Weinland

Ebay-Klicks mit gigantischen Folgen

Beat Frauenfelder ging auf Nummer sicher beim Erfüllen seines Jugendtraums und bot gleich bei zwei pinken 59er De Villes mit. Am Ende bekam er sie beide. Bereut hat er das nie.

von Silvia Müller
03. August 2019

Ein riesiger amerikanischen Oldtimer mit chromblitzenden Heckflossen, das war schon immer Beat Frauenfelders Wunsch. Zum ersten Mal erfüllte er ihn sich mit einem hellblauen Cadillac De Ville Cabriolet 1968, gekauft in der Schweiz. Ein wahres Schlachtschiff, 7,7- Liter-V8-Motor, 385 PS, 2300 Kilo Leergewicht, 5,7 Meter lang und 2,06 breit und mit technischen Extras, die europäische Wagen erst 30 Jahre später besassen.

Ist der Anfang erst mal gemacht, geht vieles fast von selbst weiter – besonders Sammlerinnen und Sammler können davon ein Lied singen. Konnte es Zufall sein, dass just in Beat Frauenfelders Geburtsjahr 1959 auch der legendärste aller Cadillacs auf den Markt kam, der 59er De Ville mit der fotogensten Heckflosse der Automobilgeschichte?

Schlank, aber mit Kurven an den richtigen Stellen, mit geschwungenen Chromleisten und Heckflossen wie Raketenschenkeln, mit Doppelkugel-Rückleuchten und einem juwelenartig glitzernden Kühlergrill – kein anderes Modell symbolisiert die amerikanischen 50er üppiger.

Der 59er glänzte standardmässig mit Servolenkung sowie elektrisch verstellbaren Scheiben, Sitzen und Antennen, und optional gabs bereits Klimaanlage, pneumatische Federung und das famose «autronic eye» – ein Vorgänger des heutigen Fernlichtassistenten, der allerdings nicht zuverlässig funktionierte.

Lebhafter Markt in Finanzkrise
An seinem 50. Geburtstag beschloss Beat Frauenfelder, sich auch den 59er-Traum zu erfüllen. Diesmal wurde er in den USA fündig. Erstaunt entdeckte er, dass auf Ebay zahlreiche 59er zu haben waren, und das zu vernünftigen Preisen. «Das war 2010, und die Finanzkrise wirkte sich inzwischen voll aus. Es gab plötzlich viele Verkäufer und nur wenige Interessenten», erzählt er.

Beat Frauenfelder war definitiv interessiert, und so bot er zur Sicherheit gleich bei zwei pinken 59er De Villes mit. «Als mir am Ende plötzlich beide gehörten, war ich etwas überrumpelt, aber nicht allzu lange», erzählt er und lacht. Die Ausfuhr, der Transport, die Renovierungsarbeiten, das Einlösen in der Schweiz – das alles gleich für zwei Autos zu machen, sei eigentlich höchst sinnvoll gewesen.

Der Maschineningenieur macht die meisten Reparaturen und Unterhaltsarbeiten an seinen Oldtimern selbst. Cadillac habe bewährte Komponenten zum Teil jahrzehntelang eingebaut, deshalb seien die Ersatzteile immer noch leicht erhältlich. «Problematisch an den damaligen Autos war vor allem der Rost. Nach zehn Jahren waren sie durchgerostet», erzählt er. Deshalb seien die weitaus meisten der rund 150'000 gebauten 59er längst verschrottet. Originale Carosserie-Ersatzteile gibt es nicht mehr, die muss man nachbauen lassen.

Die meisten Ersatzteile kauft Beat Frauenfelder auf US-Plattformen und lässt sie an die Adresse eines Freundes liefern. «Wenn genug beisammen ist, fliege ich mit zwei leeren Koffern in die Staaten und besuche meinen Freund. Wir haben immer gute Tage mit Steaks und Fachsimpeleien», erzählt er. Auf dem Heimweg seien die Koffer dann voller Ersatzteile.

Erstaunt über Aufmerksamkeit
Dass seine Odtimer so viel Aufmerksamkeit erregen, habe ihn anfangs ziemlich überrascht. Leute jeden Alters winken und strahlen, wenn ein schöner alter Schlitten vorbeibraust. Er bekommt häufig spontane Anfragen für Fotoshootings und Ausfahrten. Vieles lasse sich einrichten, sagt er, aber etwas würde er nicht tun: den Zündschlüssel aus den Händen geben.

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Über die Sommerzeit stellt die «Andelfinger Zeitung» aus­sergewöhnliche Gefährte und die Geschichten dahinter vor. «Ebay-Klicks mit gigantischen Folgen» ist der siebte Beitrag der Serie.

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