, Strassen und Wiesen vom Unrat befreit werden, ist positiv, letztlich aber nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Denn der Clean-up-Day ist vor allem eine Präventionskampagne. Eine wirksame: Wer jemals am schulfreien Nachmittag vom Abwart zum «Fötzele» rund ums Schulhaus verdonnert worden ist, sieht Kaugummis, Zigarettenstummel und weggeworfene Verpackungen nachher mit ganz anderen Augen. Noch besser ist es natürlich, wenn die Erkenntnis nicht als Strafe erlebt, sondern als gemeinsames Erlebnis gewonnen wird. Wie am Clean-up-Day.

Auch die Kewy «sponsert»
2018 ist auch die Primarschule Marthalen zum ersten Mal ausgeschwärmt, um das Dorf zu säubern. Die Anregung kam vom Schulabwart – auf dem Schulareal chillen regelmässig Jugendliche und hinterlassen ziemlich viel Abfall. Die Hoffnung ist, dass dank den Aktionstagen eine Generation nachkommt, die ihrerseits Chillen nicht mit Littering gleichsetzen wird.

2020 geht die Primarschule wieder auf Putztour im Dorf, doch dieses Jahr haben die Lehrpersonen den Aktionstag zur Abwechslung bewusst anders gestaltet. «Wir haben nicht das Material der IGSU angefordert, sondern bei der Weinländer Kehrichtorganisation Kewy nachgefragt. Auch sie unterstützt solche Aktionen, beispielsweise bezahlt sie unseren abfallfreien Znüni», erzählt die Lehrerin Rahel Weber.

Theorie und Praxis
58 Mädchen und Buben von der vierten bis zur sechsten Klasse fuhren am Freitagmorgen nach Schaffhausen ins Museum zu Allerheiligen. Dort geht es in der Ausstellung «Boden-Schätze-Werte – unser Umgang mit Rohstoffen» noch bis Ende November um Ressourcen und Unweltverschmutzung.

Am Nachmittag wurden sie selbst produktiv. In einem Schulzimmer gestalteten sie auf den neu angeschafften Tablets Abfallplakate und Warnschilder, die auf dem Schulareal aufgestellt werden sollen. Zu zweit oder dritt suchten sie im Internet nach Fotografien von Abfall und fügten sie zu abschreckenden Collagen zusammen.

Dann wechselten sie in den Werkraum, wo es nach Bienenwachs duftete. Dort stellte jedes Schulkind ein paar Bienenwachstücher her. Seit einer Weile sind diese schwer angesagt, als Ersatz für Klarsichtfolie. «Damit packe ich jetzt immer mein Pausenbrot ein», sagte ein Junge, als er sich für ein bestimmtes Stoffmuster entschieden hatte.

Die Herstellung ist einfach: Saubere und saugfähige Baumwollstücke werden auf Backpapier gelegt und mit flüssigem Bienenwachs bepinselt. Mit einem weiteren Backpapier bedeckt, wird der Wachs ins Tuch gebügelt. Der Stoff fühlt sich danach ähnlich wie Wachspapier an und kann immer wieder zum Einpacken von Lebensmitteln und zum Abdecken von Schüsseln verwendet werden – feucht abwischen genüge, weil Bienenwachs antiseptisch wirke, erklärte Rahel Weber den Kindern. Wenn das Tuch nach vielem Gebrauch etwas brüchig wird, reicht Aufbügeln, um das Wachs wieder gleichmässig in den Fasern zu verteilen.

Lernen aus Reimen
Auch die Kinder der ersten bis dritten Klasse kamen nicht mit leeren Händen nach Hause. Sie bedruckten feine Stoffsäckli mit Früchten und Gemüsen – damit werden beim Einkaufen die «Raschelsäcklein» überflüssig.

Warum Plastik zu einem Riesenproblem geworden ist, lernten die Kinder aus einem Film und aus dem sensationell anschaulichen «Kindergedicht vom Mikroplastik» (googeln!). Hier nur ein kurzes Zitat daraus: «Doch bevor der Seehund zum Teufel geht und der Seeteufel geht vor die Hunde, kannst du auf Mikroplastik verzichten, und zwar noch in dieser Stunde. … Und willst du andere überzeugen, schick ihnen dies Gedicht. Weil Plastik unkaputtbar ist, die Erde aber nicht.»

Weinländer Schulen und Pfadi am Werk


Nicht nur in der Schule Marthalen stand am Freitag das Abfallthema auf dem Programm. Auch in anderen Dörfern waren tüchtige Abfallsammeltruppen unterwegs. So wurde der Clean-up-Day auch von der Primarschule Ossingen und von der Elternmitwirkung der Primarschule Uhwiesen durchgeführt. Und anstelle einer Übung hat die Pfadi Andelfingen am Samstag den Bezirkshauptort vom Abfall befreit. (sm)

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