Auch Traditionen brauchen Erneuerungen. Was nicht mehr funktioniert, darf geändert werden. Und was gut funktioniert, darf ausgebaut werden. Die auffälligste Neuigkeit am Stammer Markt war wohl die Tribünenbar des FC Stammheim. Vor die bisherige Bar in der Scheune wurde im Gerüstbau eine Tribüne auf Zeit errichtet. Von dieser blachenbedeckten Panoramabar aus hatte man die beste Sicht auf die gemütliche Völkerwanderung auf der Hauptstrasse.
Die extern angebaute und über eine breite Freitreppe erschlossene Tribünenbar ist eine gleichzeitig attraktive und sinnvolle Erweiterung. In Stammheim war die feuerpolizeiliche und sicherheitstechnische Kontrolle im Vorlauf des Jahrmarkts schon vor der Tragödie in Crans-Montana ernst genommen worden. Seither gibt es bei den Begehungen kaum mehr Diskussionen über Brandsicherheit und Fluchtwege.
Ausreichende Vorkehrungen sind tatsächlich nötig, wenn die Menschen von überallher anreisen. Die Parkfelder füllten sich schon früh am Tag, und jeder Zug brachte neue Scharen. Wie immer war das Gedränge in den Gassen und Marktbeizen besonders am Sonntag beachtlich.
Die Insider wissen zwar, dass sie ebenso gut nur am Montag kommen könnten. Dann sind alle Marktstände und Attraktionen noch vollständig besetzt, und zusätzlich gibt es eine der letzten Landmaschinenschauen weit und breit: Mächtige Traktoren und modernstes Gerät für Feld, Forst und Garten säumen die Strasse unterhalb des «Schwerts». Doch die meisten Talbewohner kommen stets an beiden Tagen, schieben Helferschichten, hüten die Stände, flanieren und geniessen die Zeit miteinander.
Gleich nach dem Artikel in der Grossauflage der «Andelfinger Zeitung» am Freitag kroch das Spendenbarometer für einen neuen Karussell-Transportwagen stetig in die Höhe: Auf «gofundme» trafen die bereits angekündigten 10'000 Franken von der Gemeinde Ossingen gleichzeitig mit den ersten Spenden der Leserinnen und Leser ein. Zusammen erhöhten sie von knapp 71'000 auf 83'000 Franken.
Ronny Moser, Präsident der Rössliriiti-Genossenschaft, ist glücklich über die 30'000 Franken der drei Gründergemeinden und über die Solidarität der Bevölkerung. In Stammheim seien am Sonntag und am Montagmorgen weitere 1600 Franken direkt ins Kässeli neben der «Rössliriiti» gesteckt worden. «Wir fanden darin sogar ein winzig zusammengefaltetes Tausendernötli», erzählte er am Telefon, hörbar gerührt von so viel Unterstützung. «Nach diesem ersten Zwischenresultat sind wir hoffnungsvoll, unser Sammelziel bis Ende Jahr erreichen zu können», sagte er. Noch nicht eingerechnet sei die Spende des Landfrauenvereins Stammertal. Die Frauen spenden den Erlös aus ihrem Jahrmarkt-Flohmarkt jedes Jahr einer gemeinnützigen Institution. Diesmal lag es nahe, das eigene Karussell zu unterstützen.
Zusammen mit den Onlinespenden erreichte der Kontostand gestern Nachmittag bereits 89'000 Franken. Damit fehlen noch rund 35'000 Franken. Die nächsten Runden dreht das historische Karussell in Andelfingen, Ossingen, Schleitheim und auf dem Fronwagplatz in Schaffhausen. (sm)
Einmal mehr Wetterglück am Jahrmarkt