Weinland

Der «AZ»-Kuchen ist losgewandert

Früher hiess er Hermann, war ein süsser Sauerteig und tourte jahrzehntelang als essbarer Kettenbrief durch die Küchen. Die «AZ»-Redaktion will es wissen: Wie weit kommt ihr frisch angesetzter Sauerteig diesmal?

von Silvia Müller
07. August 2020

Sollten Sie in den nächsten Wochen und Monaten einen etwas unansehnlichen, flüssigen Vorteig angeboten bekommen, sagen Sie nicht Nein! Aus zwei guten Gründen: Erstens wird das, was Sie nach zehn Tagen damit backen können, ziemlich sicher sehr gut schmecken, und zweitens tragen Sie damit zu einem kleinen Experiment bei, das die «AZ»-Redaktion an der Landstrasse 70 gestartet hat.

Seit den Siebzigerjahren tourte immer wieder mal ein solcher Schenk-Teig namens Hermann durch die Küchen, doch irgendwie scheint er den Weg nicht mehr zurückzufinden. Wir haben deshalb die Weinländer Reinkarnation von Hermann beschlossen und das Kind auf den schönen persischen Mädchennamen «Azada» getauft. Der bedeutet Freiheit, Unabhängigkeit und passt somit lautlich und auch weltanschaulich sehr gut zur «AZ».

Zu diesem Zweck haben wir in unserer blitzblanken Redaktionsküche einen neuen Sauerteig angesetzt und ihn zehn Tage lang aufgepäppelt, bis er – keineswegs zufällig am Nationalfeiertag – zum Verschenken reif war.

Marthalen, Martigny oder Mallorca
Doch wie es Eltern so an sich haben: Völlig unbeobachtet lassen wir den Nachwuchs am Ende doch nicht in die Fremde ziehen. Wir wollen natürlich insgeheim wissen, wo sich unsere süs­se Streunerin rumtreibt. Und vor allem, wie weit sie in der Welt herum­kommt.

Deshalb werden wir es auf einer Karte in unserem Onlineportal verzeichnen, wenn Azada zum ersten Mal in einem neuen Ort auftaucht. Also beispielsweise bei Ihnen in Marthalen, Martigny oder auf Mallorca. Das klappt natürlich nur, wenn Sie uns die Ankunft von Azada in Ihrem Wohnort melden. Ein kurzes Mail genügt! Ihr eigener Name wird selbstverständlich nicht veröffentlicht.

Ein pflegeleichtes Pflegekind
Danke, dass Sie Azada vorübergehend aufnehmen! Sie ist pflegeleicht. Sie will lediglich ein Plätzchen im Kühlschrank, insgesamt zweimal gefüttert und täglich einmal gut gerührt werden. Wenn sie mal einen Tag länger Hunger leiden muss, nimmt sie auch keinen Schaden. Sie können sie sogar tiefkühlen und wieder auftauen, wenn Sie zwischendurch mal Pause oder Diät brauchen.

Wer lieber Brot damit backen möchte oder den Kuchen weniger süss mag, kann die Zuckerzugabe stark reduzieren und auf Wunsch anstelle von Milch auch lauwarmes Wasser nehmen. Azada macht also ziemlich vieles mit. Trotzdem sind ein paar Punkte wichtig für ihr Gedeihen:

- Sie will nicht mit Metall in Berührung kommen – Schüsseln und Kellen aus Porzellan, Plastik und Holz verwenden.

- Sie sollte ausreichend gefüttert und täglich einmal gerührt werden.

- Sie sollte in einer ca. 2 Liter fassenden Schüssel einen Platz im Kühlschrank bekommen, um zugedeckt in Ruhe zu gären. Schaumbildung ist ein gutes Zeichen. Ein angenehm säuerlicher, leicht alkoholischer Geruch zeigt an, dass alles gut gedeiht.  Sollte sich aber Schimmel bilden, ist etwas schiefgegangen – solchen Teig auf keinen Fall weiter verwenden.

Hunderte Rezepte im Internet
Eine Portion Sauerteig kann in fast jedem Kuchenrezept untergebracht werden und verleiht ihm Luftigkeit und ein unverwechselbares Aroma. Das Internet liefert unter dem Stichwort «Hermann-Kuchen» Hunderte Kuchen- und Brotrezepte von süss bis salzig.

Besonders einfach ist das nebenan aufgeführte Grundrezept, das mit Tassen statt mit der Waage hantiert. Nach Lust und Laune verfeinert, beispielsweise mit Nüssen, Zitronensaft, Trockenfrüchten, Likören oder Schoggi­stücken, schmeckt es jedes Mal etwas anders.

Falls Sie Besuch von Azada bekommen, melden Sie es bitte an azada@andelfinger.ch

Die Anleitung für den Wanderkuchen finden Sie hier.

 

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