Die Pilze machen sich rar

Region - Keine Morcheln im Frühling, wenig Ausbeute im Herbst: Pilzkontrolleurin Nicole Mettler aus Marthalen erlebt ein mageres Pilzjahr. Für einen späten Schub müsste es kräftig regnen, bevor der Frost kommt.

Stefanie Tumler (st) Publiziert: 13. Oktober 2026
Lesezeit: 3 min

Eineinhalb Stunden ist Nicole Mettler jeweils mittwochs und sonntags bei der Pilzkontrolle in Feuerthalen anzutreffen. Doch in dieser Saison gibt es Abende, an denen sie vergeblich auf Kundschaft wartet. Niemand kommt mit einem Korb vorbei, niemand legt ihr einen Fund zum Prüfen vor. Wo sonst Steinpilze, Eierschwämmli und andere Waldpilze auf ihre Beurteilung warten, bleibt der Tisch leer.

Im Schnitt führt die Pilzkontrolleurin während einer Saison rund 150 Kontrollen durch. Die Stelle im Schulhaus Stumpenboden ist für Dachsen, Feuerthalen, Flurlingen und Laufen-Uhwiesen zuständig. Doch auch aus anderen Zürcher Gemeinden, aus Schaffhausen, dem Thurgau und dem deutschen Grenzgebiet kommen Sammlerinnen und Sammler vorbei. Dieses Jahr bleiben viele von ihnen aus. Und auch Nicole Mettler selbst merkt auf ihren Streifzügen durch den Wald: Es ist ein schlechtes Pilzjahr.

Dabei geht es nicht allein um spärlich gefüllte Körbe. Auch die Artenvielfalt ist laut der Pilzkontrolleurin auffällig gering. Bei den Täublingen beispielsweise habe sie nicht einmal einen Bruchteil jener Vielfalt angetroffen, die sie aus anderen Jahren kenne. Und dasselbe Bild ziehe sich durch die verschiedenen Pilzfamilien.

Ungewöhnlich ist vor allem, dass der erhoffte Aufschwung im September ausgeblieben ist. Wenn die Pilzkontrolle im August beginnt, ist es oft noch heiss und entsprechend ruhig. Anfang September nimmt die Saison nach ihrer Erfahrung normalerweise Fahrt auf. Der Monat gehört gewöhnlich zu den stärksten der Saison, bevor die Funde im Oktober wieder zurückgehen. Dieses Jahr aber blieb dieser Schub aus.Dass es schwierig werden könnte, hatte sich bereits im Frühling angedeutet. Im April geht Nicole Mettler jeweils auf Morchelsuche. Dieses Jahr fand sie keine einzige. Als Grund sieht sie den trockenen Monat.

Auch im Schwarzwald kaum Pilze

Bei ihren Ausflügen in den Schwarzwald machte sie ähnliche Erfahrungen wie in ihren heimischen Sammelgebieten. Im Juli fand sie dort zwar noch Eierschwämmli, bei späteren Besuchen blieb ihre Suche jedoch erfolglos. Dabei kennt sie die Gegend als ausgesprochen ergiebiges Pilzgebiet.

Schwankungen von Jahr zu Jahr seien zwar üblich. Vor drei oder vier Jahren etwa erinnert sie sich an besonders viele Steinpilze, 2025 fand sie selbst vor allem Eierschwämmli. Eine vergleichbare Fülle fehlt in diesem Jahr bislang.

Von ihren Erfahrungen auf sämtliche Regionen schliessen will sie dennoch nicht. In den Bergen könne die Situation örtlich anders aussehen. Wo Gewitter mehr Regen gebracht hätten, könnten auch die Bedingungen für Pilze günstiger sein. Für die Gegend rund um ihre Kontrollstelle und ihre eigenen Sammelgebiete fällt die bisherige Bilanz jedoch mager aus.

Abschreiben will sie die Saison trotzdem noch nicht. Der Boden sei nach wie vor warm. Was nun fehle, sei vor allem eines: Wasser. Und davon brauche es reichlich. Ein wenig Regen genüge nicht, um den Boden ausreichend zu durchfeuchten.

Damit beginnt jetzt allerdings ein Wettlauf mit der Zeit. Noch könnten die Pilze spriessen und den Sammlerinnen und Sammlern einen versöhnlichen Saisonabschluss bescheren. Entscheidend sind die kommenden Wochen: Bleibt der Regen aus oder setzt vorher der Frost ein, dürfte die Hoffnung auf einen späten Schub und volle Körbe sich nicht erfüllen.

Und falls die Pilze doch noch kommen, hat Nicole Mettler einen Rat für die Sammlerinnen und Sammler: Die Funde sollten in einem Korb oder einer Stofftasche zur Kontrolle gebracht werden. Plastiksäcke eignen sich nicht, weil die Pilze Luft brauchen. Hilfreich sind zudem gereinigte und nach Arten getrennte Funde, am besten in einzelnen Behältern. So bleiben unbekannte oder möglicherweise giftige Exemplare von den übrigen getrennt.